VOA-Technischer Kreis: Regulierung, Qualitätsanforderungen und Effizienz rücken enger zusammen

BREF STM, PFAS, neue Anforderungen bei QUALANOD, QUALICOAT und QUALISTRIP, Forschungsprojekte, Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz: Der Technische Kreis des VOA zeigte in Augsburg, wie eng Verfahrenstechnik, europäische Regulierung und Ressourceneinsatz inzwischen miteinander verknüpft sind. Dabei wird auch die Qualität belastbarer Betriebsdaten zunehmend zum strategischen Faktor für die Branche.

Regulierung wird zur technischen Betriebsaufgabe

Wie eng technische Entwicklung, Qualitätssicherung und Regulierung inzwischen miteinander verflochten sind, zeigte sich beim Technischen Kreis des Verbands für die Oberflächenveredelung von Aluminium (VOA) in Augsburg in nahezu allen Programmpunkten. Neben klassischen Fragen der Eloxal- und Beschichtungstechnik standen immer wieder Themen im Mittelpunkt, die ihren Ursprung zunächst außerhalb der unmittelbaren Produktion haben: europäische Emissionsregelungen, REACH und die geplante PFAS-Beschränkung, internationale Qualitätszeichen, Versicherungsanforderungen, Energie- und Ressourcennachweise oder die Frage, wie betriebliche Kennzahlen so erhoben werden können, dass daraus überhaupt sachgerechte Branchenbenchmarks entstehen.

Damit rückte zugleich ein Problem in den Vordergrund, das Oberflächenbetriebe zunehmend beschäftigt. Technische Regeln werden detaillierter, regulatorische Verfahren datenintensiver und Nachweispflichten umfangreicher. Gleichzeitig ist die Branche alles andere als homogen. Ein auf Profile spezialisierter Eloxalbetrieb arbeitet unter anderen Bedingungen als ein Kleinteilebetrieb, eine Lohnbeschichtung mit täglich wechselnden Geometrien unter anderen Voraussetzungen als eine auf wenige Serienprodukte abgestimmte Linie. Genau diese Unterschiede geraten jedoch unter Druck, wenn aus wenigen Betriebsdaten pauschale Kennwerte oder aus einer einzelnen technischen Lösung eine vermeintlich allgemein „beste verfügbare Technik“ abgeleitet werden.

Ralf Heitzelmann machte bereits in seinem Bericht aus der Technischen Kommission und den Projektgruppen deutlich, welchen Aufwand der Verband inzwischen betreiben muss, um technische Regelsetzung zu begleiten. Internationale Qualitätszeichen produzieren fortlaufend neue Beschlüsse, Prüfanforderungen und Textänderungen. Hinzu kommen europäische regulatorische Verfahren sowie nationale Anforderungen. Für den VOA bedeutet dies nicht nur, neue Vorgaben an seine Mitglieder weiterzureichen. Regelungen müssen technisch bewertet, ihre Konsequenzen für unterschiedlich strukturierte Betriebe abgeschätzt und gegebenenfalls eigene Branchenpositionen in internationale Gremien eingebracht werden.

Wenn aus Betriebsdaten Grenzwerte werden

Wie groß die Tragweite solcher Arbeiten sein kann, wurde besonders beim Bericht von Bernard Gilmont von ESTAL und Marc Steffen Hinderer von Hydro Extrusion Deutschland zur Revision des europäischen BREF „Surface Treatment of Metals and Plastics“ deutlich. Die Überarbeitung läuft seit 2021 und war zum Zeitpunkt der Veranstaltung bereits ein langjähriger und ausgesprochen datenintensiver Prozess. Hinderer verwies auf einen frühen Dokumentumfang von rund 991 Seiten. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch weniger in der Seitenzahl als in der Frage, aus welchen Daten künftig europäische Anforderungen abgeleitet werden.

Für das BREF werden Emissionswerte ebenso wie Wasser-, Energie- und Ressourcenverbräuche realer Anlagen ausgewertet. Im Grundsatz ist dieses Vorgehen nachvollziehbar: Best Available Techniques sollen auf real verfügbaren Technologien und tatsächlich erreichbaren Umweltleistungen basieren. Kritisch wird es jedoch, wenn die Datenbasis klein ist, einzelne besonders gute oder ungewöhnliche Anlagen die Statistik verzerren oder strukturell völlig unterschiedliche Produktionsweisen miteinander verglichen werden.

Genau hier setzte die Kritik der Branchenvertreter an. Oberflächenbehandlung von Aluminium sei kein homogener Prozess, für den sich ohne weiteres ein einheitlicher spezifischer Wasser- oder Energieverbrauch definieren lasse. Unterschiede bestehen nicht nur zwischen Eloxieren, chemischer Vorbehandlung und anderen Prozessen, sondern auch zwischen Anlagenkonzepten, Bauteilspektren, Losgrößen, Qualitätsanforderungen und der Integration von Nebenprozessen.

Das Problem erhält durch die novellierte Industrieemissionsrichtlinie zusätzliche Bedeutung. Denn BAT-AEL-Spannen – also mit den besten verfügbaren Techniken assoziierte Emissionswerte – sind nicht lediglich unverbindliche Orientierungspunkte. Bei der Festlegung von Genehmigungswerten soll geprüft werden, welches Niveau am jeweiligen Standort innerhalb der Spanne tatsächlich erreichbar ist. Damit bekommt insbesondere der untere, strengere Rand einer BAT-AEL-Spanne erhebliche praktische Bedeutung. Wird dieser auf Basis weniger oder nicht repräsentativer Daten zu niedrig angesetzt, kann ein statistischer Wert sehr schnell zu einem technischen und genehmigungsrechtlichen Problem für zahlreiche Anlagen werden.

ESTAL hat deshalb erhebliche Arbeit in den Sevilla-Prozess investiert. Nach Angaben der Referenten beteiligte sich der Verband bereits an der Gestaltung der Datenerhebung, nahm an Workshops mit den BREF-Autoren teil und reichte zum ersten Entwurf 2025 insgesamt 99 Kommentare sowie drei Begleitdokumente ein; 2026 folgten weitere Unterlagen. Hinter vielen Kommentaren stehen keineswegs akademische Detailfragen. Es geht um Werte, die später Investitionen in Abwasserbehandlung, Ablufttechnik, Messprogramme oder Prozessänderungen auslösen können.

Bei den Emissionen ins Wasser lagen die Positionen von Kommission und ESTAL teilweise deutlich auseinander. So standen beispielsweise für den chemischen Sauerstoffbedarf COD einem Kommissionsbereich von 30 bis 150 mg/l aus der ESTAL-Perspektive 200 bis 400 mg/l für Direkteinleiter gegenüber. Für Gesamtfeststoffe wurden anstelle von 5 bis 30 mg/l 40 bis 80 mg/l vorgeschlagen. Bei Fluoriden plädierte ESTAL statt 2 bis 10 mg/l für 10 bis 20 mg/l und forderte zugleich eine Berücksichtigung gemeinsamer Abwasserbehandlung mehrerer STM-Prozesse. Für verschiedene weitere Parameter – darunter TOC, Arsen, Bor, Cadmium, Chrom oder Cyanid – wurde sogar eine Streichung aus dem betreffenden Regelungsbereich gefordert, wenn die vorhandene Datenbasis aus Sicht des Verbands keine robuste Ableitung zulässt.

Ähnlich grundsätzliche Diskussionen gibt es bei Emissionen in die Luft. Für HF stand beispielsweise dem Kommissionsvorschlag von 0,1 bis 1 mg/Nm³ eine ESTAL-Position von 2 bis 5 mg/Nm³ gegenüber. Beim Gesamtstaub oder bei Nickel argumentierte der Verband für eine Streichung, bei TVOC für eine andere Abgrenzung und einen höheren Bereich.

Entscheidend ist dabei weniger jeder einzelne Zahlenwert als das zugrunde liegende Problem. Sobald solche Bereiche Teil der BAT-Schlussfolgerungen werden, verändern sie sich von technischen Vergleichsdaten zu potenziellen Genehmigungsanforderungen. Das macht die Qualität der zugrunde liegenden Daten für die Branche zu einer strategischen Frage.

Hinderer verdeutlichte die Gefahr einer zu weit gehenden Verallgemeinerung auch anhand einer sogenannten Natron-Retardationsanlage, die im bestehenden Regelungsumfeld als beste verfügbare Technik auftauche, nach seiner Darstellung unter den anwesenden Betreibern jedoch praktisch keine Verbreitung habe. Auch beim Sealing musste die Branche erläutern, weshalb nicht eine einzige Temperatur oder Verfahrensvariante pauschal als BAT gesetzt werden kann: Unterschiedliche Sealing-Systeme und Qualitätsanforderungen benötigen unterschiedliche Prozessbedingungen.

Damit wird auch sichtbar, warum die Bereitstellung von Betriebsdaten keineswegs nur Statistik für einen Verband ist. Wer als Branche zu wenige belastbare Daten liefert, riskiert, dass regulatorische Schlussfolgerungen auf einer zu kleinen oder verzerrten Basis entstehen. Für die einzelnen Unternehmen bedeutet das allerdings wiederum Aufwand: Verbräuche müssen erhoben, plausibilisiert, vergleichbar gemacht und unter Wahrung der Vertraulichkeit zur Verfügung gestellt werden.

PFAS: Zwischen berechtigtem Umweltschutz und problematischen Hochrechnungen

Besonders deutlich wurde das Spannungsfeld zwischen regulatorischem Ziel und industrieller Realität beim zweiten großen europäischen Thema des Vortrags: der im Rahmen von REACH diskutierten umfassenden Beschränkung per- und polyfluorierter Alkylsubstanzen, PFAS.

ESTAL unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen Eloxal und Pulverbeschichtung. Für das Eloxieren wandte sich Gilmont gegen die Annahme, PTFE werde in einem erheblichen Anteil der europäischen Betriebe eingesetzt. Die ESTAL-Unterlagen beziffern den relevanten Anwendungsanteil auf weniger als ein Prozent des Marktes. Im Vortrag rekonstruierte Gilmont, wie nach seiner Einschätzung aus einem einzelnen Anwendungsfall und einer pauschalen Hochrechnung auf rund 300 Unternehmen ein massiv überschätzter Stoffeinsatz entstanden sei.

Der Vorgang steht beispielhaft für ein grundsätzliches Problem regulatorischer Datenerhebung: Eine Annahme, die in einem Dossier zunächst nur der Abschätzung einer Größenordnung dient, kann sich durch weitere Berechnungen verselbstständigen und letztlich die Begründung für weitreichende Beschränkungen liefern. Aus Sicht der Branche ist es deshalb entscheidend, solche Annahmen frühzeitig mit realen Produktionsdaten abzugleichen.

Bei Pulverlacken ist die Situation weniger eindeutig. Hier bestätigte Gilmont, dass PTFE beziehungsweise andere Fluorpolymere in bestimmten Systemen tatsächlich eingesetzt werden. Genannt wurden insbesondere Beschichtungen mit hoher Witterungsbeständigkeit sowie spezielle fein strukturierte Oberflächen. Eine im Vortrag genannte grobe Größenordnung von etwa einem Viertel der Pulver wurde ausdrücklich nicht als abgesicherter Marktwert ausgewiesen. Die entscheidende Frage ist ohnehin eine andere: Gibt es für die jeweilige Funktion technisch gleichwertige PFAS-freie Alternativen?

Die Beschichter selbst können diese Frage nur begrenzt beantworten, denn sie sind bei der Formulierung ihrer Pulverlacke auf die Entwicklung der Lackhersteller angewiesen. Eine Beschränkung, die bestimmte PFAS-Verwendungen beendet, bevor technisch gleichwertige Alternativen verfügbar sind, könnte nach Einschätzung von ESTAL deshalb nicht nur Materialwechsel auslösen, sondern einzelne Oberflächenqualitäten oder Anwendungen grundsätzlich infrage stellen.

Damit kommt auch ein wettbewerbspolitischer Aspekt hinzu. Die Referenten warnten vor Produktionsverlagerungen außerhalb Europas, wenn bestimmte Produkte innerhalb der EU nicht mehr hergestellt werden können, vergleichbare beschichtete Erzeugnisse jedoch weiterhin auf den europäischen Markt gelangen. Das wäre aus Sicht der Branche weder ökologisch noch industriepolitisch ein überzeugendes Ergebnis.

Zum Veranstaltungstermin war der REACH-Prozess noch nicht abgeschlossen. Die öffentliche Konsultation zum Entwurf der sozioökonomischen Bewertung durch den SEAC war am 25. Mai 2026 beendet worden. Die endgültige Entscheidung über die Beschränkung stand weiterhin aus. Für die Betriebe bleibt damit eine erhebliche Unsicherheit: Investitions-, Material- und Produktentscheidungen müssen vorbereitet werden, obwohl Umfang, Übergangsfristen und Ausnahmen der späteren Regelung noch nicht endgültig feststehen.

Qualitätszeichen: Immer mehr Detailarbeit im Produktionsalltag

Dass der Aufwand für Betriebe nicht erst mit gesetzlichen Vorschriften beginnt, zeigte auch der umfangreiche Bericht über QUALANOD, QUALICOAT und QUALISTRIP. Die internationalen Qualitätszeichen beruhen auf wiederkehrenden Prüfungen, Zulassungen und detaillierten Spezifikationen. Ihre Stärke liegt in der Standardisierung und in verlässlichen Mindestanforderungen. Gleichzeitig entsteht mit jeder Weiterentwicklung zusätzlicher Abstimmungs-, Prüf- und Dokumentationsbedarf.

Schon ein scheinbar kleines Thema wie das Prüfmittel bei QUALANOD verdeutlicht die Problematik. Weil sich Verfügbarkeit beziehungsweise Eigenschaften des bisher verwendeten Glasschleifpapiers verändert hatten, wurde international eine Glasfeile als Alternative untersucht. Von 1.590 ausgegebenen Feilen kamen 162 Rückmeldungen zurück. Während der Generallizenzgeber die Ergebnisse positiv bewertete, hielt der VOA die Rücklaufquote für nicht repräsentativ und kritisierte fehlende eindeutige Parameter für Durchführung und Bewertung. Trotzdem wurde die Methode im Technical Committee beschlossen; ein ergänzendes technisches Informationsblatt soll nun die Anwendung genauer festlegen.

Noch umfangreicher fallen die Änderungen bei QUALICOAT aus. Die 26. Ausgabe der Spezifikationen ist in eine Einführung und drei Volumes für Beschichter, Hersteller chemischer Vorbehandlungssysteme und Pulverhersteller gegliedert. Die englische Originalfassung ist verbindlich, parallel stellt der VOA eine deutsche Übersetzung bereit. Allein deren Aktualisierung ist ein nicht zu unterschätzender Aufwand. In der Projektgruppe Übersetzung wurde deshalb diskutiert, ob eine vollständige deutsche Fassung dauerhaft erforderlich ist. In anderen Ländern wird weitgehend mit dem englischen Original gearbeitet; in Deutschland entsteht der Bedarf nach Aussage aus dem Teilnehmerkreis vor allem aus Audit- und Organisationspraxis. Fachlich korrekte Übersetzung bedeutet dabei weit mehr als sprachliche Übertragung: Begriffe müssen über Hunderte von Seiten und verschiedene Regelwerksteile hinweg konsistent bleiben.

Auch inhaltlich reicht die Regelungsdichte tief in die Produktion hinein. Eine Resolution fordert beispielsweise erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Bakterien in Spülbädern vor und nach der Konversion. Einen universellen numerischen Grenzwert konnte Heitzelmann auf Nachfrage allerdings nicht nennen. Bei sichtbarem oder deutlichem Befall müsse reagiert und gegebenenfalls der Chemielieferant eingebunden werden.

Diskutiert wurden zudem Betrachtungsabstände für die optische Bewertung signifikanter Oberflächen, Regeln für das Überbeschichten bereits beschichteter Teile, Einbrennbedingungen und der Curing Index. Gerade beim Curing Index zeigte sich erneut die Differenz zwischen standardisierter Serienproduktion und klassischer Lohnbeschichtung. Was sich bei wiederkehrenden Geometrien und definierten Lasten gut validieren lässt, ist bei täglich wechselnden Querschnitten, Bauteilmassen und Geometrien wesentlich schwieriger in ein starres Schema zu überführen.

Besonders folgenreich sind Änderungen bei Korrosionsprüfungen. Ab dem 1. Januar 2027 sollen für AASS- beziehungsweise FFC-Prüfungen drei Probenabschnitte aus drei unterschiedlichen Bauteilen entnommen werden. Bei negativen Ergebnissen ist eine definierte Kommunikationskette vorgesehen. Der Generallizenzgeber soll den Vorbehandlungslieferanten und dessen Generallizenzgeber innerhalb von zehn Arbeitstagen informieren. Chemielieferanten erhalten bei bestimmten negativen Bewertungen ein Einspruchsrecht.

Hinter diesen formal wirkenden Abläufen steht ein reales technisches Problem: Ein schlechter Korrosionstest lässt sich nicht automatisch einem einzelnen Beteiligten zuordnen. Aluminiumwerkstoff, Vorbehandlung, Anlagenführung und Pulverlack können gemeinsam das Resultat beeinflussen. Eine vorschnelle Ursachen- oder Schuldzuweisung an den Chemielieferanten greift deshalb zu kurz. Die detaillierteren Kommunikationsregeln sollen gerade diese Zusammenhänge transparenter machen – erhöhen aber zwangsläufig den administrativen Aufwand im Reklamations- und Qualitätsmanagement.

Ab Anfang 2027 soll außerdem ein zweistufiges Zulassungsverfahren für organische Beschichtungsmaterialien gelten. Nach bestandener Laborprüfung kann zunächst eine provisorische technische Zulassung erfolgen. Die endgültige Zulassung wird erst nach erfolgreicher Freibewitterung erreicht. Für Klasse 2 wurde im Vortrag eine Bewitterungsdauer von drei Jahren genannt. Das schafft die Möglichkeit, neue Systeme früher einzusetzen, trennt aber künftig noch deutlicher zwischen vorläufigem und endgültigem Zulassungsstatus.

Die Liste weiterer Arbeitspunkte zeigt, wohin sich die Qualitätszeichen entwickeln. Auf der Agenda stehen unter anderem Mindest- und Maximalschichtdicken, ein PFAS-Informationsblatt, Farbtoleranzen, Abriebfestigkeit, metallische Pulver, Lagerfähigkeit, gesperrte Farben, mechanische Eigenschaften von Klasse-2-Pulvern sowie Definition und CO2-Wirkung von Low-Bake- und biobasierten Pulvern. Damit verschmelzen klassische Qualitätsanforderungen zunehmend mit Umwelt-, Energie- und Regulatorikthemen.

Versicherbarkeit als weiteres Regelwerksthema

Dass Anforderungen für Oberflächenbetriebe nicht allein von Gesetzgebern und Qualitätsorganisationen kommen, zeigte die Diskussion um den Brandschutz. Nach Heitzelmanns Darstellung werden reine Eloxalbetriebe von Versicherern teilweise ähnlich eingestuft wie Galvanikbetriebe. Aus Sicht des VOA wird damit unterschiedlichen Prozess- und Risikostrukturen nicht hinreichend Rechnung getragen.

Eine neue Projektgruppe soll deshalb technische Argumente für eine differenziertere Bewertung entwickeln, Daten zum tatsächlichen Brandrisiko sammeln und sich mit den einschlägigen VdS-Richtlinien auseinandersetzen. Das formulierte Ziel sind ausdrücklich praktikable und wirtschaftlich tragfähige Brandschutzanforderungen.

Auch hier wiederholt sich das Grundmuster der Veranstaltung: Um pauschalen Anforderungen fundiert widersprechen zu können, benötigt die Branche Daten. Ohne belastbare Statistiken über tatsächliche Schadensereignisse, Anlagenstrukturen und Schutzmaßnahmen bleibt die Argumentation gegenüber Versicherern oder Regelsetzern schwierig.

EloBench: Daten nicht nur für die Politik

Genau an dieser Stelle schlug der Vortrag von Dr. Christof Langer vom fem Forschungsinstitut eine wichtige Brücke zwischen Forschung, Betriebspraxis und Regulierung. Mit dem Projekt EloBench soll eine anonymisierte Datenbasis zu Energie- und Ressourcenverbräuchen von Eloxalbetrieben aufgebaut werden.

Langer verwies auf die große Spannweite des Anlagenbestands. In der Branche existieren seit Jahrzehnten betriebene, teilweise nur punktuell modernisierte Anlagen ebenso wie kontinuierlich optimierte Bestandslinien und moderne Neuanlagen. Diese Systeme über einen einzigen spezifischen Verbrauchswert zu beurteilen, wird ihrer unterschiedlichen technischen Ausgangslage kaum gerecht.

EloBench soll deshalb zunächst den Betrieben selbst nutzen. Unternehmen erhalten anonymisierte Kennziffern und können ihren Verbrauch im Verhältnis zu vergleichbaren Anlagen einordnen. Daraus lassen sich mögliche Kostensenkungspotenziale und technische Roadmaps ableiten.

Der zweite Nutzen ist jedoch politisch. Langer berichtete, dass der VOA bei regulatorischen Abfragen häufig Schwierigkeiten hat, ausreichend belastbare quantitative Rückmeldungen aus den Unternehmen zu erhalten. Damit schließt EloBench direkt an die BREF-Diskussion an. Eine Branche, die plausible Energie-, Wasser- und Ressourcendaten vorlegen kann, besitzt gegenüber politischen Institutionen eine wesentlich bessere Argumentationsbasis als eine Branche, deren tatsächliche Verbrauchsstruktur nur aus Einzelbeispielen abgeleitet werden kann.

Zwingende Voraussetzung ist allerdings Datenqualität. Falsch erfasste oder methodisch nicht vergleichbare Eingangsdaten erzeugen keine belastbare Benchmark. Auch hier gibt es somit keinen Weg an betrieblicher Datenerhebung vorbei.

Forschung unter wirtschaftlichem Druck

Neben dieser stark regulatorischen Perspektive zeigte Langer zugleich, dass technische Innovation unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keineswegs an Bedeutung verliert. Gerade weil Unternehmen Investitions- und Entwicklungsrisiken genauer abwägen müssen, können vorwettbewerbliche und öffentlich geförderte Forschungsprojekte eine wichtige Funktion übernehmen.

Als Beispiel stellte er funktionalisierte anodische Oxidschichten vor. Die Poren einer Eloxalschicht können genutzt werden, um Partikel einzulagern und der Oberfläche zusätzliche Funktionen zu verleihen. Bei photokatalytisch aktiven Systemen mit TiO2 stand zunächst der Abbau von Stickoxiden an Fassaden im Mittelpunkt. Die klassische Verdichtung der Eloxalschicht erzeugt hier jedoch einen Zielkonflikt: Sie verbessert die üblichen Gebrauchseigenschaften, verschließt aber gleichzeitig die Poren und kann damit die gewünschte Funktion blockieren.

Als Lösungsansatz wurde ein Mehrschichtkonzept entwickelt. Eine untere Zone stellt die klassischen Eigenschaften der Eloxalschicht bereit und kann verdichtet werden, während eine darüberliegende offenporige Zone funktionale Partikel aufnimmt.

Während der Corona-Pandemie wurde dieser Ansatz auf antivirale Oberflächen übertragen. Neben TiO2 wurden Metallpartikel eingesetzt; unter anderem konnte Silber in der Schichtstruktur nachgewiesen werden. Positive Antiviralitätstests wurden nach Darstellung des Referenten an kleinen Proben erzielt. Langer betonte allerdings ausdrücklich den Unterschied zwischen dem Labornachweis und einer industriellen Fläche. Als nächster Schritt war deshalb die Skalierung über den Technikumsmaßstab in Richtung betrieblicher Anwendung vorgesehen.

Ein zweites Forschungsthema betrifft die zunehmende additive Fertigung von Aluminiumbauteilen. Die Untersuchungen zeigen, dass die Oberflächenbehandlung nicht erst nach Abschluss der Konstruktion betrachtet werden darf. Unterschiedliche Laserparameter erzeugen verschiedene Mikrostrukturen und intermetallische Phasen. Diese wiederum können beim Anodisieren unterschiedlich reagieren oder partiell aus dem Werkstoff herausgelöst werden. An Versuchsteilen wurden dadurch lokale Defekte bis zum Substrat beobachtet.

Ähnliches gilt für Fügezonen. Grundmaterial, Wärmeeinflusszone und additiv gefertigter Werkstoff können unterschiedliche anodische Schichtdicken ausbilden. Die Konsequenz ist keine grundsätzliche Unverträglichkeit zwischen additiver Fertigung und Eloxal, sondern die Notwendigkeit, Werkstoffherstellung, Fügetechnik und nachfolgende Oberflächenbehandlung als zusammenhängende Prozesskette zu entwickeln.

Kreislaufwirtschaft endet an der Chemie des Abfalls

Wie anspruchsvoll auch die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft unter realen Produktionsbedingungen ist, zeigte Mohamed Hassan von REMONDIS Production. Das Geschäftsfeld ALUMIN verwertet aluminiumhaltige Reststoffe aus der Oberflächenbehandlung und erzeugt daraus definierte Natriumaluminatlösungen.

Verarbeitet werden unter anderem aluminiumhaltige Abfalllaugen, Aluminiumhydroxid-Filterkuchen und Abfallschwefelsäuren. Der Ansatz geht damit deutlich über eine bloße Neutralisation oder Beseitigung hinaus. Nach Eingangsanalyse und Klassierung werden störende Feststoffe und Schwermetalle abgetrennt, die Stoffströme aufbereitet, über eine fünfstufige Verdampfung konzentriert und anschließend filtriert. Am Ende steht mit ALUMIN ein definiertes Sekundärprodukt mit unterschiedlichen Qualitätsstufen.

Gerade die Diskussion im Anschluss zeigte jedoch die Grenzen dieses Kreislaufmodells. Das Verfahren ist auf definierte anorganische Stoffströme angewiesen. Organische Bestandteile, Zusätze aus Colorierungs- oder Entfettungsbädern, bestimmte Halogene, Chloride, elementares Aluminium oder zu hohe Feststoff- und Schwermetallanteile können eine Verwertung ausschließen.

Ein Teilnehmer wies deshalb darauf hin, dass reale Eloxalreststoffe häufig gerade jene Vermischungen und Verunreinigungen enthalten, die in den Annahmekriterien problematisch sind. Mehr Recyclingkapazität allein löst dieses Problem folglich nicht. Entscheidend ist, Stoffströme bereits im Betrieb so weit wie technisch und wirtschaftlich sinnvoll getrennt zu halten oder Recyclingprozesse weiterzuentwickeln, damit ein größerer Anteil real anfallender Rückstände verwertet werden kann.

Für geeignete Altlaugen gibt REMONDIS eine Wiederverwertung von bis zu 99 Prozent an. Für eine Verwertungsmenge von 400 t nennt die vorgestellte Bilanzierung rund 4,26 t CO2-Äquivalente. Auch für Filterkuchen soll eine entsprechende Bilanz aufgebaut werden. Ab 2028 ist eine Erweiterung der Verarbeitungskapazität vorgesehen; Hassan sprach im Vortrag von einer geplanten Vervierfachung.

Der Beitrag machte damit deutlich, dass Kreislaufwirtschaft in der Oberflächentechnik nicht allein eine Frage politischer Zielvorgaben ist. Sie hängt ganz konkret von Badchemie, Stofftrennung, Logistik, Abfallklassifizierung, Notifizierung und der Qualität des erzeugbaren Sekundärrohstoffs ab.

Energieeffizienz: Abwärme aus dem Eloxalbad nutzen

Sehr unmittelbar an der Anlagenpraxis setzte schließlich der Beitrag von Pascal Gerlach und Jan-Tobias Dürrmann von Mardo Kältetechnik an. Eloxalbäder müssen im Betrieb gekühlt werden; klassische Kältemaschinen geben die entzogene Wärme häufig über Rückkühler an die Umgebung ab. Gleichzeitig wird an anderer Stelle im Betrieb Wärme benötigt und beispielsweise mit Gas erzeugt.

Das vorgestellte Konzept verbindet deshalb Kälte- und Wärmeerzeugung über eine zweistufige Wärmepumpenlösung. Auf der kalten Seite soll Wasser mit rund 10 °C bereitgestellt werden, während die entzogene Prozesswärme auf der warmen Seite auf bis zu 95 °C angehoben wird. Damit kann die Energie, die bislang über die Rückkühlung verloren geht, beispielsweise für Prozesswärme oder Gebäudeheizung eingesetzt werden.

Die Referenten nannten als mögliche Vorteile geringere Energiekosten, niedrigere CO2-Emissionen und den Wegfall beziehungsweise die Reduzierung zusätzlicher Wärmeerzeugung. Als Kältemittel kommt CO2 zum Einsatz. Gleichzeitig machten sie jedoch deutlich, dass es sich nicht um eine einfache Ergänzung einer bestehenden Kältemaschine handelt. Die bestehende Kälteanlage muss ersetzt werden, was die Lösung vor allem für ohnehin anstehende Modernisierungen interessant macht.

Auch die Temperaturgrenze ist relevant. Für Prozesse, die Temperaturen oberhalb von 95 °C verlangen, genügt das System allein nicht. In der Diskussion wurde insbesondere Heißwasser-Sealing mit einem Vorlaufbedarf um 110 °C angesprochen. Dafür bleibt eine zusätzliche Nachheizung erforderlich.

Die in der Präsentation genannten möglichen Einsparungen von bis zu 50 Prozent bei den Energiekosten und eine Amortisationszeit von weniger als drei Jahren wurden nicht anhand einer konkret vermessenen Eloxal-Referenzanlage belegt. Entsprechend hängen belastbare Aussagen von Lastprofil, nutzbarer Abwärmemenge, Betriebsstunden, erforderlichen Temperaturen, Wärmespeicherung und der vorhandenen Infrastruktur ab.

Gerade diese Differenzierung ist vor dem Hintergrund der gleichzeitig diskutierten Energiebenchmarks und künftigen BAT-Umweltleistungswerte wichtig. Ein technisch sinnvolles Effizienzkonzept lässt sich nicht allein anhand eines theoretischen Wirkungsgrads beurteilen. Entscheidend ist, ob die erzeugte Wärme im konkreten Betrieb zeitlich und auf dem erforderlichen Temperaturniveau genutzt werden kann.

Wissenstransfer wird selbst zur Daueraufgabe

Dass die Vielzahl solcher Entwicklungen nur dann im Betrieb ankommt, wenn Wissen systematisch weitergegeben wird, bildete schließlich eine Art organisatorische Klammer des Technischen Kreises. Der VOA kombiniert dafür Präsenz-Laborworkshops mit digitalen Eloxal- und Beschichtungsseminaren und den Arbeiten der Prüfausschüsse für QUALANOD, QUALICOAT und QUALISTRIP.

Heitzelmann appellierte ausdrücklich daran, die Laborworkshops nicht ausschließlich als Veranstaltungen für klassisches Laborpersonal zu verstehen. Je nach Betriebsorganisation können auch Mitarbeiter aus Produktion oder Arbeitsvorbereitung von den Inhalten profitieren.

Dieser Hinweis erhält angesichts der übrigen Vorträge zusätzliche Bedeutung. Wenn Prüfmethoden geändert, PFAS-Regelungen vorbereitet, BREF-Kennwerte diskutiert, Korrosionsergebnisse anders kommuniziert und Energie- oder Ressourcendaten systematisch erhoben werden sollen, betrifft das längst nicht mehr nur Umweltbeauftragte oder das Qualitätslabor. Regulatorische und normative Anforderungen greifen unmittelbar in Produktion, Einkauf, Instandhaltung, Investitionsplanung und Produktentwicklung ein.

Der Technische Kreis zeigte damit sehr deutlich, dass die Branche vor einer doppelten Aufgabe steht. Sie muss technisch weiter innovieren – von funktionalisierten Eloxalschichten über kreislauffähige Stoffströme bis zur konsequenten Nutzung von Prozessabwärme. Gleichzeitig muss sie erheblichen Aufwand investieren, um politische, normative und versicherungsseitige Anforderungen so mitzugestalten, dass sie die tatsächlichen Produktionsbedingungen widerspiegeln.

Gerade beim STM-BREF und bei PFAS entscheidet sich, wie gut das gelingt. Denn aus heutigen Datensätzen, Annahmen und Arbeitsgruppendiskussionen können morgen europaweit wirksame Genehmigungs- oder Stoffbeschränkungen werden. Für die Oberflächenbranche bedeutet das zwangsläufig zusätzliche Bürokratie – aber zugleich auch, dass Nichtbeteiligung keine wirkliche Alternative ist. Je differenzierter und belastbarer die eigenen Daten sind, desto größer ist die Chance, dass künftige Anforderungen nicht auf theoretischen Idealanlagen oder pauschalen Annahmen beruhen, sondern auf dem, was in realen Betrieben technisch machbar, ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig ist.