Hohe Anmeldezahlen, deutlich steigende Internationalität und erste, wenn auch verhaltene, positive Signale aus den für Beschichter wichtigen Abnehmerbranchen: Fünf Monate vor Beginn der PaintExpo vom 14. bis 17. April 2026 in Karlsruhe deutet vieles darauf hin, dass die Weltleitmesse für industrielle Lackiertechnik zu einem wichtigen Stimmungstest für die Oberflächenbranche wird.
Starke Internationalität als Signal für Investitionsbereitschaft
Bereits jetzt haben sich über 360 Aussteller ihren Platz in Karlsruhe gesichert. Rund 90 % der verfügbaren 30.000 m² Ausstellungsfläche sind damit belegt – ein bemerkenswertes Niveau so früh im Messezyklus. Besonders wichtig: Der Auslandsanteil liegt bei 54 %, Unternehmen aus 26 Ländern werden vertreten sein, darunter starke Präsenz aus Italien, der Türkei, Frankreich, der Schweiz und Polen. Auch Firmen aus Ländern wie Zypern, Ägypten und Vietnam sind erstmals dabei.
Damit knüpft die PaintExpo an das hohe Niveau der letzten Ausgabe an: 2024 füllten 431 Aussteller aus 25 Ländern rund 31.500 m² und zogen 10.400 Fachbesucherinnen und -besucher aus 76 Nationen an. Dass die Anmeldezahlen für 2026 bereits jetzt so deutlich anziehen, kann als Indiz gelesen werden, dass die Branche trotz konjunktureller Dellen weiter in effiziente, ressourcenschonende und automatisierte Beschichtungslösungen investiert – und diese Investitionsbereitschaft zunehmend international getragen wird.
Marktprognosen 2026: moderates Wachstum statt Boom, aber Rückenwind für die Oberfläche
Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben ohne Zweifel sehr anspruchsvoll. Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau etwa rechnet nach einem deutlichen Produktionsrückgang im Jahr 2025 für 2026 lediglich mit einem leichten Plus von rund 1 % – von einer durchgreifenden Trendwende mag hier trotzdem niemand sprechen, wohl aber von einer zaghaften Erholung.
Parallel dazu erwarten mehrere Marktforschungsinstitute für den weltweiten Markt industrieller Beschichtungen ab Mitte der 2020er-Jahre ein stabiles Wachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich pro Jahr. Studien sehen den globalen Industriebeschichtungsmarkt 2025 im Bereich von gut 110 Mrd. US-Dollar und prognostizieren bis 2030 bzw. 2034 weitere Zuwächse – getragen von Anwendungen in General Industry, Automotive & Transportation, industrieller Holzbeschichtung, Paketierung und Korrosionsschutz.
Für Europa wird die Industrial-Coatings-Industrie bis Anfang der 2030er-Jahre mit einem durchschnittlichen Wachstum von rund 3 % jährlich eingeschätzt. Zugegeben, ein Boom ist das noch nicht, aber in Verbindung mit der erwarteten leichten Belebung im Maschinenbau, im Anlagenbau für die Elektronikproduktion und Teilen der Automobilindustrie entsteht ein Umfeld, in dem gezielte Investitionen in Oberflächentechnik wieder wahrscheinlicher werden – etwa dann, wenn Linien modernisiert, Energieverbräuche gesenkt oder neue Substrate und Bauteilgeometrien in Serie gebracht werden sollen.
Gerade in der industriellen Lackierung und Beschichtung wirken mehrere Treiber gleichzeitig: Dekarbonisierung und Energieeffizienz, strengere VOC- und Emissionsregulierungen, höhere Anforderungen an Korrosions- und Chemikalienbeständigkeit sowie der Trend zu leichteren, hybriden Bauteilen aus Metall, Kunststoff, Holz oder Verbundwerkstoffen. Für viele Betriebe in der Oberflächenbranche heißt das: Der Kostendruck bleibt, aber ohne Investitionen in Prozess- und Beschichtungstechnik sind diese Anforderungen häufig kaum zu erfüllen – ein Spannungsfeld, das sich auf der PaintExpo sehr konkret in Projekten und Anfragen niederschlagen könnte.
Nachwuchsformat und Infrastruktur: Weichenstellung für die nächste Generation
Eine weitere Neuerung der PaintExpo 2026 zielt nicht direkt auf Technik, sondern auf ein strukturelles Kernthema der Branche: den Fachkräftemangel. Der Messefreitag wird in Kooperation mit Hochschulen im Umkreis von rund 200 km um Karlsruhe ausdrücklich dem Nachwuchs gewidmet. Eingeladen werden Studierende unter anderem aus Elektrotechnik, Verfahrenstechnik, Maschinenbau und Softwareentwicklung; ein Keynote-Vortrag, geführte Rundgänge zu ausgewählten Ausstellern und Praxisbeispiele an den Ständen sollen den Einstieg in die Welt der Lackiertechnik greifbar machen.
Damit setzt die Messe ein Signal, dass industrielle Oberflächentechniknicht nur eine Nischen-, sondern eine Querschnittsdisziplin ist, in der sich Themen wie Automation, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Materialwissenschaft ideal verbinden lassen – ein wichtiges Argument, um junge Ingenieurinnen, Informatiker und Naturwissenschaftler für die Branche zu gewinnen.
Ausblick: Karlsruhe als Stimmungs- und Technologiemesser der Oberflächenbranche
Unabhängig davon, ob sich die verhalten positiven Prognosen für 2026 im Maschinen- und Anlagenbau sowie im globalen Beschichtungsmarkt eins zu eins erfüllen: Die frühe und international breite Beteiligung an der PaintExpo zeigt, dass die Oberflächenbranche sich aktiv auf die nächste Investitionsphase vorbereitet.
mo surface news wird die Entwicklungen rund um die PaintExpo 2026 in den kommenden Ausgaben weiter begleiten – mit Produkt- und Anlagenberichten, Einschätzungen aus Instituten und Verbänden sowie Stimmen aus Betrieben, die die Messe als Startpunkt für ihre nächsten Oberflächenprojekte nutzen.


