Für Saudi-Arabiens erste Elektrofahrzeugmarke CEER realisiert Dürr erstmals vollständig die Technologien und Entwicklungen, die der Bietigheimer Anlagenbauer unter dem Begriff „Paint Shop of the Future“ zusammengefasst hat. In der King Abdullah Economic City entsteht damit eine der modernsten Automobillackieranlagen weltweit – hochautomatisiert, modular aufgebaut und konsequent auf Flexibilität, Digitalisierung und Ressourceneffizienz ausgelegt.
AGV statt verketteter Linien
Die Lackiererei zählt bekanntermaßen zu den anspruchsvollsten Bereichen der Automobilproduktion. Hohe Qualitätsanforderungen, steigende Modellvielfalt, wachsende Individualisierung und der Druck zur Reduzierung von Energie- und Materialverbrauch verändern die Anforderungen an neue Anlagen grundlegend. Genau hier setzt das Konzept von Dürr an: Statt einer klassischen, starr verketteten Linie kommen flexible EcoProBooth-Boxen zum Einsatz. Die Karosserien werden nicht mehr zwangsläufig in einem festen Takt durch alle Prozessschritte geführt, sondern über fahrerlose Transportsysteme bedarfsgerecht zwischen den einzelnen Stationen bewegt.
Damit wird die Lackiererei deutlich wandlungsfähiger. Unterschiedliche Modelle, Varianten und Produktionsumfänge lassen sich flexibler einplanen, spätere Erweiterungen oder Anpassungen werden erleichtert. Gerade für eine neue Elektrofahrzeugmarke ist das ein entscheidender Vorteil, denn der Markthochlauf muss mit hoher Prozesssicherheit gelingen, zugleich aber genügend Spielraum für künftige Modellgenerationen und veränderte Stückzahlen bieten.
Oversprayfreie Lackierung
Ein weiterer technologischer Schwerpunkt ist die oversprayfreie Zweifarben-Applikation. Sie ermöglicht eine automatisierte, präzise und materialschonende Umsetzung von Designvarianten, die bislang häufig mit erheblichem Zusatzaufwand verbunden waren. Das ist nicht nur für die Oberflächenqualität und die Individualisierung relevant, sondern auch für die Wirtschaftlichkeit des Lackierprozesses. Weniger Overspray bedeutet weniger Lackverlust, weniger Reinigungsaufwand und geringere Belastung der Ablufttechnik.
Abluftaufbereitung ohne fossile Wärmequellen
Auch bei Trocknung und Abluftbehandlung setzt Dürr auf energieeffiziente Lösungen. Gerade in der Automobillackierung sind diese Bereiche zentrale Stellhebel, um Betriebskosten und CO₂-Fußabdruck zu senken. Die neue Anlage zeigt damit, dass Nachhaltigkeit in der industriellen Lackiertechnik nicht mehr als nachgelagerte Optimierung verstanden wird, sondern von Beginn an Teil des Anlagenkonzepts sein muss.
Für CEER ist der Paintshop ein wichtiger Baustein beim Aufbau einer modernen Fahrzeugproduktion. Für Dürr ist das Projekt eine bedeutende Referenz, weil das Zukunftskonzept erstmals vollständig umgesetzt wird. Für die Lackiertechnik insgesamt ist es ein Signal, wohin sich die Branche bewegt: weg von starren Linien, hin zu digital gesteuerten, modularen und ressourcenschonenden Produktionssystemen.
Einen ausführlichen Beitrag zum „Paint Shop of the Future“ bei CEER lesen Sie in Kürze in der Printausgabe oder dem E-Paper der mo 4/2026.


