vapic GmbH

Geschäftsfelder:
Herstellung von Reinigungsanlagen, Lohnreinigung, Reinigungschemie, Prozessberatung & -optimierung

Zielgruppen:
Produzierende Unternehmen, die industrielle Teilereinigung benötigen. Im Idealfall Sonderanwendungen aufgrund von baulichen Gegebenheiten, hohem Automatisierungsgrad, hoher technischer Sauberkeitsanforderung oder hohem Durchsatz.

Mitarbeiter:
80 Mitarbeitende in Neubulach, 12 in Ungarn

Jahresumsatz:
13,6 Mio. € (2024)

Gesprächspartner:
Samuel Wolf, Geschäftsführer und ab 01.01.2026 Mehrheitsgesellschafter der vapic GmbH

 

 

Interview

Was für ein Resümee ziehen Sie für das Jahr 2025?

2025 war für uns das Jahr, in dem wir den Begriff „Sonderlösung“ neu definiert haben. 13 maßgeschneiderte Anlagen – von Lean-Production-Lösungen für 90.000 € bis zu komplexen Automationsprojekten jenseits der 4-Millionen-Euro-Marke – zeigen: Die industrielle Bauteilreinigung ist kein Nischenhandwerk mehr, sondern Innovationsmotor. Während andere über Fachkräftemangel klagen, konnten wir unser Team gezielt verstärken. 2025 haben wir 17 Neueinstellungen realisiert. Wir wachsen nicht nur im Umsatz, sondern vor allem an unserer Substanz. Der Rekordumsatz ist nur die Spitze des Eisbergs – entscheidend ist, dass wir den Wandel gestalten, statt ihm hinterherzulaufen.

Wie haben sich ihre Zielmärkte entwickelt, gab es positive oder negative Überraschungen?

Flexibilität ist unser Wettbewerbsvorteil – und das war 2025 unser Erfolgsrezept. Unsere drei Geschäftsbereiche erlauben es uns, jede Reinigungsaufgabe mit der passenden Technologie und Chemie zu lösen. Besonders auffällig: Der Trend zu wässrigen Anlagen ist ungebrochen, aber punktuell gewinnen auch Lösemittel wie Perchlorethylen wieder an Bedeutung. Die Branche verlangt keine Standardlösungen mehr – sie fordert Individualität und Prozesskompetenz. Wer heute noch „Schema F“ bietet, wird morgen vom Markt verschwinden.

Angesichts der globalen geostrategischen Entwicklungen und Perspektiven, halten Sie ein Umdenken in Bezug auf den in den vergangenen Jahren geradezu stoisch beibehaltenen Nachhaltigkeitsfokus der letzten Regierung für notwendig?

Nachhaltigkeit ist für uns kein Modetrend, sondern DNA. Seit 2003 setzen wir auf ehemals patentierte Verfahren, die unseren Kunden bis zu 40 % BAFA-Förderung und 50 % weniger Energieverbrauch ermöglichen. Aber: Wenn Nachhaltigkeit zur Wachstumsbremse wird, läuft etwas schief. Die Politik muss endlich erkennen, dass Ökologie und Ökonomie keine Gegner sind. Wir bleiben unpolitisch, aber fordern: Nachhaltigkeit darf kein Selbstzweck sein, sondern muss Wertschöpfung ermöglichen.

Welche Entwicklung erwarten Sie im nächsten Jahr für die internationalen Märkte?

Deutschland bleibt unser Kernmarkt, aber wir sind global vernetzt – von den USA bis nach China und Mexiko. Die Expansion nach Osteuropa läuft: Mit unserem neuen 40.000 m²-Standort in Ungarn sind wir bereit für den nächsten Schritt. Eines ist klar: Standardlösungen werden international immer weniger gefragt. Wer nicht in Anwendungstechnik und Prozesswissen investiert, verliert. Die Zukunft gehört denen, die Komplexität beherrschen – nicht denen, die sie meiden.

Wie wichtig sind ihrer Meinung nach Anstrengungen, um eine größere Autarkie von Europa bezüglich der Fertigungskette, aber auch der Energieversorgung zu erreichen?

Wer heute noch glaubt, globale Abhängigkeiten seien harmlos, hat die letzten Jahre verschlafen. Regionale Lieferketten und Energieautarkie sind kein Luxus, sondern Überlebensstrategie. Aber: Ohne Leistung und Innovationsbereitschaft wird Autarkie zur Illusion. Wer nur fordert, aber nicht liefert, schwächt den Standort. Europa muss wieder lernen, dass Wohlstand erarbeitet wird – nicht erbeten.

Welche Erwartungen haben Sie für 2026 was die Energiepreise angeht?

Ich erwarte, dass die Politik endlich liefert: Niedrigere, subventionierte Strompreise sind überfällig. Die Industrie braucht Planungssicherheit – und keine politischen Experimente auf dem Rücken der Unternehmen.

Sehen Sie Ansätze zum Bürokratieabbau in Deutschland/innerhalb Europas?

Bürokratie ist der wahre Bremsklotz. Gesetze wie das Entgelttransparenzgesetz erhöhen den Verwaltungsaufwand und stören die Gehaltsstrukturen, statt echte Chancengleichheit zu schaffen. Weniger Regeln, mehr unternehmerische Freiheit – das ist der Weg zu Innovation.

Welche Erwartungen haben Sie für 2026 bezüglich der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung, sowohl auf europäischer als auch auf globaler Ebene? Was erwarten Sie speziell für die Tätigkeitsfelder Ihres Unternehmens?

Die Angebotsflut wird weiter steigen, aber die Zuschläge werden rarer. Vogel-Strauß-Politik gibt es bei uns nicht, wir werden nicht den Kopf in den Sand stecken: Wir erhöhen unsere Sichtbarkeit und Auslastung, digitalisieren und automatisieren weiter. Die Branche wird sich spalten – in die, die Wandel aktiv gestalten, und die, die ihn fürchten. Wir zählen zur ersten Gruppe.

Welche weiteren Erwartungen haben Sie für 2026, welche Herausforderungen sehen Sie?

2026 ist für mich persönlich und für vapic ein Jahr der Weichenstellung: Der Generationswechsel wird Realität, das Fundament für die nächsten Jahre gelegt. Mein Ziel: Das Unternehmen strategisch aufstellen, den Wandel als Chance nutzen und die Erfolgsgeschichte weiterschreiben. Führung beginnt zu Hause – und im Unternehmen.