Plasmatreat GmbH

Geschäftsfelder: Sondermaschinenbauer für Plasmasysteme und -anlagen zur Behandlung von Oberflächen unter Atmosphärendruckbedingungen

Zielgruppen: Automotive, E-Mobility, Elektronik, Haushaltsgeräte, Medizin, Erneuerbare Energien, … unsere Technologie ist für alle interessant, die Oberflächen verbinden, lackieren, bedrucken oder oxidschichten reduzieren wollen

Mitarbeiter: 340 weltweit

Gesprächspartner: Lukas Buske, Geschäftsführer

Was für ein Resümee ziehen Sie für das Jahr 2024?
Trotz der allgemein herausfordernden wirtschaftlichen Lage im Jahr 2024 haben wir uns aufgrund unserer internationalen Ausrichtung und der breiten Anwendbarkeit unserer Technologie in verschiedenen Industrien relativ stabil entwickelt. Durch unser weltweites Vertriebs- und Servicenetzwerk mit über 20 Niederlassungen und zahlreichen Partnern sind wir breit aufgestellt und konnten Schwankungen in einzelnen Märkten und Ländern nahezu ausgleichen.
So trifft uns beispielsweise die aktuelle Schwächephase der Automobilindustrie gedämpfter. Wir konnten die rückläufige Nachfrage in diesem Bereich durch andere Industrien wie die Elektronikbranche, Medizinbranche oder durch neue Anwendungsgebiete unserer PlasmaPlus® Technologie für Oberflächenbeschichtungen etwas ausgleichen. Auch unser Angebot im Bereich der Lohnbehandlung tragen aktuell zur Stabilität bei.
Allerdings spüren wir, wie viele andere Unternehmen, eine zunehmende Unsicherheit im Markt. Die Nachfrage und das Interesse an unseren Lösungen sind vorhanden, aber wir beobachten, dass Entscheidungen teilweise vertagt werden. Insgesamt blicken wir aber zuversichtlich auf die weitere Entwicklung, da unsere Technologie in vielen zukunftsorientierten Märkten Anwendung findet, wie z. B. der Herstellung leistungsstarker Chips oder Batterien/Brennstoffzellen.

Welche technologischen Trends und Entwicklungen sehen Sie in der Oberflächenbranche derzeit?
In der Oberflächenbranche zeichnen sich aktuell zwei große Trends ab:
Der erste Trend betrifft den Batteriebereich, insbesondere im Kontext der strukturellen Verklebung. Hier entwickeln sich die Fertigungsprozesse hin zu Cell-to-Pack - die Verklebung der Batterien zu Modulen wird ausgelassen. Diese Vorgehensweise ermöglicht es den Automobilherstellern Gewicht und Kosten zu reduzieren und die Effizienz zu steigern. Unsere Openair-Plasma® Technologie spielt dabei eine entscheidende Rolle, da sie eine zuverlässige und umweltfreundliche Oberflächenbehandlung ermöglicht – im Gegensatz zu anderen Vorbehandlungsprozessen. Die Behandlung mit Plasma macht eine stabile und langlebige Verklebung möglich.
Der zweite wichtige Trend liegt im Bereich der Chip-Entwicklung, beim sogenannten Hybrid Bonding. Für eine optimale elektronische Funktionalität muss die Oxidschicht auf den Kupferleiterbahnen zwischen den Wafern entfernt werden. Dies ist insbesondere für fortschrittliche Anwendungen wie z.B. Künstliche Intelligenz (KI) aufgrund der sehr hohen notwendigen Rechenleistung essenziell. Hier haben wir innovative Technologien entwickelt, wie einer Low-Partikel-Düse, die eine partikelfreie Behandlung ermöglicht und sich an den Produktionsanforderungen der Chip-Herstellung orientiert.
Diese Trends verdeutlichen, wie wichtig es ist, Technologien kontinuierlich weiterzuentwickeln, um den Anforderungen neuer Produktionsprozesse und Anwendungsfelder gerecht zu werden. Plasmatreat ist hier bestens positioniert, um diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten.

Wie entwickelt sich die Digitalisierung/Automatisierung?
Unsere Plasmasysteme und -anlagen sind mit allen gängigen Bus-Systemen kompatibel und unterstützen Standardprotokolle wie SEC GEM, die speziell im Elektronikbereich weit verbreitet sind. Zusätzlich bieten wir individuelle Anpassungen, um unsere Lösungen nahtlos in MES-Systeme (Manufacturing Execution Systems) unserer Kunden zu integrieren.
Des Weiteren arbeiten wir aktiv im VDMA-Standardisierungsausschuss für Oberflächenvorbehandlung im Bereich OPC UA mit. OPC UA ist ein zukunftsweisendes Standard-Kommunikationsprotokoll, das eine herstellerunabhängige und sichere Datenkommunikation ermöglicht.

Wo sehen Sie in Ihrem eigenen Unternehmen technologische Ziele und Entwicklungsschwerpunkte?
Unsere technologischen Ziele und Entwicklungsschwerpunkte richten sich stark nach den aktuellen (Markt)-Anforderungen und der entsprechenden Nachfrage.
Mit unserer Plasmatechnologie ermöglichen wir effizientere Prozesse, die oft umweltfreundliche Alternativen zu herkömmlichen Methoden darstellen. Ein Beispiel ist unsere PlasmaPlus® Technologie, die es ermöglicht nanodünne Schichten auf Oberflächen aufzubringen und so traditionelle Conformal-Coating Prozesse in der Elektronikherstellung abzulösen. Ein spannender Einsatzbereich für PlasmaPlus ist darüber hinaus der Markt für Wearables, wie Kopfhörer und Smart Glasses. Diese Produkte erfordern fortschrittliche Oberflächentechnologien, um Funktionalität, Design und Haltbarkeit zu gewährleisten.
Zusätzlich arbeiten wir daran, neue Märkte mit bestehender Technologie zu erschließen und gleichzeitig innovative Technologien für neue und bestehende Märkte zu entwickeln. Dazu gehört unter anderem unsere Technologie HydroPlasma, die mittels Plasma nun auch größere anorganische Verunreinigungen von Metalloberflächen entfernt, oder unser REDOX®-Tool, mit dem Chip- und Powermodul-Hersteller inline Oxidschichten ohne den Einsatz von Flussmittel entfernen können.

Welche Rolle spielt KI heute für die Entwicklung im Bereich Steuerung und Anlagenplanung?
Aktuell spielt Künstliche Intelligenz (KI) noch nicht so eine große Rolle, dies wird sich zukünftig aber sicherlich ändern z.B. in der Steuerung und Anlagenplanung, sowie in unternehmerischen Produktionsabläufen eine wichtige Komponente werden und so für Unternehmen entscheidend sein, um Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
Engpässe können identifiziert und Abläufe optimiert werden. Durch die Auswertung großer Datenmengen ist es möglich Systeme und Anlagen so steuern, dass sie nicht nur schneller und präziser, sondern auch ressourcenschonender arbeiten.
Speziell aber natürlich auch im Vertrieb sehen wir potentiale für KI, z.B. bei der Identifikation potenzieller Märkte, der Analyse von Kundenanforderungen und der Entwicklung maßgeschneiderter Angebote

Welche Rolle spielt das Thema Bürokratie und Regulierung in Ihrem Unternehmen, wie begegnen Sie dem und wie hat sich der bürokratische Aufwand entwickelt?
Welche Entlastungen würden Sie sich für Ihr Unternehmen/ Ihre Branche wünschen?

Die bürokratischen Anforderungen sind in den letzten Jahren deutlich komplexer geworden. Es gibt immer mehr Themen, die Unternehmen berücksichtigen müssen, wie beispielsweise die kommende Verpflichtung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung:
Auch uns betreffen diese Anforderungen mittlerweile verstärkt, da wir durch unser kontinuierliches Wachstum und die steigende Nachfrage nach unseren Systemen und Anlagen, die Grenze eines kleinen oder mittleren Unternehmens (KMU) mittlerweile überschritten haben.
Hinzu kommen die Herausforderungen, die der Standort Deutschland mit sich bringt, wie beispielsweise umfangreiche regulatorische Vorgaben, die zusätzliche Ressourcen und Anpassungen auf Seiten der Unternehmen erfordern.
Weniger bürokratischer Aufwand und eine Reduzierung der Berichtspflichten wäre für uns eine enorme Entlastung. Die Verwaltung von zahlreichen bürokratischen Prozessen und das Erstellen von umfangreichen Berichten binden nicht nur wertvolle Ressourcen, sondern erhöhen auch den Verwaltungsaufwand erheblich.
Indem bürokratische Hürden abgebaut und die Anforderungen an Dokumentationen sowie Meldungen vereinfacht würden, könnten Unternehmen ihre Effizienz deutlich steigern und sich stärker auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Ein flexibleres und weniger reglementiertes Umfeld würde es auch ermöglichen, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und Innovationen voranzutreiben, ohne sich mit administrativen Vorgaben auseinanderzusetzen. Dies würde insgesamt zu einer besseren Wettbewerbsfähigkeit und einer Entlastung der Unternehmen führen.

Wie bewerten Sie den Bruch der Ampel-Koalition?
Welche Forderungen stellen Sie an eine neue Bundesregierung, um die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern?
Unternehmen benötigen klarere Rahmenbedingungen, weniger bürokratischen Aufwand und weniger Berichtswesen.  Andernfalls entstehen hohe Personalkosten, die auch finanziell gestemmt werden müssen. Außerdem ist es wichtig, für die Unternehmen Planungssicherheit zu schaffen, und den Standort Deutschland für Investitionen wieder attraktiv zu machen. Ein Beispiel hierfür sind langfristige Energiepreise, die für Unternehmen notwendig sind, um ihre Kosten kalkulieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern zu können.

Welche Erwartungen haben Sie für 2025, was die Energiepreise angeht?
Wie bewerten Sie mittelfristig die Versorgungssicherheit mit Energie und deren Preisentwicklung auf Grund der Energiepolitik der letzten Jahre?
Auch in 2025 können wir sicherlich wieder mit einigen Schwankungen hinsichtlich der Energiepreise rechnen. Eine Planungssicherheit in Bezug auf die Energiepreise von der Bundesregierung wäre hier zukünftig wünschenswert, insbesondere für Unternehmen, die langfristig kalkulieren müssen und durch ihre Produktionsprozesse mit hohen Energiekosten konfrontiert sind.
Im Vergleich zu anderen Branchen sind die Produktionsprozesse unseres Unternehmens jedoch weniger energieintensiv. Zudem können wir unseren Kunden durch den Einsatz von Plasmatechnologie helfen, energieintensive Trocknungsprozesse für Klebstoffe oder Lacke abzulösen. Durch die Anwendung von Plasmavorbehandlung und UV-aushärtenden Klebstoffen oder Lacken bieten wir eine effiziente und energieeinsparende Alternative.

Welche Entwicklung erwarten Sie in Bezug auf den Fachkräftemangel und welche Strategien
Schon seit vielen Jahren stellen wir Mitarbeitende auf internationaler Ebene nicht nur in unseren Tochtergesellschaften, sondern auch an unserem Hauptsitz in Steinhagen ein. In einigen Teams ist Englisch sozusagen die „Amtssprache“, da Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Ländern zusammenarbeiten. Mit flexiblen Arbeitszeiten, einer attraktiven Vergütung und weiteren Vorteilen können wir bei Bewerbern punkten.

Welche Herausforderungen sehen Sie generell für 2025?
Die Neuwahl und die Regierungsbildung werden zu den großen Herausforderungen im 1. Halbjahr 2025 zählen. Sobald die neue Bundesregierung gebildet ist, hoffen wir auf eine Investition die Infrastruktur und die Einführung möglicher gezielter Konjunkturpakete für das zweite Halbjahr 2025. Ein weiteres zentrales Thema, von dem wir abhängig sind, ist die Entwicklung des globalen Handels. Dank unseres großen internationalen Netzwerks mit über 20 Tochtergesellschaften und Partnern sind wir auch hier gut aufgestellt und können z.B. bei Lohnbearbeitung, Vertrieb, Service und Ersatzteilen auf die lokalen Niederlassungen zurückgreifen. Wir sind zuversichtlich, dass die Investitionsfreude im kommenden Jahr wieder ansteigen wird.