Der Zentralverband Oberflächentechnik (ZVO) hat am 12. Oktober 2026 in Brüssel Gespräche zur künftigen europäischen Chemikalienpolitik geführt. Lukas Hanstein, Leiter Politik des ZVO, tauschte sich dabei mit den Büros der Europaabgeordneten Dimitris Tsiodras und Peter Liese aus. Im Mittelpunkt standen die Folgen regulatorischer Entscheidungen für die Galvano- und Oberflächentechnik sowie für nachgelagerte Industrien.
Der Verband betont, dass chemikalienrechtliche Vorgaben weit über die eigene Branche hinausreichen. Betroffen sind unter anderem Maschinenbau, Automobilindustrie, Medizintechnik sowie Luft- und Raumfahrt. Entsprechend fordert der ZVO Rahmenbedingungen, die Umwelt- und Gesundheitsschutz mit technisch umsetzbaren Anforderungen, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und dem Erhalt europäischer Produktionskapazitäten verbinden.
REACH und Planungssicherheit
Ein Schwerpunkt der Gespräche war die weitere Entwicklung der europäischen Chemikalienpolitik nach der vorerst gestoppten umfassenden REACH-Revision. Die Europäische Kommission hatte im April angekündigt, die Verordnung zunächst nicht neu zu öffnen. Für den ZVO ist damit die Grundsatzdebatte jedoch nicht beendet. Entscheidend bleibe, dass die Ausgestaltung des bestehenden Rechtsrahmens zu mehr Planungssicherheit und praktikablen Verfahren führt.
Gerade mittelständische Unternehmen seien auf nachvollziehbare Anforderungen und einen regulatorischen Rahmen angewiesen, der langfristige Investitionen ermöglicht. Der Verband brachte deshalb die Perspektive seiner überwiegend mittelständischen Mitgliedsunternehmen in die politischen Gespräche ein. Zugleich machte er deutlich, dass die Herausforderungen bei Chrom(VI) und PFAS unabhängig von einer umfassenden REACH-Revision bestehen bleiben.
Hartverchromung und PFAS im Fokus
Ein weiterer zentraler Punkt war die Aufrechterhaltung der Hartverchromung mit Chrom(VI). Der ZVO hält das Verfahren dort weiterhin für notwendig, wo keine technisch geeigneten und wirtschaftlich tragfähigen Alternativen verfügbar sind. Hartchromschichten übernehmen wichtige Funktionen, insbesondere beim Verschleißschutz und für die Lebensdauer industrieller Bauteile. Einschränkungen bei den Produktionsmöglichkeiten in Europa würden nach Einschätzung des Verbands zusätzliche Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern fördern und Wertschöpfung sowie technisches Know-how gefährden.
Der Verband setzt sich deshalb für Anforderungen ein, die einen hohen Schutz von Beschäftigten und Umwelt gewährleisten und zugleich unter industriellen Praxisbedingungen erfüllbar sind. Wörtlich heißt es, die „Folgen für europäische Lieferketten müssen bei regulatorischen Entscheidungen von Beginn an berücksichtigt werden“.
Auch bei PFAS fordert der ZVO eine differenzierte Bewertung der jeweiligen Anwendungen, ihrer Emissionen und der tatsächlichen Verfügbarkeit geeigneter Alternativen. Für industrielle Anwendungen wie Hartverchromung und Kunststoffätzung seien tragfähige Regelungen, ausreichende Übergangszeiten und Ausnahmen erforderlich, solange geeignete Alternativen fehlen. Pauschale Beschränkungen dürften nicht dazu führen, dass wichtige Verfahren aus Europa verschwinden, ohne dass damit ein entsprechender Nutzen für Umwelt und Gesundheit erreicht wird.
Mit den Gesprächen in Brüssel will der Verband die Erfahrungen aus der betrieblichen Praxis frühzeitig in politische Entscheidungen einbringen. Ziel ist eine europäische Chemikalienpolitik, die Schutzstandards sichert und zugleich verlässliche Perspektiven für industrielle Wertschöpfung in Europa schafft.



