Der Zentralverband Oberflächentechnik (ZVO) fordert gemeinsam mit einer Allianz von Wirtschaftsverbänden Nachbesserungen bei der geplanten europäischen Regelung zu Kundenanlagen. In einem Schreiben an den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Frank Wetzel, appellieren die Verbände an die Bundesregierung, sich in den laufenden Trilogverhandlungen für eine wirtschaftlich praktikable Ausgestaltung einzusetzen.
Grundsätzlich begrüßt die Allianz, dass Kundenanlagen auf Initiative Deutschlands in die Verhandlungsposition des Rates aufgenommen wurden. Die derzeit vorgesehene Ausgestaltung könnte jedoch dazu führen, dass zahlreiche bestehende Kundenanlagen künftig als reguläre Netze eingestuft werden. Die Verbände befürchten dadurch zusätzliche Kosten, bürokratischen Aufwand und Rechtsunsicherheit für Unternehmen.
Schwellenwerte könnten Industriestandorte treffen
Kritik richtet sich insbesondere gegen die vorgesehenen Schwellenwerte. Dem Ratsvorschlag zufolge soll eine Kundenanlage nur privilegiert bleiben, wenn mindestens 90 Prozent der erzeugten Energie selbst verbraucht und höchstens 20 Kunden versorgt werden.
An Industriestandorten, bei Kooperationen mit Drittunternehmen oder bei gemeinsam genutzter Energieinfrastruktur könnten diese Grenzen vergleichsweise schnell überschritten werden. Nach Einschätzung der Verbände würde dies gerade solche Versorgungskonzepte erschweren, die vorhandene Netzanschlüsse effizient nutzen und die Umstellung auf eine klimaneutrale Energieversorgung unterstützen sollen.
Auch eine alternative Variante, nach der Kundenanlagen auf reine Wohnquartiere mit weniger als 100 Haushalten begrenzt würden, lehnt die Allianz ab. Gemischt genutzte Quartiers- und Gewerbekonzepte würden dadurch nicht ausreichend berücksichtigt.
ZVO unterstützt Position des EU-Parlaments
Als praktikabler bewertet die Verbändeallianz die Position des Europäischen Parlaments. Diese verzichtet auf die starren Einschränkungen des Ratsvorschlags und würde die bestehende Rechtslage weitgehend erhalten. Die Bundesregierung soll sich deshalb in den Trilogverhandlungen für diese Position einsetzen.
Für Unternehmen der Oberflächentechnik sind Kundenanlagen insbesondere dort relevant, wo Energieinfrastruktur gemeinsam genutzt oder eine eigene Energieerzeugung in industrielle Standortkonzepte eingebunden wird. Der ZVO sieht wirtschaftlich betreibbare Kundenanlagen daher als wichtigen Bestandteil einer sicheren und wettbewerbsfähigen industriellen Energieversorgung.


