Verbio startet Produktion biobasierter Chemikalien in Bitterfeld

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Verbio hat im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen eine großtechnische Ethenolyseanlage auf Basis von Rapsmethylester in Betrieb genommen. Mit der Investition von knapp 100 Millionen Euro erweitert das Unternehmen sein Geschäft über Biokraftstoffe hinaus und schafft am Standort rund 50 neue Arbeitsplätze.

Verbio hat in Bitterfeld-Wolfen die industrielle Produktion biobasierter Chemikalien gestartet. Kern des Ausbaus ist eine großtechnische Ethenolyseanlage auf Basis von Rapsmethylester, in der jährlich bis zu 60.000 Tonnen biobasierte Chemikalien hergestellt werden können. Die Produkte sollen fossile Rohstoffe in Schmierstoffen, Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Kunststoffen ersetzen.

Mit der Investition von knapp 100 Millionen Euro erweitert Verbio sein Geschäftsmodell über den Biokraftstoffmarkt hinaus. Der am Standort produzierte Rapsmethylester wird damit nicht nur energetisch als Biodiesel genutzt, sondern auch stofflich für höherwertige chemische Produkte verwertet. „Mit der neuen Anlage ergänzen wir unsere Bioraffinerie um eine weitere Wertschöpfungsstufe auf einer etablierten Rohstoffbasis“, sagt Verbio-CEO Claus Sauter.

Neue Wertschöpfung aus erneuerbarem Kohlenstoff

Im Fokus stehen die biobasierten Spezialchemikalien 1-Decen und 9-DAME. Sie basieren auf erneuerbarem Kohlenstoff und sind als chemische Bausteine für industrielle Anwendungen vorgesehen. Für die Chemieindustrie gewinnen solche Rohstoffquellen an Bedeutung, weil sie Alternativen zu fossilen Ausgangsstoffen bieten und zugleich skalierbar verfügbar sein müssen.

Michael Carus, Senior Advisor und Gesellschafter des nova-Instituts, ordnet die Inbetriebnahme als industriepolitisches Signal ein: „Europa wird auf Dauer nicht über günstige fossile Rohstoffe mit anderen Weltregionen konkurrieren können. Unsere Chance liegt darin, neue Wertschöpfung auf Basis erneuerbaren Kohlenstoffs hier aufzubauen.“ Entscheidend sei, dass entsprechende Lösungen nicht im Pilotmaßstab verbleiben, sondern industriell skaliert werden.

Der Markthochlauf erfolgt nun schrittweise entlang konkreter Kundenanwendungen. Die in Bitterfeld produzierten chemischen Bausteine müssen zunächst für die jeweiligen Einsatzfelder qualifiziert werden. Entsprechend soll die Produktionsmenge mit der Entwicklung der Anwendungen wachsen. Verbio verzeichnet bereits Anfragen aus Europa sowie aus Nord- und Südamerika und Asien.

Olefin-Metathese im industriellen Maßstab

Technologische Grundlage der neuen Produktion ist die Ethenolyse, eine spezielle Form der Olefin-Metathese. Eine zentrale Rolle spielen Katalysatoren der ungarischen Verbio-Tochter XiMo. Sie ermöglichen es, die Kohlenstoffverbindungen des Rapsmethylesters gezielt in neue Moleküle für chemische Anwendungen umzuwandeln.

Die wissenschaftliche Basis des Verfahrens reicht bis zu den Arbeiten von Yves Chauvin, Robert H. Grubbs und Richard H. Schrock zurück, die 2005 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurden. Schrock sagte zur Inbetriebnahme: „Es ist etwas ganz Besonderes, heute zu sehen, wie unsere Forschung in die industrielle Anwendung überführt wird.“

Ausbau des Standorts Bitterfeld-Wolfen

Mit der neuen Anlage baut Verbio seinen seit 25 Jahren bestehenden Standort im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen weiter aus. Rund 50 neue Arbeitsplätze entstehen, sodass dort künftig etwa 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind. Das Projekt wurde über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ für besonders umweltfreundliche und innovative Technologien gefördert.

Für Verbio ist der Ausbau zugleich ein Bekenntnis zum Industriestandort in Sachsen-Anhalt. „Unsere Standorte in Zörbig und Bitterfeld sind langfristig angelegt. Hier wollen wir Bioökonomie und regionale Wertschöpfung weiter voranbringen“, betont Sauter. Die Nähe zur regionalen Landwirtschaft und die vorhandene industrielle Infrastruktur seien dafür wichtige Standortvorteile.

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