Die Europäische Kommission hat mit ihrem „Low Carbon Fuels Delegated Act“ Kriterien für kohlenstoffarme Brennstoffe wie Wasserstoff festgelegt. Für den Verband der Chemischen Industrie (VCI) ist der Regelungsrahmen zu bürokratisch und strikt. Matthias Belitz, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit, Energie und Klimaschutz im VCI, sagt: „Leider sind die Regelungen wieder zu streng und schlicht nicht praxistauglich – ähnlich wie bei den Grünstromkriterien für grünen Wasserstoff. Die dringend notwendigen Investitionen in die Wasserstofferzeugung werden damit erschwert oder könnten im schlimmsten Fall ganz ausbleiben. Das ist besonders für die chemisch-pharmazeutische Industrie eine schlechte Nachricht. Unsere Unternehmen sind heute schon die größten Wasserstoffnutzer in Deutschland – und der Bedarf wird sich in Zukunft noch vervielfachen.“
Bundesregierung sollte Änderungen erwirken
Der VCI appelliert an die Bundesregierung, sich in Brüssel für Nachbesserungen einzusetzen. Belitz erläutert: „Wir brauchen sinkende Kosten und mehr Pragmatismus beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. Das ist im deutschen Koalitionsvertrag festgehalten und sollte auch auf europäischer Ebene umgesetzt werden. Kohlenstoffarmer Wasserstoff ist ein ‚Übergangs-Wasserstoff‘. Er ist besser fürs Klima als der klassische fossile Wasserstoff – aber nicht ganz so sauber wie der grüne Wasserstoff aus Wind- oder Sonnenstrom. Trotzdem kann er helfen, Emissionen schnell und wirksam zu senken – vor allem in der Industrie.“
Beispiele notwendiger Verbesserungen
Flexiblere und praxisnähere Kriterien müsse es etwa für die Kalkulation der Emissionen aus dem Strombedarf für kohlenstoffarmen Wasserstoff geben. Auch die Bewertung der Methanemissionen, die während Förderung und Transport von Erdgas anfallen, dürften die Wirtschaftlichkeit gasbasierter Wasserstoffprojekte nicht verhindern, so Belitz. Darüber hinaus fordert er ein transparentes und praxistaugliches Zertifizierungssystem für kohlenstoffarmen Wasserstoff, das auch Importe anerkennt.


