ArcelorMittal, thyssenkrupp Steel und voestalpine fordern eine vorübergehende Aussetzung weiterer Kostensteigerungen im europäischen Emissionshandelssystem EU-ETS. Das derzeitige Kostenniveau soll beibehalten werden, bis wesentliche Voraussetzungen für eine wirtschaftlich tragfähige Dekarbonisierung verfügbar sind.
Dazu zählen wettbewerbsfähige Strompreise, bezahlbarer grüner Wasserstoff, Klimaschutzverträge, Verfahren zur CO2-Abscheidung und -Speicherung sowie Leitmärkte für emissionsarmen Stahl. Die drei Stahlhersteller repräsentieren rund 60 Prozent der integrierten Stahlproduktion in Europa.
Steigende Kosten für die industrielle Transformation
Nach Einschätzung der Konzerne könnten die ETS-bedingten Kosten der Stahlproduktion in der EU bis Anfang der 2030er Jahre um rund 50 Prozent steigen. Gleichzeitig entfällt die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten schrittweise. Bei Exporten aus der EU ist bislang kein entsprechender Ausgleich der CO2-Kosten vorgesehen.
Marie Jaroni, CEO von thyssenkrupp Steel, fordert deshalb eine Anpassung des Systems: „Das ETS braucht einen Realitätscheck. Es reflektiert nicht die industrielle Gegenwart Europas, in der Wettbewerbsfähigkeit und Transformation immer weniger vereinbar sind.“ Eine Kostenpause solle laufende Transformationsprojekte absichern und Nachteile für industrielle Vorreiter vermeiden.
Die Stahlhersteller fordern außerdem, Einnahmen aus dem Emissionshandel gezielt in die industrielle Dekarbonisierung zurückzuführen. Ergänzend soll die Regulierung Wettbewerbsnachteile bei Importen und Exporten begrenzen. Der CO2-Grenzausgleich CBAM und geplante Zollkontingente allein reichen dafür nicht aus.
BASF kritisiert zusätzliche Investitionsauflagen
Auch BASF lehnt zentrale Elemente der geplanten ETS-Reform für die Zeit nach 2030 ab. Vorgesehen ist unter anderem, die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten stärker an konkrete Investitions- und Dekarbonisierungspläne zu binden.
BASF-Vorstandsvorsitzender Markus Kamieth erklärt: „Der Vorschlag der EU geht an der Realität der Unternehmen vorbei. Was wir brauchen, sind schnelle Erleichterungen, keine zusätzlichen Belastungen und noch mehr Bürokratie.“ Schwierige Investitionsbedingungen könnten weitere wirtschaftlich bedingte Standortschließungen begünstigen.
Für die Oberflächentechnik ist die Entwicklung vor allem wegen möglicher Auswirkungen auf Stahlpreise, Prozesschemikalien, Energieaufwendungen und Investitionsentscheidungen relevant. Höhere Kosten in der Stahl- und Chemieindustrie können sich entlang der Wertschöpfungsketten auf Galvaniken, industrielle Lackierbetriebe, Beschichter, Anlagenbauer und metallverarbeitende Zulieferer auswirken.



