Winkhaus ist ein Familienunternehmen in fünfter Generation, einer der führenden Hersteller von Fensterbeschlägen, Türverriegelungen und Zutrittssystemen in Deutschland. Am Hauptsitz in Telgte, Nordrhein-Westfalen, wird Fenstertechnik produziert. „Je nach Ausstattung haben unsere Fenster rund neun Baugruppen und etwa 100 Einzelteile", sagt Stephan Kortenbrede, Leiter des Betriebsmittelbaus. Sein über 50-köpfiges Team stellt alle Werkzeuge und Ersatzteile her, die beim Schneiden, Stanzen oder Umformen der Beschläge zum Einsatz kommen.
Der Betriebsmittelbau sieht sich als interner Dienstleister für die Produktion und kennt deren Herausforderungen: „Wir bearbeiten verschiedene Materialien, völlig unterschiedlich im Hinblick auf Dicke und Qualität. Was aber immer gleich bleibt: Wir müssen sowohl Effizienz als auch Artikelgenauigkeit in der Produktion gewährleisten, denn unsere Fenstertechnik ist nach verschiedenen Gesichtspunkten zertifiziert", erläutert Kortenbrede.
Herausforderungen: Höheres Gewicht und Einbruchschutz
Dabei geht es nicht nur um die Langlebigkeit der einzelnen Komponenten. Im Fensterbau gibt es zwei besondere Herausforderungen: Einerseits werden Fenster immer schwerer, sowohl durch die Bauart – Stichwort Mehrfachverglasung – als auch die zunehmende Größe der Fenster. Architekten und Bauherren wünschen sich möglichst viel Licht in den Räumen. So kann beispielsweise eine verglaste Terrassentür bis zu 150 kg schwer sein.
Andererseits geht es auch um Sicherheit. Dafür müssen Fenster den aktuellen Anforderungen im Hinblick auf Einbruchsschutz entsprechen. Kortenbrede nennt hier beispielsweise Pilzköpfe: Dabei handelt es sich um spezielle Verriegelungsbolzen, die sich beim Schließen des Fensters fest in Sicherheitsschließbleche im Rahmen einhaken. Oder auch Haken aus hochfesten Materialien, die in Türsystemen zum Einsatz kommen können. „Die Entwicklung unserer Produkte ist sehr aufwändig und intensiv, denn sie sind alle zertifiziert. Das heißt, dass wir viele Vorgaben einhalten müssen, und entsprechend hohe Qualität garantieren müssen“, sagt Kortenbrede.
Langlebige Schichten für die Werkzeuge
Der Betriebsmittelbau von Winkhaus setzt deshalb auf Schichten von Oerlikon Balzers. So werden Loch- und Schneidstempel mit der TiAlN-Schicht Balinit Futura Nano beschichtet. Mittels Arc-PVD entsteht eine violett-graue Schicht mit einer Schichthärte HIT von 33 (±3) GPa. Laut Herstellerangaben bietet Balinit Futura Nano damit ein optimiertes Verhältnis zwischen Härte und Druckeigenspannung. Ihre Härte und Zusammensetzung macht sie für stark belastete Präzisionsbauteile sowie HSS- und Hartmetall-Werkzeuge geeignet. Sie erlaubt höhere Schnittgeschwindigkeiten und verbessert die Oberflächenqualität. Aus seinen praktischen Erfahrungen heraus nennt der Schichtanbieter als maximale Anwendungstemperatur 900 °C, bei der Prozesstemperatur sind 500 °C erreichbar.
Druckstempel und -matrizen werden in den Hallen von Winkhaus mit Balinit Alcrona Evo beschichtet, der Weiterentwicklung der Beschichtung Balinit Alcrona Pro. Sie bietet laut Angaben von Oerlikon Balzers eine bessere Verschleißfestigkeit als ihre Vorgängerin, was sich in der Verlängerung der Standzeiten deutlich macht. Die AlCrN-basierte Arc-PVD-Schicht kommt auf eine Schichthärte HIT von 44 GPa (±4) und eine Eigenspannung von -3,5 GPa (±1). Als maximale Anwendungstermperatur nennt der Hersteller 1.100 °C, gemäß seinen Erfahrungen aus der Praxis. Die Prozesstemperatur soll unter 500 °C liegen.
Winkhaus geht bei den weiterentwickelten Schichten mit
Winkhaus hat Balinit Alcrona Evo bereits mehrere Monate in der Anwendung und ist sehr zufrieden damit. Was ihn zu diesem Wechsel bewogen hat? Kortenbrede schmunzelt ein wenig und meint dann: „Wenn Oerlikon Balzers Schichten weiterentwickelt, dann gehen wir diese Schritte immer mit. Wir vertrauen auf die Expertise und sind somit immer auf dem neuesten Stand der Technik.“
Mit diesem Weg hat er gute Erfahrungen gemacht: „Wir wollen defektfreie Werkzeuge, die einfacher weiterverarbeitet werden können und einen reibungslosen Einsatz der Maschinen gewährleisten. Höhere Standzeiten fallen gerade bei den Artikeln, die rund um die Uhr produziert werden, ins Gewicht. Und schließlich geht es um die Oberflächengüte, beispielsweise bei Senkstempeln, mit denen wir Türverriegelungshaken herstellen. Wir verzinken unsere Komponenten noch selbst, da ist eine möglichst glatte, gratfreie Oberfläche die Voraussetzung, um unseren Qualitätsanspruch auch in der Galvanisierung zu erfüllen.“
Vertrauensverhältnis hat sich über die Jahre entwickelt
Winkhaus und Oerlikon Balzers arbeiten schon viele Jahre zusammen. Eine enge Lieferanten-Kunden-Beziehung gehört auch zur Unternehmensphilosophie des Beschlagherstellers. Dabei geht es um mehr als pünktliche Auftragserfüllung: „Für uns ist wichtig, dass unsere Lieferanten verstehen, worauf es bei unseren Produkten ankommt. Wir wollen, dass sie auch unsere Prozesse kennen und wissen, was wir benötigen. Dann läuft nicht nur das normale Geschäft reibungsloser, sondern wir können gemeinsam auch Ausnahmesituationen besser bewältigen", sagt Kortenbrede.
So wurde etwa vor einigen Jahren gemeinsam die Auftragsabwicklung neu aufgesetzt, um den Prozess in beiden Unternehmen zu optimieren. „Oerlikon Balzers gibt uns das Gefühl, dass wir als Kunde ein Partner auf Augenhöhe sind, der wertgeschätzt wird. Für uns sind die gute Erreichbarkeit, die Lieferzeiten und der Umstand, dass wir immer einen Ansprechpartner haben, an den wir uns wenden können, entscheidend – und dass wir gemeinsam nach neuen Lösungen suchen", zeigt sich Kortenbrede zufrieden.


