Früher eingreifen statt später klagen

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Nicht erst reagieren, wenn Gesetze praktisch geschrieben sind, sondern frühzeitig mitgestalten: Mit der Neuaufstellung seiner EU-Arbeit setzt der ZVO ein deutliches Zeichen gegen regulatorische Eigendynamik – und für mehr industriepolitische Vernunft.

Der ZVO stellt seine europapolitischen Aktivitäten neu auf. Künftig koordiniert die in Brüssel etablierte Agentur EPPA die EU-Arbeit des Verbandes – in enger Abstimmung mit Politikleiter Lukas Hanstein, Dr. Malte-Matthias Zimmer und dem Vorstand. Ziel ist es, regulatorische Entwicklungen nicht nur zu begleiten, sondern früher, direkter und strukturierter mitzugestalten.

Was auf den ersten Blick eher unscheinbar wie eine organisatorische Anpassung wirkt, ist tatsächlich ein strategischer Schritt mit Signalwirkung. Ein wesentlicher Impuls für diese strategische Neuausrichtung kam laut ZVO von Lukas Hanstein, der als Leiter Politik einstieg. Zugleich hat der ZVO-Vorstand den klaren Wunsch formuliert, europapolitische Entwicklungen nicht nur zu begleiten, sondern künftig deutlich früher, direkter und strukturierter mitzugestalten. Die zunehmende Regulierungsdichte auf EU-Ebene, insbesondere in den Bereichen Umwelt-, Chemikalien- und Industriepolitik, macht demzufolge eine solche proaktive Herangehensweise zwingend erforderlich.

Der richtige Zeitpunkt ist nicht am Ende des Verfahrens

Verfahren wie REACH-Revisionen oder die Fortschreibung von BREF-Dokumenten bekommen ihre Struktur und inhaltliche Ausrichtung häufig bereits in sehr frühen Phasen – sehr lange bevor formale Konsultationen beginnen und sich die Öffentlichkeit beteiligen kann. Es ist naheliegend, dass der Widerstand gegen Veränderungen hoch ist, wenn Entwürfe auf dem Tisch liegen, die bereits innerhalb der jeweiligen Institutionen Konsens gefunden haben, .

Genau hier setzt die neue Strategie an: frühzeitige politische Ansprache, gezielte Platzierung fachlicher Argumente und kontinuierliche Begleitung relevanter Dossiers. Organisatorisch wird das durch feste Abstimmungsformate flankiert – wöchentliche Jour Fixes zwischen EPPA und der ZVO-Politik sowie ein regelmäßiger Austausch mit dem Vorstand. Damit hebt der ZVO sein Engagement in Brüssel auf einen neuen Level und baut einen dauerhaften Frühwarn- und Einflussmechanismus auf.

Diese Herangehensweise ist sehr zu begrüßen, denn gerade technisch geprägte Mittelstandsbranchen wie die Oberflächentechnik laufen derzeit in Europa Gefahr, von immer mehr Gesetzesvorschlägen und Regulierungen überhäuft zu werden, die einen explodierenden Verwaltungsaufwand verursachen, während die Arbeit und das Überleben der Unternehmen in einem schwierigen Umfeld gravierend erschwert werden – noch dazu können die postulierten Vorteile der Regularien für Umwelt oder Arbeitnehmer in vielen Fällen von Fachleutehäufig sachlich fundiert widerlegt werden.

Ein notwendiger Kulturwechsel

In Brüssel – und zunehmend auch auf nationaler Ebene – entstehen regulatorische Initiativen oft mit hoher administrativer Eigendynamik. Fachlich-technische Realitäten industrieller Prozesse werden nicht selten unzureichend berücksichtigt. So kann man die Entscheidung und Strategie des ZVO als einen wichtigen Schritt betrachten, um einen sich seit Jahren immer stärker manifestierenden Mechanismus zu durchbrechen, der Vorgaben und Gesetze zum Nachteil der europäischen Industrie erzeugt. Das Beispiel sollte Schule machen.

Ein Signal für die Branche

Für die Oberflächentechnik in Europa ist dieser Schritt von erheblicher Bedeutung. Themen wie REACH, PFAS, Emissionsanforderungen oder energieintensive Prozesse werden weiterhin auf europäischer Ebene entschieden. Wer dort nicht systematisch präsent ist, riskiert, dass industriepolitische Realitäten hinter abstrakten Zielsetzungen zurückstehen.

Gerade in Zeiten, in denen industrielle Wertschöpfung in Europa unter erheblichem Druck steht, ist eine solche Professionalität in der Interessenvertretung kein Luxus, sondern wichtig für die Zukunft der Industrie in Europa.

 

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