Abkehr von klassischen Förderkonzepten

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Autonome Transportroboter, sogenannte AGVs, werden günstiger im Invest und lassen sich immer leichter in Fertigungsumgebungen integrieren. Damit treten sie an, um zukünftig die Fertigungsgewohnheiten zu verändern - auch in der Oberflächenbranche.

Das Fließband war seinerzeit eine große Innovation und revolutionierte ganze Industriezweige, angefangen von der Fleischindustrie, in der erstmals ab 1870 hochgelegte Förderbänder dazu dienten, Schlachtvieh durch den Zerlege-Prozess zu transportieren. 1914 entdeckte dann Henry Ford das Fließband für die Automobilserienfertigung und der Siegeszug des Fließbandes begann.

Sogenannte AGVs, Automated Guided Vehicle – oder auch auf Deutsch fahrerlose Transportsysteme, werden zunehmend zu einer wirtschaftlichen Alternative zu klassischen, starren Fördersystemen. Insbesondere, wenn eine hohe Flexibilität und Skalierbarkeit gefragt ist. Doch bisher stießen solche autonomen Transportroboter in der Industrie nur bedingt auf Gegenliebe. Die Investitionskosten waren hoch, gleichzeitig war die Einbindung in die Logistik- und Produktionsprozesse sehr herausfordernd. Mit einem Wort - das Kosten-Nutzen-Verhältnis war nicht immer zufriedenstellend. Dieses Verhältnis beginnt sich nun zunehmend zu verbessern. Nicht zuletzt hat sich bei der Steuerung einiges getan und eine bedarfsorientierte Routenabstimmung samt Schwarmintelligenz erleichtern die Integration moderner AGVs in eine Produktionsumgebung. Zum Beispiel sind in der neuen digital vernetzten Vorzeigefabrik „Factory 56“ von Mercedes hunderte mobile Transportroboter von Safelog unterwegs. „Es kann dem ganzen Markt einen Schub geben, wenn sich zeigt, dass so eine große Flotte reibungslos funktioniert“, sagt Michael Wolter, geschäftsführender Gesellschafter von Safelog. Der Roboterbauer hat allein für die „Factory 56“ knapp 500 Roboter geliefert. Insgesamt hat Daimler weltweit rund 2500 Exemplare von Safelog im Einsatz. Die autonomen Maschinen bringen in Sindelfingen die Motoren und die Sitze für die neue S-Klasse zur Montage. Zusammenstöße gibt es nicht, da die Roboter als Schwarm untereinander vernetzt sind. Auch wenn klassische Fördersysteme vom Skid bis zum Hängeförderer deshalb noch lange nicht überflüssig werden, kündigt sich für die Zukunft  eine Hinwendung zu mehr Flexibilität und Skalierbarkeit von Fertigungsprozessen durch eine nichtlineare Verkettung der Prozesstationen an.

Auch im Bereich der Oberflächentechnik entwickeln führende Anlagenbauer zunehmend modulare Konzepte wie das EcoProFleet-AGV (Dürr), das speziell für Lackieranlagen entwickelt wurde. Auch gibt es immer mehr modulare Anlagenkonzepte für die Vorbehandlung und Beschichtung. Insgesamt ist zu erwarten, dass sinkende Losgrößen sowie eine höhere Variantenvielfalt auch in der Oberflächenbranche künftig verstärkt flexiblere und zunehmend intelligentere Fördertechnik erfordern werden.

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