Pero AG

Geschäftsfelder:
Anlagenbau - Anlagen zur industriellen Teilereinigung

Zielgruppen:
Allgemeine Industrie sowie zahlreiche Branchen, wie Automobil-, Luftfahrt-, Schmuck-, Uhren-, Licht-, Elektro- und optischer Industrie

Mitarbeiter:
ca. 190

Jahresumsatz:
ca. 30 Mio

Gesprächspartnerin:
Manuela Böhm, Vorstand und 4. Generation der Unternehmerfamilie

 

Interview

Was für ein Resümee ziehen Sie für das Jahr 2025?

Die gute Auftragslage aus dem Vorjahr ermöglichte es uns, unsere Projekte planmäßig umzusetzen. Der Auftragseingang lag erwartungsgemäß unter dem Niveau von 2024 und spiegelt das aktuelle Marktumfeld wider. Insgesamt bewegen sich Umsatz und Entwicklung auf einem soliden, aber weiterhin niedrigen Niveau.

Nach fünf bis sechs sehr herausfordernden Jahren hat sich der dauerhafte Krisenmodus für viele Unternehmen zu einer gewissen Normalität entwickelt. Wir haben unsere internen Abläufe entsprechend angepasst — insbesondere durch den verstärkten Ausbau unserer Serienfertigung.

Diese ermöglicht es uns, Anlagen effizienter und zu wettbewerbsfähigeren Preisen in Deutschland zu produzieren, ohne Kompromisse bei der Technik eingehen zu müssen. Gleichzeitig bleiben wir dadurch auch in Phasen geringerer Auftragslage handlungsfähig, da wir Komponenten und Baugruppen vorfertigen und so unsere Lieferfähigkeit nachhaltig sichern.

Mit dieser stabilen und zukunftsorientierten Basis blicken wir realistisch, aber positiv in die kommenden Jahre.

Wie haben sich ihre Zielmärkte entwickelt, gab es positive oder negative Überraschungen?

Unsere Zielmärkte haben sich 2025 unterschiedlich entwickelt. Der US-Markt blieb hinter unseren Erwartungen zurück, was vor allem auf anhaltende politische Unsicherheiten zurückzuführen ist. In Europa setzte sich das bereits niedrige Marktniveau der vergangenen Jahre fort, ohne größere positive Impulse. Insgesamt zeigt sich damit eine eher verhaltene Marktentwicklung.

Angesichts der globalen geostrategischen Entwicklungen und Perspektiven, halten Sie ein Umdenken in Bezug auf den in den vergangenen Jahren geradezu stoisch beibehaltenen Nachhaltigkeitsfokus der letzten Regierung für notwendig?

Nachhaltigkeit ist für uns als mittelständisches Familienunternehmen ein zentraler Bestandteil verantwortungsvollen Wirtschaftens. Das betrifft sowohl unsere internen Prozesse – von der Fertigung bis zur Organisation – als auch unsere Produkte selbst. Unsere Reinigungsanlagen sind darauf ausgelegt, Energie effizient zu nutzen, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig höchste technische Sauberkeit zu gewährleisten. Damit leisten wir einen direkten Beitrag dazu, dass unsere Kunden ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele erreichen können.

Gleichzeitig erleben wir, dass manche Regelungen in der Praxis wenig Wirkung entfalten, dafür aber erheblichen bürokratischen Aufwand verursachen – etwa das Verpackungsgesetz. Für Unternehmen wie unseres bedeutet das oft mehr Administration als tatsächlichen Fortschritt.

Die neue Regierung hat erste Schritte zur Entlastung angekündigt, was grundsätzlich positiv ist. Ob diese Maßnahmen wirklich zu einer spürbaren Verbesserung führen, lässt sich derzeit jedoch noch nicht seriös beurteilen. Entscheidend wird sein, ob Nachhaltigkeit künftig mit Augenmaß und Praxisnähe umgesetzt wird – also so, dass ökologische Ziele erreicht werden, ohne den Mittelstand durch übermäßige Bürokratie zu belasten.

Welche Entwicklung erwarten Sie im nächsten Jahr für die internationalen Märkte?

Für das kommende Jahr erwarten wir in unseren Kernmärkten Europa und Nordamerika eine stabile, aber weiterhin verhaltene Entwicklung. China spielt für uns nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn wir dort vereinzelt Anlagen im Einsatz haben.

Eine größere Herausforderung sehen wir weniger im Absatzmarkt China, sondern vielmehr in möglichen Exportrestriktionen aus China nach Europa – insbesondere bei elektronischen Komponenten, die für den Maschinenbau essenziell sind. Entsprechend beobachten wir die Entwicklung genau und arbeiten weiterhin daran, unsere Lieferketten breiter und resilienter aufzustellen.

Wie wichtig sind ihrer Meinung nach Anstrengungen, um eine größere Autarkie von Europa bezüglich der Fertigungskette, aber auch der Energieversorgung zu erreichen?

Eine stärkere europäische Autarkie – sowohl in der Fertigungskette als auch in der Energieversorgung – ist aus unserer Sicht sinnvoll und wünschenswert. Europa sollte Abhängigkeiten von einzelnen Regionen bei kritischen Rohstoffen und Komponenten reduzieren. Gleichzeitig bleibt die Globalisierung wichtig, denn internationale Märkte und Lieferketten bieten weiterhin klare Vorteile. Entscheidend wird ein ausgewogener Ansatz sein: Stärkung des Binnenmarkts und gezielte Diversifizierung, ohne sich von globalen Chancen abzuschneiden.

Welche Erwartungen haben Sie für 2026 was die Energiepreise angeht?

Wir gehen davon aus, dass die Energiepreise 2026 insgesamt stagnieren könnten – mit einer leichten Tendenz zu tieferen Werten.

Sehen Sie Ansätze zum Bürokratieabbau in Deutschland/innerhalb Europas?

Ich sehe durchaus Ansätze für Bürokratieabbau – insbesondere bei Berichtspflichten und Dokumentationsanforderungen. Gleichzeitig besteht weiterhin hoher Aufwand rund um die Prozesse der Verzollung von Waren sowie die Entsendung von Mitarbeitenden innerhalb Europas erhebliches Vereinfachungspotenzial, da der administrative Aufwand hier weiterhin sehr hoch ist. Zusätzlich fordern statistische Ämter regelmäßig umfangreiche Daten ab, die Unternehmen oft nur schwer oder gar nicht liefern können, obwohl sie an anderer Stelle wesentlich einfacher zu erheben wären.

Welche Erwartungen haben Sie für 2026 bezüglich der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung, sowohl auf europäischer als auch auf globaler Ebene? Was erwarten Sie speziell für die Tätigkeitsfelder Ihres Unternehmens?

Wir erwarten für 2026 eine langsame, aber spürbare wirtschaftliche Erholung – insbesondere ab dem dritten Quartal, nachdem sich die deutsche Wirtschaft in 2025 deutlich stabilisiert hat. Für unser Geschäftsfeld, das eng mit Investitionen, Industrietechnik und Fertigung verbunden ist, bedeutet das realistisch steigende Nachfrage und mehr Planungssicherheit.

Bereits jetzt verzeichnen wir eine Zunahme an Anfragen, auch wenn die Abschlussbereitschaft für konkrete Projekte noch verhalten bleibt. Mit einer weiteren wirtschaftlichen Stabilisierung rechnen wir jedoch damit, dass auch die Investitionsfreude unserer Kunden wieder anzieht.

Gleichzeitig behalten wir potenzielle Risiken im Blick – insbesondere geopolitische Entwicklungen sowie handelspolitische Rahmenbedingungen, die weiterhin Einfluss auf Investitionsentscheidungen haben könnten.

Welche weiteren Erwartungen haben Sie für 2026, welche Herausforderungen sehen Sie?

Wir rechnen im kommenden Jahr mit positiven Impulsen, insbesondere durch die zunehmende Automatisierung in vielen Industriebereichen sowie eine mögliche konjunkturelle Stabilisierung im weiteren Jahresverlauf. Beides könnte für mehr Planungssicherheit und Investitionsbereitschaft sorgen.

Gleichzeitig bleiben wesentliche Herausforderungen bestehen: geopolitische Unsicherheiten, steigende Kosten in mehreren Bereichen und ein weiterhin hoher regulatorischer Aufwand. Diese Faktoren verlangen von Unternehmen hohe Anpassungsfähigkeit und effiziente Prozesse, um wettbewerbsfähig zu bleiben.