Zwischen Hype und Hemmnis: Eine Branche kämpft sich durch

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560 Teilnehmer und über 70 Aussteller – die ZVO-Oberflächentage 2025 setzen starke Impulse: Künstliche Intelligenz, digitale Prozessführung und nachhaltige Technologien – die Schlagworte der diesjährigen ZVO Oberflächentage klangen nach Fortschritt. Der Rahmen allerdings bleibt schwierig: Energiepreise, Regulierungsdruck und Investitionsunsicherheit lasten spürbar auf der Branche. Und trotzdem war der Ton überraschend konstruktiv. Die ZVO-Oberflächentage 2025 zeigten eine Branche, die weder resigniert noch beschönigt, sondern mit großem Einsatz ihren Weg sucht – Schritt für Schritt.

Trotz wirtschaftlicher Turbulenzen, regulatorischer Unsicherheit und hoher Energiepreise sendet die Oberflächenbranche ein überraschend positives Signal: Auf den ZVO-Oberflächentagen 2025 herrschte bemerkenswert viel Aufbruchsstimmung – und das in einer Zeit, die von vielen Unternehmen als sehr herausfordernd erlebt wird.

Mehr als 560 Teilnehmende, über 95 Fachvorträge und eine begleitende Ausstellung mit über 70 Ausstellern machten Berlin erneut zum Zentrum der Galvano- und Oberflächentechnik. Besonders deutlich wurde: Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich zu echten Leitthemen – nicht nur als ferne Zukunftsvision, sondern zunehmend auch in konkreten Anwendungen.

KI – Vom Hype in die industrielle Realität

Erstmals war „Künstliche Intelligenz in der Galvano- und Oberflächentechnik“ mit mehreren Vorträgen konkret vertreten – und das mit spürbarer Resonanz. Ob bei der Inlinemessung, der Prozessüberwachung oder der Produktionsplanung: Referenten zeigten, wie KI bereits heute produktionsrelevante Aufgaben übernehmen kann. „KI zur Effizienz – Automatisieren, Analysieren, Vereinfachen“ lautete einer der programmatischen Titel.

Gleichzeitig klang aber auch Skepsis durch. Zwar wird KI wird oft als Antwort auf den Fachkräftemangel genannt – aber am Ende besteht durchaus die Möglichkeit, dass KI genutzt wird, um auch höher qualifiziertes Personal zu ersetzen.

Regulatorik bleibt Bremsklotz – aber der Ton hat sich verändert

Bezüglich es Themas Chrom VI war die Stimmung konstruktiv und realistisch, auch wenn der Beschränkungsvorschlag zahlreiche Mängel enthält, wird er doch als besser wahrgenommen als die bisherige Autorisierung. Allerdings muss man sich ernsthaft fragen, warum staatliche Behörden einen solchen Irrweg gehen können, ohne dass daraus für die Verantwortlichen erkennbare Konsequenzen folgen. Mit diesem Vorgehen hat die ECHA Betriebe vom Markt gedrängt und den Unternehmen massive Kosten auferlegt, die nun für sinnvollere Investitionen fehlen. Aber noch immer lasten regulatorische Unsicherheiten auf vielen Unternehmen, nicht zuletzt im Bereich PFAS. „Ungewissheit tötet Innovationsfähigkeit und Investitionsbereitschaft“, brachte es Dr. Malte Zimmer vom ZVO-Ressort Umwelt- und Chemikalienpolitik auf den Punkt. Doch statt Resignation war in vielen Gesprächen ein anderer Ton zu hören: „Wir wissen, dass die Spielregeln sich ändern. Jetzt geht es darum, Lösungen zu finden.“

So wurde etwa in der „Sprechstunde Regulatorik“ deutlich: Unternehmen sind inzwischen auf dem Weg, PFAS-freie Lösungen zu entwickeln – mit teilweise erstaunlich guten ergebnissen, wie zum Beispiel ein vorgestellter biobasierter Versiegler für hartanodische Schichten zeigte.

Positive Dynamik trotz wirtschaftlicher Schwere

Was auffiel: Trotz aller Herausforderungen war die Grundstimmung fast durchweg lösungsorientiert und offen, Branchenexperten sprachen von einer regelrechten Aufbruchsstimmung, die allerdings noch von zahlreichen bremsenden Elementen im Zaum gehalten wird.  

Auch ZVO-Vorsitzender Jörg Püttbach zeigte sich zufrieden: „Die Branche lebt, das hat man in jedem Gespräch gespürt. Und das in einem Umfeld, das alles andere als einfach ist“. Die Aussteller zeigten sich ebenfalls durchweg zufrieden, der Austausch war intensiv und persönlich, die Resonanz auf neue Lösungen groß – von Digitalisierung über Zirkularität bis zur Prozessoptimierung.

Weitere Einzelheiten zu den Themen lesen Sie in der kommenden Ausgabe der mo und in Kürze finden Sie online auf oberflaeche.de Video-Interviews von den ZVO Oberflächentagen.

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