Dürr Systems AG

Geschäftsfelder:
Lackiertechnik, Endmontagetechnik, Batteriebeschichtungstechnik
Zielgruppen:
Automobilindustrie, Maschinenbau
Mitarbeiter:
6.700
Jahresumsatz:
2.554,2 Millionen Euro
Gesprächspartner:
Jens Reiner, Senior Vice President Dürr Systems AG
Interview
Was für ein Resümee ziehen Sie für das Jahr 2025?
Das Jahr 2025 war geprägt von einer herausfordernden globalen Marktlage, insbesondere durch Themen wie Zollpolitik und komplexe Lieferketten. Gerade jetzt ist es wichtig, Kundenbedürfnisse und Budget in Einklang zu bringen, um Projekte erfolgreich und termingerecht umzusetzen. Unser Fokus liegt dabei klar auf Kostenoptimierung, Performance und Termintreue. Dürr befindet sich weiterhin auf einem stabilen Kurs – nicht zuletzt dank unserer bewährten Fertigungs- und Lieferstrategie mit eigenen Produktionsstandorten weltweit sowie einem ausgewogenen Lösungsportfolio, das sowohl High-End- als auch Budget-orientierte Kundenbedarfe abdeckt.
Wie haben sich ihre Zielmärkte entwickelt, gab es positive oder negative Überraschungen?
Das Marktumfeld bleibt anspruchsvoll: In China herrscht starker Wettbewerb, in Europa kam es zu zeitlichen Projektverschiebungen und in Amerika erfordern die Zollturbolenzen ein noch flexibleres Vorgehen. Dank unserer globalen Präsenz und enger Zusammenarbeit über Standorte hinweg – etwa durch Key Account Management und abgestimmte Arbeits- und Lieferumfänge – konnten wir dennoch gemeinsam mit unseren Kunden erfolgreiche Lösungen realisieren.
Angesichts der globalen geostrategischen Entwicklungen und Perspektiven, halten Sie ein Umdenken in Bezug auf den in den vergangenen Jahren geradezu stoisch beibehaltenen Nachhaltigkeitsfokus der letzten Regierung für notwendig?
Nachhaltigkeit ist fest in der DNA von Dürr verankert und bleibt ein zentraler Bestandteil unserer Strategie. Dennoch ist es wichtig, zwischen „gut“ und „gut gemeint“ zu unterscheiden – hier müssen wir gemeinsam an praktikablen Lösungen arbeiten.
Wie wird sich die Rolle von China und des bisher so lukrativen chinesischen Marktes in den nächsten Jahren für die Weltwirtschaft entwickeln?
Chinesische Kunden und Lieferanten stehen vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Einige chinesische OEMs drängen zunehmend auf internationale Märkte, was für uns Chancen eröffnet: Wir begleiten chinesische Kunden bei diesem Schritt. Im Anlagenbau verfügen wir über umfassende globale Erfahrung und kennen die entscheidenden Rahmenbedingungen – von lokalen Vorschriften bis zu Projektanforderungen. So können wir weltweit sicherstellen, dass Projekte erfolgreich umgesetzt werden.
Sehen Sie Alternativen?
Nordamerika wird voraussichtlich stärker wachsen. In etablierten Märkten gewinnt nach wie vor das Thema Brownfield an Bedeutung – also die Modernisierung bestehender Produktionsanlagen, um neue Prozesse zu integrieren und Effizienz zu steigern. Wir hatten gerade ein tolles Projekt bei Stellantis Kenitra in Marokko, bei dem wir Robotik aus Italien umgezogen und dort zum Einsatz gebracht haben.
Haben Sie einen Plan B, falls es bezüglich China in den kommenden Jahren zu Blockaden in Bezug auf Importe, aber auch Exporte kommt?
Wie schon beschrieben sind wir weltweit in unterschiedlichsten Märkten erfolgreich. Wir können daher mit Ausgleichsbewegungen rechnen – dafür beobachten wir alle Entwicklungen sehr genau, um Chancen frühzeitig zu erkennen und flexibel reagieren zu können. Insbesondere beim Thema Zoll hoffen wir zusätzlich auf die besonnenen Reaktionen der politischen Entscheider.
Wie wichtig sind ihrer Meinung nach Anstrengungen, um eine größere Autarkie von Europa bezüglich der Fertigungskette, aber auch der Energieversorgung zu erreichen? Welche Strategien sind ihrer Meinung nach für Europa tragfähig und realistisch?
Für Europa ist es sinnvoll, einen breiten Lieferantenpool über die Grenzen hinaus aufzubauen, um kontinuierliches Benchmarking von Produkten und Prozessen sicherzustellen. Der globale Wettbewerb nutzt internationale Quellen, um Herstellungskosten zu optimieren – das muss auch Grundlage unserer Angebote sein. Gleichzeitig bleibt lokales Sourcing wichtig, insbesondere für regionale Projekte und als auch für den Fachkräftepool.
Energieautarkie in Europa lässt sich meiner Ansicht nach nur erreichen, wenn der Ausbau erneuerbarer Quellen deutlich forciert wird und zugleich bewährte Technologien zur Grundlastsicherung weiterhin eine Rolle spielen. Das bestehende europaweite Netz funktioniert zwar, stellt jedoch erhebliche technische Herausforderungen dar.
Welche Erwartungen haben Sie für 2026 was die Energiepreise angeht?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine Entlastung bei den Energiepreisen geben wird. Eine deutliche Senkung ist unüblich, und es fehlen klare gesetzliche Vorgaben, die dies fördern könnten.
Sehen Sie Ansätze zum Bürokratieabbau in Deutschland/innerhalb Europas?
Ein wichtiger Schritt wäre eine vereinfachte Einwanderungs- und Arbeitserlaubnispolitik. Da eigene Fachkräfte nicht ausreichen, ist die Beschäftigung ausländischer Experten unumgänglich – weniger Bürokratie würde die Situation erheblich verbessern.
Falls nein, wo hat sich die Bürokratie besonders verschlimmert?
Vor allem bei Baugenehmigungen und Zertifizierungen – wir haben erheblichen Aufwand, der viele Ressourcen bindet. Hier erlebe ich eine klare Tendenz zu noch mehr Bürokratie.
Welche Erwartungen haben Sie für 2026 bezüglich der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung, sowohl auf europäischer als auch auf globaler Ebene? Was erwarten Sie speziell für die Tätigkeitsfelder Ihres Unternehmens?
Wir rechnen – wie schon 2025 – mit einer weitgehend seitwärts gerichteten Entwicklung. Die größten Herausforderungen sehen wir in globalen Lieferketten und Zöllen, die eine optimale internationale Aufstellung erfordern. Zudem fehlen positive konjunkturelle Impulse, insbesondere in Europa und vor allem in Deutschland.
Wo erwarten Sie positive Entwicklungen, wo eher negative?
Wir erwarten positive Impulse in Amerika und Indien. Für Europa bleibt unsere Einschätzung eher verhalten, während China im Mittelfeld liegt – weder besonders positiv noch negativ.

