REITER GmbH + Co. KG Oberflächentechnik

Geschäftsfelder:
Automatische Lackiersysteme, Farbversorgung und -Dosierung, Automatisierung

Zielgruppen:
Allgemein-Industrie, Automobil-Zulieferindustrie, Holzindustrie

Mitarbeiter:
50 - 55

Jahresumsatz:
€ 10.000.000,--

Gesprächspartner:
Frank Reiter, Geschäftsführer und Vertriebsleitung

 

 

 

Interview

Was für ein Resümee ziehen Sie für das Jahr 2025?

Das Jahr 2025 war für Reiter ein zufriedenstellendes Jahr. Wir konnten bedingt durch ein stabiles Servicegeschäft und einiger großer Projektaufträge den Auftragseingang gegenüber dem schwachen Jahr 2024 deutlich steigern. Der Umsatz bewegt sich auf dem geplanten Niveau und wir haben aktuell einen vergleichsweisen hohen Auftragsbestand für 2026 welcher die Auslastung und Beschäftigung für das ganze Jahr sichert. Grundsätzlich herrscht aber eine hohe Verunsicherung und damit geringe Investitionsneigung in Deutschland.

Wie haben sich ihre Zielmärkte entwickelt, gab es positive oder negative Überraschungen?

Wie allgemein bekannt stecken die Automobilindustrie und damit auch die Zulieferer-Unternehmen in einer tiefen strukturellen Kriese in Deutschland. Entsprechend schwach ist die Nachfrage in diesem Markt.

Im Bereich der Bauindustrie sehen wir weiterhin einen normalen Markt. Hier spielt der internationale Wettbewerb eine geringere Rolle und die Sanierung des Immobilienbestands wirkt stabilisierend.

Positiv hat sich für uns der Bereich Luftfahrt und auch Maschinenbau entwickelt.

Angesichts der globalen geostrategischen Entwicklungen und Perspektiven, halten Sie ein Umdenken in Bezug auf den in den vergangenen Jahren geradezu stoisch beibehaltenen Nachhaltigkeitsfokus der letzten Regierung für notwendig?

In den vergangenen 30 Jahren war es der Industrie möglich die Aspekte Umweltschutz und Produktivität mit immer wirtschaftlicheren Lösungen zu kombinieren. Nach der Regel des abnehmenden Grenznutzens erfordern jedoch weitere Verbesserungen immer höhere Investitionen. Dies führt seit Jahren zur abnehmenden Wirtschaftlichkeit einer Maßnahme für die Unternehmen. Zuletzt konnten häufig nur noch staatliche Förderungen in großem Stil helfen Investitionen wirtschaftlich darzustellen.

Das Primat der CO2-Reduktion in der Politik führt nun dazu, dass die Industrie immer mehr Produktion in Länder mit günstigeren Randbedingungen verlagert.

Die Arbeit der aktuellen Regierung kann in Summe nur als ungenügend bewertet werden. Die Regierung ist offensichtlich nicht in der Lage die notwendigen Weichenstellungen vorzunehmen.

Welche Entwicklung erwarten Sie im nächsten Jahr für die internationalen Märkte?

Wir bei Reiter sind weder im Bezug auf den Absatz noch auf die Beschaffung in China angewiesen. Grundsätzlich setzt China auf umfassende Selbständigkeit und ist auf einem guten Weg dieses Ziel zu erreichen. Es wird für deutsche Unternehmen schwer werden in den sich noch entwickelnden Staaten des Südens im Wettbewerb mit den Chinesen zu behaupten.

Wie wichtig sind ihrer Meinung nach Anstrengungen, um eine größere Autarkie von Europa bezüglich der Fertigungskette, aber auch der Energieversorgung zu erreichen?

Grundsätzlich sehe ich Bestrebungen Europa autarker aufzustellen positiv. Um jedoch massive Wohlstandsverluste für die breite Bevölkerung zu verhindern müssen dafür sämtliche verfügbare Ressourcen in Europa genutzt werden. Das bedeutet Nutzung und Ausbau der Atomkraft. Nutzung der vorhandenen Gasvorräte auch mit Fracking Methoden um Energie günstig und zuverlässig bereitstellen zu können.

Welche Erwartungen haben Sie für 2026 was die Energiepreise angeht?

Mit der aktuellen Politik sehe ich nicht wie die Energiepreise fallen können. Daher erwarte ich weiter steigende Preise.

Sehen Sie Ansätze zum Bürokratieabbau in Deutschland/innerhalb Europas?

Die Bemühungen zum Bürokratieabbau in Deutschland sind zu loben. Da aber die absolute Mehrzahl der Vorschriften und Regelungen welche die Industrie belasten, aus Europa kommen, muss in Brüssel dringend umgesteuert werden. Hier rollte seit Jahren ein Tsunami auf uns zu und behindert massiv die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Welche Erwartungen haben Sie für 2026 bezüglich der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung, sowohl auf europäischer als auch auf globaler Ebene? Was erwarten Sie speziell für die Tätigkeitsfelder Ihres Unternehmens?

Ich sehe aktuell keine wirkliche Wachstumsperspektive für die Industrie und auch die Gesamtwirtschaft in Europa. Der für Reiter wichtige Trend zur Automatisierung in der Fertigung eröffnet jedoch weiterhin Perspektiven für eine stabile Beschäftigungslage.

Welche weiteren Erwartungen haben Sie für 2026, welche Herausforderungen sehen Sie?

Ich erwarte in 2026 die erhebliche Ausweitung von KI-Anwendungen in den Unternehmen. Dies wird zu spürbaren Auswirkungen im Bereich der Verwaltung und im Engineering von Anlagen führen.

Zum Teil kann damit dem sich weiter verschärfenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

Es wird darum gehen, sich extrem flexibel den rasant ändernden Rahmenbedingungen anpassen zu können.