RBC – Ralf Beinbrecht Consulting

Geschäftsfelder:
Beratung / Begleitung

Zielgruppen:
produzierendes Gewerbe, Lackier-/Oberflächentechnik, Engineering, Interim Management und Kompetenzüberbrückungen

Gesprächspartner:
Dr Ralf Beinbrecht – Interim Manager / Geschäftsleiter der RBConsulting

 

Interview

Was für ein Resümee ziehen Sie für das Jahr 2025?

2025 stellte ein anspruchsvolles Jahr dar; die Konjunktur reflektierte das mit fast 24.000 Insolvenzanmeldungen in diesem Geschäftsjahr. Der Gründungsmonitor der KFW indiziert weiterhin zu geringe Neugründungen. Der Umsatz des Geschäftsjahres war nicht ausreichend und 2026 wird voraussichtlich keine Verbesserung eintreten.

Wie haben sich ihre Zielmärkte entwickelt, gab es positive oder negative Überraschungen?

Nach wie vor beobachte ich, trotz des teilweise guten Leistungsniveaus vieler Firmen, in meinem Fachbereich der Lackier-/Oberflächentechnik weiterhin Bedarf, auch wegen fehlender Fachkräfte mit umfassenden, aber auch vielfältigen Fachkenntnissen. Trotz allem war es ein schwieriges Jahr.

Angesichts der globalen geostrategischen Entwicklungen und Perspektiven, halten Sie ein Umdenken in Bezug auf den in den vergangenen Jahren geradezu stoisch beibehaltenen Nachhaltigkeitsfokus der letzten Regierung für notwendig?

Es ist eine Herausforderung, ökologische, soziale und ökonomische Verantwortung im Gleichklang auszubalancieren - in der heutigen Zeit. Ohne Zweifel ist es wichtig, die Umwelt für zukünftige Generationen zu erhalten und sogar zu verbessern. Doch dies wird nur möglich sein, wenn alle Weltmächte am selben Strang ziehen!

Wie bewerten Sie bisher die Ziele und die Regierungsarbeit der neuen Regierung?

Im Prinzip glaube ich, wurden die Probleme identifiziert, eine strategische Bearbeitung ist im Allgemeinen nicht einfach und benötigt Zeit. Allerdings obsiegt, leider auch aufgrund vergangener Perioden, die Ungeduld vieler, und ich hoffe lediglich, dass dadurch nicht die falsche Partei an die Macht gelangt und Europa als Gegengewicht verblasst!

Welche Entwicklung erwarten Sie im nächsten Jahr für die internationalen Märkte?

Der asiatische Raum wird mit Sicherheit herausfordernd, Indien stellt sich als möglicher Hoffnungsschimmer für den deutschen Export dar, aber auch Kanada ist für die deutsche Wirtschaft in Zukunft von Bedeutung und der afrikanische Markt bleibt ein Wirtschaftsthema. Deshalb engagiert sich Deutschland, um die Chancen für die deutsche und die afrikanische Wirtschaft gerecht und nachhaltig zu nutzen!

Wie wichtig sind ihrer Meinung nach Anstrengungen, um eine größere Autarkie von Europa bezüglich der Fertigungskette, aber auch der Energieversorgung zu erreichen?

Aus meiner Perspektive sollten die Schwerpunkte auf Energie, medizinischer Versorgung und industrieller Resilienz durch den Ausbau zentraler Schlüsseltechnologien gelegt werden. Dazu zählen insbesondere Batteriezellen, Wasserstoff sowie eine verlässliche Rohstoffversorgung (beispielsweise Lithium und Nickel) und daneben eine Diversifizierung der Lieferketten. In Bereichen wie den Seltenen Erden haben wir aus bislang unbekannten Gründen die geopolitische Abhängigkeit falsch eingeschätzt und entsprechend einer Neubewertung bedarf es einer systematischen Gegenmaßnahme.

Welche Erwartungen haben Sie für 2026 was die Energiepreise angeht?

In industrieller Hinsicht erscheint der erzielte Konsens als ausreichend tragfähig. Aus Sicht der Verbraucher wird es hingegen erforderlich sein, eine strategische Absicherung zu verfolgen, die über rein marktbezogene Optionen hinausgeht. Beispielhaft lässt sich hierbei die Installation einer Balkon-Solaranlage anführen, die eine zusätzliche, eigenständige Versorgungsoption bietet und damit das individuelle Versorgungssicherheitsniveau erhöht. Insgesamt zeigt sich damit eine zweigleisige Perspektive: Während die Industrie auf robuste, gemeinsame Grundlagen setzt, benötigen Verbraucher proaktivere Maßnahmen, um sich gegen potenzielle Versorgungsrisiken zu wappnen.

Sehen Sie Ansätze zum Bürokratieabbau in Deutschland/innerhalb Europas?

Seit Januar 25 ist das BEG IV in Kraft. Dieses Gesetz ist Bestandteil des Entlastungspakets der Bundesregierung zur Minderung der Bürokratie und zielt darauf ab, die Belastung von Unternehmen um rund 3,5 Milliarden Euro jährlich zu verringern. Konkrete Maßnahmen umfassen unter anderem: die Abschaffung der Hotelmeldepflicht, eine Verkürzung der Aufbewahrungsfristen von 10 auf 8 Jahre, die Abschaffung der Schriftformerfordernisse (so wird künftig die Textform per E-Mail ausreichen), sowie eine Erhöhung der Schwellenwerte im Handelsbilanzrecht um etwa 25 Prozent. Da über die Hälfte der bürokratischen Lasten aus der Europäischen Union stammen, wurde zudem gemeinsam mit Frankreich eine paneuropäische Entlastungsinitiative gestartet.

Welche Erwartungen haben Sie für 2026 bezüglich der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung, sowohl auf europäischer als auch auf globaler Ebene? Was erwarten Sie speziell für die Tätigkeitsfelder Ihres Unternehmens?

Im Hinblick auf das Geschäftsjahr 2026 ist damit zu rechnen, dass sich die Lage erst gegen Ende des Jahres allmählich entspannen wird. Bis zur Jahresmitte dürften Themen wie Personalfreisetzungen und Insolvenzen weiterhin signifikante Belastungen darstellen. Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen wird erwartet, dass der noch nicht vollständig stabile KI-Einsatz künftig dazu beitragen kann, bestehende personelle Engpässe auszugleichen und strukturelle Ungleichgewichte zu mildern. Diese Erwartung beruht auf der Annahme, dass KI-Lösungen schrittweise Prozesse optimieren, Effizienzpotenziale heben und dadurch eine stabilisierende Wirkung auf Kapazitäts- und Ressourcenallokationen entfalten können. Gleichzeitig bleibt es essenziell, die Implementierung sorgfältig zu steuern, um negative Begleitwirkungen auf Mitarbeitende zu minimieren und eine sozialverträgliche Transformation zu gewährleisten.

Welche weiteren Erwartungen haben Sie für 2026, welche Herausforderungen sehen Sie?

Freelancer/Firmen, die im Jahr 2027 noch tätig sind, könnten ab dem darauf folgenden Geschäftsjahr mit einer zuverlässigeren Auslastung rechnen. Darüber hinaus dürften Fachkräfte mit langjährigem Erfahrungswissen bis etwa 2030 von einer stabileren Phasenentwicklung profitieren, zumal aktuelle KI-Generationen noch nicht alle möglichen Optionen vollständig ausgeschöpft haben. In dieser Übergangszeit besteht eine behutsame Zuversicht, dass sich die Arbeitsbelastung besser verteilen wird und langfristig eine verlässlichere Kapazitätsauslastung entsteht. Diese Einschätzung beruht auf der Erwartung moderner Technologieneutralität, fortlaufender Prozessoptimierung und einem zunehmenden Mix aus menschlichen Kompetenzen und unterstützenden digitalen Systemen. Die aufkommende Stabilisierung wird zudem durch kontinuierliche Fortbildung und Anpassungsbereitschaft der Fachkräfte gestützt, wodurch sich eine nachhaltige Effizienzsteigerung ergeben könnte.