Richard Geiss GmbH

Geschäftsfelder: Automotive- und chemische Industrie

Zielgruppen: nicht angegeben

Mitarbeiter: ca. 110

Jahresumsatz: 30 Mio. Euro

Gesprächspartner: Bastian Geiß, geschäft

 

 

Interview

Was für ein Resümee ziehen Sie für das Jahr 2025?

Das Jahr 2025 war für unser Unternehmen insgesamt anspruchsvoll. Besonders der Automotive-Sektor, einer unserer wichtigsten Absatzmärkte, zeigte stark rückläufige Entwicklungen und belastete die Gesamtsituation deutlich. Zwar blieb der Auftragseingang weitgehend stabil, doch der Umsatz lag klar unter dem Vorjahr. Auch die chemische Industrie befindet sich in einer ausgeprägten Schwächephase, die sich unmittelbar auf unsere Geschäftstätigkeit auswirkt. Gleichzeitig erschweren geopolitische Unsicherheiten, volatile Märkte und immer komplexere regulatorische Vorgaben eine verlässliche Planung. Der seit Jahren anhaltende Krisenmodus hat sich dadurch weiter verfestigt.

Wie haben sich Ihre Zielmärkte entwickelt, gab es positive oder negative Überraschungen?

Die Zielmärkte entwickelten sich sehr unterschiedlich. Der deutsche Markt war 2025 insgesamt schwach und fiel stärker zurück als erwartet. Das internationale Geschäft zeigte sich hingegen stabiler und teilweise mit leichtem Wachstum, was für eine gewisse Entlastung sorgte.

Angesichts der globalen geostrategischen Entwicklungen und Perspektiven, halten Sie ein Umdenken in Bezug auf den Nachhaltigkeitsfokus der vergangenen Jahre für notwendig?

Den aktuellen Nachhaltigkeitskurs, insbesondere Green Deal und Dekarbonisierung, halte ich in der derzeitigen Form für ideologisch geprägt und wirtschaftlich unausgewogen. Er führt zu erheblichen Belastungen für den Industriestandort. Auch die neue Regierung überzeugt bisher nicht, da es an klarer strategischer Ausrichtung, Planungssicherheit und entschlossenen Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft fehlt.

Welche Entwicklung erwarten Sie im nächsten Jahr für die internationalen Märkte?

Im internationalen Umfeld sind gezielte Zoll- und Importvorgaben wichtig, um faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Alternativen zu China sind zwingend notwendig. Ebenso entscheidend ist es, Europa als Produktions- und Technologiestandort wieder attraktiver zu machen.

Wie wichtig sind Anstrengungen, um eine größere Autarkie Europas bei Fertigungsketten und Energieversorgung zu erreichen?

Eine größere Autarkie Europas ist aus meiner Sicht unverzichtbar, sowohl in den Fertigungsketten als auch in der Energieversorgung. Strategische Produkte müssen wieder stärker in Europa gefertigt werden. Langfristig sollte zudem eine Normalisierung der Beziehungen zu Russland angestrebt werden, um stabile und wettbewerbsfähige Energiepreise sicherzustellen.

Welche Erwartungen haben Sie für 2026, was die Energiepreise angeht?

Für 2026 erwarte ich weiter steigende Energiepreise, verstärkt durch den höheren CO₂-Preis und geopolitische Risiken wie mögliche Verwerfungen in Venezuela oder dem Iran. Eine Entlastung ist nicht absehbar.

Sehen Sie Ansätze zum Bürokratieabbau in Deutschland oder innerhalb Europas?

Ansätze zum Bürokratieabbau sehe ich weder in Deutschland noch in Europa. Der Verwaltungsapparat wächst stetig weiter und belastet die Wirtschaft spürbar.

Welche Erwartungen haben Sie für 2026 bezüglich der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung?

Auch wirtschaftlich ist 2026 aus meiner Sicht keine Erholung zu erwarten. Die chemische Industrie setzt ihren Standortabbau fort, und der Automotive-Bereich leidet unter den Folgen eines politisch vorangetriebenen Technologiewechsels. Unsere Branchen werden weiterhin unter Druck stehen, auch wenn effiziente und flexible Unternehmen stabile Nischen behaupten können.

Welche weiteren Erwartungen haben Sie für 2026, welche Herausforderungen sehen Sie?

Ich sehe 2026 als ein entscheidendes Jahr. Entweder werden dringend notwendige Reformen umgesetzt, oder ein „Weiter so“ führt wirtschaftlich weiter in den Abstieg. Der Kurs muss grundlegend neu ausgerichtet werden, damit Europa und Deutschland wieder Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit erreichen.