Eisenmann nach drei Jahren wieder auf Kurs

Nach einem erfolgreichen Neustart nimmt das Projektgeschäft wieder Fahrt auf

Fördertechnik Paint Mover
Der Paint Mover ist eine skalierbare, patentierte Fördertechnik, die Karossen flexibel durch den gesamten Lackierprozess transportieren kann (Bild: Eisenmann)

Der renommierte Anlagenbauer Eisenmann GmbH findet nach drei Jahren zu einem profitablen Geschäft zurück. Gleich zu Beginn haben Investitionen in die Weiterentwicklung und Optimierung bewährter Produkte zum erfolgreichen Neustart beigetragen.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens hat Nimbus, ein Investor mit langjähriger Erfahrung im Maschinen- und Anlagenbau, den Geschäftsbereich Paint and Assembly übernommen. Damit kann die Eisenmann GmbH das Kerngeschäft rund um nachhaltige und individuelle Anlagenkonzepte weiter fortführen.

Über 1.000 Patente übernommen

 In die neu gegründete Eisenmann GmbH wurden alle Patente – mehr als 1.000 Stück –, die der ehemaligen Business Unit Paint and Assembly zugeordnet waren integriert, auch der Markenname Eisenmann wurde übernommen. Damit verfügt die junge Unternehmung über alle bekannten und bewährten Produkte der alten Eisenmann SE, dazu gehört die gesamte Produktpalette an Prozess- und Fördertechnik. Zum neuen Portfolio zählt auch das umweltfreundliche Lackabscheidesystem E-Cube.

Neben den Patenten wurde das gesamte Intellectual Property übernommen, inklusive der vollständigen Dokumentation für die bei den Kunden installierte Basis von rund 2.000 Anlagen. Am Firmensitz in Böblingen wurden zur Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebes 8.000 m² ehemaliger Produktionsflächen angemietet. Davon finden auf etwa 2.000 m² Entwicklungsarbeiten und Dauertests statt, außerdem der Aufbau von Showcases für die Kunden. Mit übergegangen sind zum Zeitpunkt der Gründung 100 Mitarbeiter, zwischenzeitlich sind bereits wieder 160 Mitarbeiter am Standort tätig. Inzwischen wurden drei Tochtergesellschaften gegründet – in den USA, in Mexiko und in der Türkei.

Weiterentwicklungen gestartet

 Eines der ersten Technologieprojekte der Eisenmann GmbH war das VarioShuttle XL. Es ist ein sehr flexibles 3-Achsystem zur Förderung von Karosserien durch die Vorbehandlungs- und KTL-Prozesse – allerdings kann es nun ein Nutzlastgewicht von zwei Tonnen tragen. Bisher lag das Gewichtslimit bei 1000 kg. Diese Nutzlasterweiterung war wichtig, weil die Karossen durch die E-Mobilität schwerer werden und außerdem der Trend zu größeren Karosserien ungebrochen ist.

„In dieser frühen Phase der neuen Eisenmann GmbH waren wir sehr stolz, dass wir für die VW Nutzfahrzeuge in Hannover mit dem VarioShuttle XL ein Leuchtturmprojekt realisieren konnten“, so Matthias Haarer, Geschäftsführer der Eisen¬mann GmbH. „Solche Weiterentwicklung sind uns sehr wichtig, da wir wie in der Vergangenheit Schrittmacher für innovative Technologien sein wollen. Deswegen haben wir von dem Fleck weg viel Geld und Zeit in die Fortentwicklung und Neuentwicklung von Produkten und Technologien investiert.“

Neben der Entwicklung finden auf den 8.000 m² auch die Logistik für den Projektbereich und die Montage für die Kernprodukte statt. Die Komponenten und Baugruppen werden eingekauft und komplettiert sowie elektrifiziert und dem Kunden vor der Montage zur Abnahme vorgeführt.

AGV statt Skid

Nach wie vor gehört die Skid-Fördertechnik in der Automobillackierung zum Standard. Aus Sicht von Umwelt und Energieeffizienz ist das jedoch keine besonders ideale Lösung. Denn neben einer Karosserie, die je nach Modell ungefähr 350 kg wiegt, fährt auch der Skid mit einem Eigengewicht von etwa 250 kg durch sämtliche Prozessschritte.

Insbesondere bei den Trocknungs-Prozessen muss eine unnötige Masse von fast zwei Dritteln der Nutzmasse erwärmt und abgekühlt werden. Hier bieten autonome fahrerlose Transportsysteme, also AGVs, eine flexibel skalierbare Alternative. Kapazitätserhöhungen sind ohne Fertigungsunterbrechung möglich, im Gegensatz zur klassischen Skid-Fördertechnik. Wartung und Umbau bei starrer Fördertechnik auf Rollenbahnen erfordern stets Produktionsunterbrechungen. Der Paint Mover fährt dagegen flexibel durch den gesamten Lackierprozess, von der Spritzkabine, durch die Trockner und die Kühlzonen – und ist für die Anwendung in der Fahrzeuglackierung umfangreich patentrechtlich geschützt.

VarioShuttle XL
Das VarioShuttle XL kann Karossen von bis zu 2.000 kg mit flexiblen Bahnkurven durch KTL und Vorbehandlung transportieren – bisher lag das Gewichtslimit bei 1.000 kg (Bild: Eisenmann)

Moderne Trocknungskonzepte

Im Bereich der Trocknungssysteme bietet der Böblinger Anlagenbauer den SmartOven, der nun für das effiziente und emissionsarme Heizen mit elektrischer Energie weiterentwickelt wurde, an.

Der SmartOven spielt seine Vorzüge im Trocknungsprozess mit einer hervorragenden Energiebilanz, geringen Investitionskosten und hoher Lackierqualität aus. Im Vergleich zum konventionellen Konvektionstrockner sind die zuvor außen angebrachten separaten Heizaggregate im Trockner integriert. Somit ist eine kompakte und leichte Bauweise möglich. Der SmartOven lässt sich mit Strom, Gas, Thermalöl, Wasserstoff beheizen und gewährleistet damit einen wichtigen wirtschaftlichen Spielraum durch die freie Wahl der eingesetzten Energiequellen.

„Alle wollen weg vom Erdgas, weil dessen Verfügbarkeit perspektivisch schwierig erscheint und auch nicht CO2-neutral ist“, erläutert Haarer. „Deshalb haben wir die Weiterentwicklung des SmartOven weit oben auf der Prioriätenliste gehabt.“

Partnerschaft mit Filterhersteller

Ebenfalls ein Update erhielt der E-Cube, ein preiswertes Trockenabscheidungssystem auch für große Lackieranlagen mit einem sehr geringen Komplexitätsgrad, aber hoher Effektivität. Die neue Generation, der E-Cube, ermöglicht längere Standzeiten, höhere Füllgrade und geringere Kosten. Die Herstellung und Weiterentwicklung des E-Cube erfolgte in einer Partnerschaft mit dem renommierten Filterhersteller NeuFilter und Freudenberg in den USA. Eine sinnvolle Anpassung an die Notwendigkeit von mehr Effizienz – früher wurden die Filter noch in eigener Regie entwickelt und hergestellt.

Dickstoffapplikation im Fokus

Ein weiteres interessantes Aufgabengebiet ergibt sich im Bereich der Dickstoffapplikation, Nahtabdichtung und Hohlraum- Konservierung wofür Eisenmann derzeit intelligente Automatisierungsmöglichkeiten entwickelt. Über umfangreiches Knowhow verfügt Eisenmann außerdem in der Räderlackierung, hier ist der Anlagenbauer mit über 90 installierten Anlagen nach wie vor Weltmarktführer. Wichtig ist aber festzuhalten, dass die Eisenmann GmbH sich nicht nur auf das Thema Automobil fokussiert, sondern ihr Aufgabenfeld in der gesamten metallverarbeitenden Industrie sieht. Die Eisenmann GmbH ist ISO- und TÜV zertifiziert, in Kürze kommt die ISO 14.001 hinzu, von daher ist das junge Unternehmen auf Kurs, auch wieder größere Aufgaben in Angriff nehmen zu können.

CB

Eisenmann GmbH

www.eisenmann.de