Schutz und Styling für Arbeitspferde

In der Land- und Baumaschinenbranche wird immer mehr Wert auf das Design gelegt

Poettinger KTL und Pulverlack
Gegen Steine, Erde, Staub – helfen nur sehr robuste Lacksysteme, bei Pöttinger eine Kombination aus KTL und Pulverlack. Gleichzeitig spielt auch die Optik eine immer wichtigere Rolle. (Bild: Poettinger)

Ob der Bagger eine frische Baugrube aushebt oder der Traktor ein Feld pflügt – ihr Einsatzgebiet verlangt den Lacken für Land- und Baumaschinen viel ab. Hinzu kommen noch die allgemein schärferen Umweltanforderungen. Und nicht zuletzt steigen die optischen Ansprüche der Kunden an die Beschichtung.

Ob Steine auf der Baustelle, Äste im Wald oder kleine Kiesel im Ackerboden: Ein guter Schutz gegen mechanische Belastungen ist unerlässlich. Insbesondere plötzliche Schläge durch herumfliegende Teile können die Oberflächen von Land- und Baumaschinen beschädigen. Bei Landmaschinen kommt noch die chemische Belastung zum Beispiel durch Gülle hinzu. Und für alle gilt nicht zuletzt, dass die Lacke Sonne, Wind und Wetter standhalten müssen. Weder UV-Strahlung noch Frost dürfen den Korrosionsschutz und die Optik beeinträchtigen.

Für dieses Bündel an Anforderungen haben die Lackhersteller so genannte UHSLacke entwickelt, die Abkürzung steht für Ultra-High-Solid. Eine exakte Definition, die in der gesamten Branche anerkannt wird, gibt es dafür nicht. Meistens versteht man darunter Lacke mit einem Festkörperanteil von bis zu 80 Prozent. Dafür sinkt dann der Anteil an flüchtigen organischen Verbindungen. Das kommt der Umwelt und dem Arbeitsschutz zugute – derzeit ein wichtiger Nachfrageaspekt. Dennoch sind für diese Lacke nicht allzu viele Umstellungen notwendig.

„Es wird bei UHS-Systemen mit gleicher Nass-Schichtstärke eine höhere Trocken- Schichtstärke erreicht“, erläutert Stefan Kritzer, Vertriebsleiter Fahrzeugbau bei der Freilacke Emil Frei GmbH & Co. KG in Bräunlingen-Döggingen. Weiter sagt er: „Somit kann die Nass-Schichtstärke reduziert werden. Daran müssen sich Lackierer gewöhnen beziehungsweise müssen es beachten, wenn sie von einem HS-System auf ein UHS-System umstellen. Ansonsten können die Lacke mit normalem Lackier- und Anlagen-Equipment verarbeitet werden.“

Den Auftrag mit herkömmlichen druckunterstützten Spritzgeräten bestätigt auch der österreichische Hersteller Sopero Lacktechnik GmbH aus Marchtrenk für seinen UHS-Lack. Zudem verweist er auf die erhöhte Materialausbeute: „Durch den höheren Festkörperanteil des UHS-Lackes ist es möglich, mit der gleichen Menge Lack mindestens 30 Prozent mehr Fläche zu lackieren im Vergleich zu herkömmlichen High-Solid-Lacken“, erläutert Kritzer.

Hohe Beständigkeit mit nur einer Schicht

Neben den Lösemittelemissionen stehen auch der Energieeinsatz und der Arbeitsaufwand für das Lackieren im Fokus der Anwender. Der Hamburger Lackhersteller Mankiewicz Gebr. & Co. (GmbH & Co. KG) setzt schon länger auf sein Monolayer-System, das nach eigenen Angaben auch heute noch, optimiert auf die Belange moderner Maschinen und Lackierprozesse, deutliche Einsparungen von Material- und Energiekosten erreicht. Das Einschicht-Lacksystem integriert Korrosionsschutz, mechanische und chemische Beständigkeiten so, dass die eine Schicht vollständig und dauerhaft schützt. Seit neuestem sind hier sogar Metallic-Farbtöne realisierbar. Das ist laut Mankiewicz wichtig, da Design-Aspekte in der Landmaschinenindustrie zunehmend gefragt sind.

„Dort, wo beim Kunden keine Einschichtsysteme zum Einsatz kommen können, haben wir andere Ansätze, um den Lack so nachhaltig wie möglich zu machen“, sagt Carsten Bartsch, Sales Director Agricultural Equipment bei Mankiewicz. So könnten VOC-reduzierte High-Solid-Lacke eingesetzt werden. Auch Ofen-aus-Trocknung helfe, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Wie die Anforderungen in einem konkreten Projekt umgesetzt werden, verdeutlicht der Lackhersteller Freilacke. Für den Landmaschinenproduzenten Horsch Maschinen GmbH im oberpfälzischen Schwandorf hat der Schwarzwälder Lackspezialist die Rezepturen im Nasslackaufbau verbessert und die Dichte der Produkte reduziert. Das führte zu einer Senkung der VOC-Emissionen und einer Beschleunigung der Trocknungszeiten (siehe Artikel „Der richtige Lack macht's“, S. 16-17).

Landtechnikhersteller baut eigene Beschichtungsanlage

Auch der österreichische Landtechnik-Hersteller Pöttinger setzt auf Qualität beim Lackieren und hat eine eigene Halle für die Kathodische Tauchlackierung (KTL) und Pulverbeschichtung eröffnet. In der neuen Beschichtungsanlage im Werk St. Georgen bei Grieskirchen (Österreich) bekommen nun die Teile für Schwader und Rundballenpressen ihre Lackierung. Zusätzlich werden hier Fremdaufträge in die Beschichtung übernommen. Durch die neue Konzeptionierung können laut Unternehmen Aufträge in schwarzem KTL-Tauchlack, hoher Wandstärke und großem Teilegewicht ausgeführt werden. Das maximale Gehängegewicht beträgt 1,2 Tonnen.

Mit der Oberflächenbeschichtung mit KTL- und Pulverbeschichtung kommt ein umweltfreundliches und effizientes Lackierverfahren zum Einsatz, das insbesondere durch die zwei Lackschichten und den zuverlässigen KTL-Hohlraumschutz auch unter harschen Einsatzbedingungen eine lange Produktlebensdauer erwarten lässt. Sowohl bei der Lackherstellung als auch der Verarbeitung werden keine Lösungsmittel emittiert. „Die schlagfeste Beschichtung hält ein Produktleben lang. Das war unter anderem auch ein Grund, warum wir an diesem Standort in eine entsprechende Anlage investiert haben“, sagt Gregor Dietachmayr, Sprecher der Pöttinger-Geschäftsführung.

Lohnender Markt für Lackhersteller

Den Lackherstellern, die sich diesen Herausforderungen stellen, eröffnet sich ein lohnender Markt: Der Branchenverband VDMA Landtechnik rechnet für das Jahr 2023 mit einem Umsatzvolumen von mehr als zwölf Milliarden Euro aus deutscher Produktion. Auch die Zukunft sieht positiv aus, denn die Landwirte bleiben investitionsfreudig. Laut einer Umfrage der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) unter 2300 europäischen Landwirten plant jeder zweite, in den kommenden zwei Jahren in neue Traktoren investieren zu wollen. Etwas anders sieht es bei den Baumaschinen aus. Laut VDMA erwarten die Mitgliedsunternehmen des Fachverbands Baumaschinen und Baustoffanlagen bis zu zehn Prozent Wachstum und einen Umsatzrekord, ohne absolute Zahlen zu nennen. Die Auftragseingänge sind jedoch derzeit um zweistellige Prozentwerte zurückgegangen.

SI

Lack für Arbeitsmaschinen
Bei Landmaschinen muss längst nicht mehr nur der Trecker gut aussehen, auch für Arbeitsmaschinen gelten erhöhte Anforderungen (Bild: DLG)

Freilacke Emil Frei GmbH & Co. KG

www.freilacke.de

Sopero Lacktechnik GmbH

www.sopero.at

Mankiewicz Gebr. & Co. (GmbH & Co. KG)

www.mankiewicz.com

Horsch Maschinen GmbH

www.horsch.com

Pöttinger Landtechnik GmbH

www.poettinger.at