Meeh: Beschichtung auf hanseatisch

Hanse MV setzt für neuen Standort in Tessin auf bewährte Anlagentechnik

Meeh Beschichtungsanlage
Die Beschichtungsanlage in der neuen Halle wurde großzügig dimensioniert – trotzdem erfordert die Auslastung inzwischen einen Wechsel in den 2-Schicht-Betrieb (Bild: Meeh)

Ein Jungunternehmer baut für seinen Betrieb in Tessin einen neuen Standort mit einer hochflexiblen Pulverlackieranlage auf. Das Grundstück hat mit 6.000 Quadratmetern Fläche noch Reserven. Die Beschichtungsanlage nimmt darin rund 1.000 Quadratmeter ein. Inzwischen wird schon im Zweischichtbetrieb gearbeitet.

Der Werdegang von Artem Melman, dem Geschäftsführer der Hanseatischen Metallveredlung, zeigt, was in der Oberflächenbranche möglich ist, wenn Engagement und die richtigen Fähigkeiten zusammenkommen. Melman hatte 2007 zunächst ein Praktikum bei der Firma Reining in Roggentin bei Rostock absolviert, Interesse an der Oberflächentechnik bekommen und schon im Jahr darauf mit seiner Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik begonnen. Ein halbes Jahr später stieg der Betrieb auf Pulverbeschichtung um und Melman lernte so das Verfahren von der Pike auf kennen – vom Aufbau der neuen Beschichtungsanlage, einer Jumbo-Coat von Meeh, über ihre Inbetriebnahme bis zum ersten gepulverten Werkstück. Schon kurz nach der Beendigung seiner Lehre 2011 wurde er zur rechten Hand des Produktionsleiters und übernahm später sogar die Position des Produktionsleiters. Nur vier Jahre später folgte der nächste Schritt in der Karriereleiter, Melman bekam die Geschäftsführung der Reining GmbH übertragen. Damit hätte sich der junge Hanseate eigentlich erst einmal zurücklehnen können, aber er wollte das Unternehmen weiterentwickeln und Wachstumspotenziale nutzen - auch durch neue Partner. Der nächste Schritt war, diese Ziele im Firmennamen sichtbar zu machen und so firmierte im Oktober 2021 die Reining GmbH in die Hanseatische Metallveredelung, kurz Hanse MV um. Nomen est Omen, unter Kaufleuten steht „hanseatisch“ für Pragmatismus und Zuverlässigkeit. Und genau darin sieht der junge Geschäftsführer die Grundfesten des Erfolges seines Beschichtungsbetriebes.

Die Wege möglichst kurz halten

Zu diesem Zeitpunkt war am Standort Roggentin auf dem vorhandenen Gelände ein Limit an Entwicklungs- und Expansionsmöglichkeiten erreicht und Melmann suchte nach einem zuverlässigen und starken Partner, um die Entwicklung der Hanse MV vorantreiben zu können. So kam er mit der S+T-Gruppe ins Gespräch. Zu der Unternehmensgruppe gehören die S+T Fassaden GmbH mit Sitz in Tessin, für die Firma Reining in der Vergangenheit immer wieder Sonderteile beschichtet hatte, sowie weitere Standorte in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Gespräche waren noch 2021 von Erfolg gekrönt, allerdings äußerte die S+T-Geschäftsführung den Wunsch, dass der Beschichtungsbetrieb auf ein benachbartes Grundstück im etwa 20 km entfernten Tessin ziehen möge, um die Wege kurz zu halten.

Das brachte die unternehmensinternen Erweiterungspläne zwar ein wenig durcheinander, denn man hatte schon ein Erweiterungsgrundstück am früheren Standort in Aussicht, aber Melman zeigte sich hanseatisch- pragmatisch. „Wir haben uns nach intensivem Abwägen für Tessin entschieden“, schildert er. „Die kurzen Wege sind Gold wert, und das Hin und Her zwischen den Standorten bezahlt ohnehin niemand.“ Perspektivisch sind kurze Wege auch für die CO2 Bilanz sehr positiv – also auch in dieser Hinsicht eine Entscheidung mit Weitblick.

Dass es am neuen Standort auch Zeit für eine neue Anlage war, stand schnell fest, sowohl aus Kapazitätsgründen, aber auch wegen Energieeffizienzthemen. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der Jumbo-Coat-Anlage, fiel die Wahl des Geschäftsführer der Hanse MV Melman wieder auf den Anlagenbauer Meeh. „Ich war ja quasi der Hausmeister der alten Anlage und kannte sie seit ihrem Aufbau. Wir waren hoch zufrieden damit. Sie war recht einfach gestrickt, sodass Service kaum nötig war“, erzählt er.

Nach der Standortschließung gelang es mühelos, die alte Anlage zu verkaufen, ganze zwölf Interessenten hatten sich gemeldet. Das neue Tessiner Grundstück der Hanse MV hat eine Fläche von rund 6.000 Quadratmetern. Im März 2022 erfolgte der erste Spatenstich für die neue Halle, die rund 1.250 Quadratmeter umfasst; die Beschichtungsanlage nimmt darin rund 1.000 Quadratmeter ein.

Lackierkabine Vorbehandlung und Trockner
Links befindet sich die Lackierkabine, dazwischen die zwei Trockner und rechts ist die Vorbehandlungskabine angeordnet. Wie die Bilder zeigen, ist das Teilespektrum sehr vielfältig (Bild: Meeh)

Aufwändige Planung für Wasserschutzgebiet

Die Bestellung der halbautomatischen Pulveranlage ging Anfang Juli 2022 bei Meeh ein. Wie sich Geschäftsführer Ulrich Meeh erinnert, war die Anlagenplanung ein komplizierter Fall, da sich der Betrieb in einem Wasserschutzgebiet 3 befindet – also in einem Trinkwasser-Einzugsgebiet: „Ich habe wohl noch nie vor so hohen Anforderungen gestanden, um die Havarie von Gefahrenstoffen zu verhindern“, sagt er. Diese müssen bei der Hanse MV doppelt gesichert werden. Deshalb befindet sich die Vorbehandlungschemie in einer 21 Quadratmeter großen Edelstahlwanne. „Und wir mussten eine unterirdische und doppelwandige Rohrleitung mit chemisch beständigen Schläuchen noch einmal durch einen Auslaufsensor für Feuchtigkeit verstärken“, berichtet Meeh von den Vorsichtsmaßnahmen.

Für die Aufbauzeit waren zwölf Wochen eingeplant, zehn wurden tatsächlich benötigt. Ausgeliefert wurde die Anlage bereits im August 2022, und bei der Montage sei wenig schiefgelaufen, erinnert sich der Geschäftsführer. Wenn tatsächlich mal ein Teil fehlte, dann traf es umgehend per Expressversand ein. Zwei Meeh-Mitarbeiter waren in dieser Zeit beim Aufbau vor Ort, Hanse MV stellte ebenfalls zwei Mitarbeiter ab, und Melman selbst fungierte als Springer. „So haben wir es geschafft, die beiden Öfen in nur einer Woche aufzubauen“, erklärt er stolz.

Reibungsloser Übergang für die Kunden

Sein Ziel war, die Kunden den Umzug nicht spüren zu lassen. So wurde zwei Wochen lang ein Parallelbetrieb in Roggentin und in Tessin gefahren – und der komplette Umzug im November 2022 dann innerhalb  von zwei Tagen über die Bühne gebracht. So gelang es Lieferverzögerungen und sonstige Unannehmlichkeiten von den Kunden fernzuhalten.

Haftwassertrockner und Pulverofen
Haftwassertrockner und Pulverofen liegen energetisch günstig nebeneinander, beide verfügen über dieselben Leistungsdaten, so dass bei Bedarf zwei Pulveröfen zur Verfügung stehen (Bild: Meeh)

Modulare Technik für flexibles Beschichten

Das Tessiner Team beschichtet Werkstücke aus Alu, Stahl, Edelstahl sowie verzinkte Teile bis zu einer Länge von sechs Metern, einer Höhe von drei Metern und einer Breite von zweieinhalb Metern. Ihr Maximalgewicht liegt bei einer Tonne. Die Kunden stammen vornehmlich aus dem Maschinenbau und jetzt auch Fassade. „Wir haben mehrere Großkunden und einen Einzugsradius von 100 Kilometern“, erzählt Melman.

Die Tessiner Jumbo-Coat-Anlage besteht aus vier einzelnen Prozesskabinen, die parallel zueinander angeordnet sind: eine Pulverkabine, ein Haftwassertrockner, ein Einbrennofen und eine automatische Waschkabine. Bei letzterer handelt es sich um einen Waschautomaten, für Werkstücke bis 1200 mm Breite fährt ein Waschkranz über die Bauteile, die auch bei mehrreihiger Anordnung komplett umspült werden. Je nach Geometrie lassen sich sperrige Teile bis 2500 mm Breite manuell außerdem per Hochdrucklanze vorbehandeln.

„Die unterschiedlichsten Prozessschritte wie Entfetten/Phosphatieren, 2 x Kreislaufspülen, VE-Spüle und die No-Rinse-Passivierung sind in nur einer Kabine möglich“, erklärt Dietmar Damm, der bei Anlagenhersteller Meeh als Vertriebsingenieur tätig ist. „Für Stahl, auch Beizen für Aluminium ist möglich“. Die Vorbehandlungskabine ist mit mehreren Stichbahnen, einer Luftabsaugung, sowie zur Neutralisierung der Beize mit einem Abluftwäscher ausgestattet.

Nach dem Durchlauf im Waschautomaten werden die Bauteile über das Traversensystem in den Haftwassertrockner gefahren, der sich parallel zum Pulverofen befindet. Beide Öfen verfügen über dieselbe Heizleistung, der Haftwassertrocknertrockner läuft im Regelbetrieb aber nur bei 120 °C. Bei hohem Pulveraufkommen kann er so als zusätzlicher Einbrennofen mit bis zu 220°C dienen.

Vor den Anlagenkomponenten befindet sich ein großer Parkplatz mit insgesamt 35 Lasttraversen – eine Steigerung um zehn Traversen im Vergleich zu vorher. Eigentlich waren sie als Puffer eingeplant, der jedoch schon jetzt in zunehmendem Maße ausgereizt ist. „Unser Rekord lag kürzlich bei 46 Lasttraversen an einem Tag“, so Melman. „Im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen, direkt auf eine Traversenlänge von sieben Metern zu gehen.“

„Die Verbindung zwischen den einzelnen Anlagenteilen bilden 3 elektrische Querfahrbühnen. Sie sind mit drei oder fünf Schienen sowie mit Hub-Senk-Station ausgestattet“, erläutert Damm. Für den Quertransport vor den Kabinen werden die Lasttraversen auf den Querfahrbühnen elektrisch, für den Transport in die Kabinen manuell gefahren. Damit ist eine flexible Be- und Entladung der Traversen an jedem Parkplatz möglich. Zahlreiche Stichbahnen dienen als Zwischenlager.

Die manuelle Pulverkabine verfügt über eine Bodenabsaugung mit Patronenfilter für das Overspray, sowie über eine vertikale Luftführung von der Kabinendecke zum Boden. „Die gereinigte Luft wird anschließend über einen Sicherheitsfilter zurück in die Halle geführt“, erklärt Vertriebsingenieur Damm. Die CO2 Brandunterdrückungsanlage sichert die Pulverkabine vor einer Staubexplosion.

Erweiterung in Planung

Der Betrieb zählt inzwischen 18 Mitarbeiter, von denen vier im Büro beschäftigt sind, sowie einen Auszubildenden. Im Laufe der Planungen für den Übergang in den Zweischichtsystem zeigte sich, dass der zur Probe installierte Verdampfer von Hartmann zu klein sein würde – nun ersetzt ihn ein neues Modell mit einer Kapazität von 100 l/h. Sämtliche Abwässer werden in einem geschlossenen Kreislauf abwasserfrei und über Selektivtauscher wiederaufbereitet.

Meeh war für das gesamte Projekt mit der Integration in die Anlagentechnik beauftragt. „Wir haben gern sämtliche, von Meeh vorgeschlagene Zulieferer übernommen. Wenn man ein Problem hat, dann kommen die“, so Melmans Erfahrung.

Demnächst soll noch eine weitere Querfahrbühnen integriert werden. Weitere Ausbauprojekte, etwa ein Bürogebäude und eine zusätzliche Lagerhalle, sind als nächste Schritte geplant.

„Dadurch, dass wir auf neue und bessere Technik gesetzt und unseren Stamm an qualifizierten Mitarbeitern aufgestockt haben, konnten wir unseren Umsatz schon jetzt deutlich steigern“, fasst der Geschäftsführer zusammen. Mit dieser Ausstattung kann die Hanse MV der steigenden Nachfrage nach hochwertiger Beschichtung nachkommen und ihrem hanseatischen Versprechen als zuverlässiger und pragmatischer Geschäftspartner dauerhaft gerecht werden.

Meeh Pulverbeschichtungs- und Staubfilteranlagen GmbH

www.jumbo-coat.de

Hanseatische Metallveredelung GmbH

www.hanseMV.de

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