Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

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Zwischen geopolitischer Eskalation, REACH-Revision und wachsendem Regulierungsdruck zeigt sich, wie wichtig Sachverstand und technische Lösungen für die Industrie bleiben. Die Oberflächentechnik steht dabei exemplarisch für eine Branche, die nicht von Symbolpolitik, sondern von funktionierenden Prozessen, Ressourceneffizienz und industrieller Wertschöpfung lebt.

Man muss es nüchtern sagen: Der Angriff der USA auf den Iran hat sich als dilettantisch ausgeführter Fehlschlag erwiesen. Das iranische Regime hat standgehalten und wird so in den kommenden Jahren an Dominanz gewinnen. Doch klar ist auch, dass zum jetzigen Zeitpunkt eine weitere militärische Eskalation dem Rest der Welt mehr schaden würde als dem iranischen Regime. 

Auch in schwierigen Zeiten ist eben irgendwann die Einsicht notwendig, dass es an der Zeit ist, aufzuhören mit Kopf gegen die Wand zu laufen und eine Tür zu suchen. Diese Formel gilt nicht nur für die große Geopolitik. Sie passt auch für bodenständigere Themen, mit denen sich die Oberflächentechnik seit Jahren herumschlagen muss.

Konträre Positionen werden schon lange nicht mehr konstruktiv gelöst. Sie werden umetikettiert, in andere Verfahren verschoben oder administrativ weitergeführt, bis sich betroffene Unternehmen irgendwann fragen müssen, ob es für sie unter diesen Bedingungen in Europa noch eine Zukunft geben kann.

Ein Beispiel hierfür ist die große REACH-Revision. Formal ist sie zwar vom Tisch – in der Praxis aber sind viele ihrer problematischen Grundansätze längst in der Verwaltungspraxis angekommen (Details ab Seite 11 in der mo-Ausgabe 4/2026).

Regulierung zwischen Risiko und Wertschöpfung

Für die Oberflächentechnik ist das kein juristisches Randthema, sondern eine Existenzfrage. Wer als Regulierer für sich in Anspruch nimmt, Chrom(VI), PFAS, bestimmte funktionale Beschichtungen oder andere wichtige Stoffgruppen pauschal und abstrakt als untragbares Risiko zu definieren und in der Folge zu verbannen, verkennt deren Bedeutung für reale Wertschöpfungsketten.

Die Funktionalitäten von Beschichtungen sind in der Industrie nicht optional und dürfen nicht auf Basis theoretischer – oder versuchen wir doch einen treffenderen Namen für die Faktengrundlage so mancher Brüsseler Entscheidung zu finden – emotionaler Erwägungen degradiert werden.

Genau deshalb ist der Brüsseler Regulierungsansatz so gefährlich, denn er löst sich zunehmend von konkreter Risikobeherrschung und stellt industrielle Anwendungen immer stärker unter Rechtfertigungsvorbehalt.

Zahlreiche nationale Regierungen haben diesen Bürokratiewahn bisher eifrig unter dem Deckmantel ökologischer und politischer Korrektheit mitgetragen, verschärft und moralisch aufgeladen. Doch Wohlstand entsteht nicht durch Formulare und Nachweispflichten, sondern durch funktionierende Betriebe und industrielle Wertschöpfung, die im Land bleibt.

Verhältnismäßigkeit als industriepolitische Voraussetzung

Umwelt- und Arbeitsschutz sind keinesfalls zweitrangig – aber gerade weil sie wichtig sind, müssen sie fachlich sauber, risikobasiert und verhältnismäßig geregelt werden. Symbolische Grenzwerte, pauschale Stoffverbote und politische Wunschbilder helfen niemandem, wenn Produktion verlagert wird, Lieferketten reißen und Alternativen schlechter, teurer und häufig auch technisch unzuverlässiger sind. Eine Regulierung, die ihre Nebenwirkungen nicht seriös bilanziert, ist keine verantwortungsvolle Industriepolitik, sondern handelt in hohem Maße fahrlässig.

Technische Lösungen statt politischer Parolen

Umso wichtiger ist es, dass diese Ausgabe auch zeigt, worin die eigentliche Stärke der Oberflächentechnik liegt: in konkreten technischen Lösungen. Die Branche arbeitet mit hoher Intensität an handfesten Antworten zur Ressourceneffizienz, Prozessstabilität, Automatisierung, Digitalisierung und Materialeinsparung.

Bisweilen zeigt sich bemerkenswerter Innovationsgeist auch in den kleineren Dingen – zum Beispiel in einer Erdungsschraube (Seite 40). Fortschritt entsteht eben nicht aus großspurigen Parolen, sondern aus klugen Lösungen, die Aufwand reduzieren, Prozesse stabilisieren, Material sparen und Fehlerquellen beseitigen.

Unsere Gegenwart liefert derzeit genügend Beispiele dafür, wie teuer es werden kann, wenn Probleme primär ideologisch angegangen werden. Doch Sachverstand und die konstruktive Bereitschaft, Lösungen zu entwickeln, ist nach wie vor die einzige Art, komplexe Problemstellungen zu bewältigen.

Es wäre schön, wenn diese Erkenntnis endlich wieder auf globaler, aber auch auf europäischer Ebene verstärkt um sich greifen könnte.

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