N2J: Lohnreiniger für besondere Ansprüche
Ein neuer Lohndienstleister verspricht Erfüllung höchster Ansprüche an Qualität und Reproduzierbarkeit

Mitten in einer krisengeschüttelten Zeit überrascht ein neuer Anbieter für Lohnreinigung die Branche mit einem umfangreichen Maschinenpark, umfassenden Analytikfähigkeiten und hohen Ansprüchen an die eigene Problemlösungskompetenz.
Es erscheint durchaus gewagt, mitten in den nach wie vor extrem turbulenten wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen von Null an einen neuen Lohnreinigungsbetrieb zu gründen. Doch Jens Emmerich, der fast 20 Jahre als Vertriebler für Chemikalien in der Branche unterwegs war und seine Frau Nathalie, die mit Geburtsnamen Geiss heißt und ebenfalls viel Know-how aus der Reinigungsbranche mitbringt, beschlossen im November 2021 das Projekt in Angriff zu nehmen und gründeten die Firma N2J pro GmbH. Im April 2022 war dann bereits die Halle bezugsfertig und der Innenausbau begann. Bereits auf der parts2clean 2022 trat N2J Pro GmbH mit einem selbstbewussten Messestand auf – und dass, obwohl der Start der Betriebstätigkeit erst für den Anfang des Jahres 2023 geplant war. „Die Entscheidungswege vor allem in größeren Unternehmen sind relativ lang, das muss man einkalkulieren. Insofern hat uns der Messeauftritt viele gute Gespräche verschafft, die sich jetzt erst Schritt für Schritt in konkrete Projekte verwandeln“, berichtet Emmerich.

Warum noch ein Lohnreiniger?
Die Frage darf man sich an dieser Stelle durchaus stellen, warum braucht die Branche noch einen weiteren Lohnreiniger, gerade jetzt, wo selbst etablierte Lohnreinigungsbetriebe im Zuge der Mobilitätswende um ihre Aufträge fürchten? Emmerich kennt viele Betriebe und Reinigungsprozesse – sowohl die, die gut und stabil laufen, als auch die, die immer wieder Schwierigkeiten verursachen. Er sieht insbesondere Bedarf in einer Reinigungsdienstleistung, die den Ansprüchen einer hochqualifizierten Inhouse-Reinigung gerecht wird. „Lohnreiniger müssen normalerweise einen hohen Durchsatz erzielen, um wirtschaftlich sein zu können. Die existierenden Reinigungsanlagen werden also möglichst optimal ausgelastet“, schildert Emmerich seine Erfahrungen. „Für besondere Anforderungen und eine auftragsbezogene Optimierung der Prozesse bleibt da kein Platz. Hinzu kommt, dass die Sensibilität für und das Wissen um kritische Themen mitunter begrenzt sind. Genau hier sehen wir unsere Marktchance – das Bieten einer Alternative zum Aufbau oder der Erweiterung einer hochqualifizierten Inhouse-Reinigung.“
Durchdachter Anlagenmix
Bei der Auswahl der Reinigungsanlagen hatte der erfahrene Spezialist für industrielle Teilereinigung schnell relativ klare Vorstellungen. Installiert wurden eine Mafac Palma mit Dreibadtechnik sowie eine Mafac Java mit Zweibadtechnik. Beide wurden mit Vollausstattung geordert, es steht also vom Spritzfluten über Ultraschall, Intervallfluten bis hin zur Vektorkinemathek alles zur Verfügung. Außerdem geordert wurde das mit Druckschwankungen arbeitende VAP-System, das es ermöglicht, Verunreinigungen auch aus Innengeometrien von Bauteilen leichter heraus zu reinigen. Als Ergänzung steht außerdem noch eine kleine Mafac Elba mit zwei Bädern zur Verfügung.
Eine Sonderlösung ist die aqua XL Doppelkorbanlage von EVT-Eiberger, die gegenüber dem Standard eine doppelt so tiefe Arbeitskammer aufweist. Somit kann die Anlage entweder zwei Schäfer-1-Körbe hintereinander oder einen großen, 1,40 m langen Schäfer Korb mit bis zu 1,3 m langen Teilen reinigen. Die Anlage wurde noch vor Erteilung eines speziellen Auftrages geplant und beschafft. Eine mutige Entscheidung, die sich im Nachhinein aber als richtig erwiesen hat, denn in wenigen Monaten sollen die ersten Teile frei gefahren werden. Weiterhin steht noch eine 3-Badanlage von EVT sowie eine 2-Badanlage von Höckh mit Vakuumtrocknung, Ultraschall und einem umfangreichen Ausstattungspaket in der Halle. In der Auslieferung befinden sich derzeit noch drei Reihentauchanlagen von Schüder-Schall.
In der großen Halle wird eine eingehauste 7-Badanlage mit automatischem Umsetzer aufgebaut werden und zwei kleinere Schüder-Schall-Anlagen sollen für Versuche im Labor dienen. „Grundsätzlich lege ich Wert darauf, die Vorversuche möglichst auch auf den später im Serien-Prozess genutzten Anlagen zu machen“, erklärt Emmerich. „Denn im Labor bekommt man durch die Tauchprozesse und gute Ultraschallleistung eigentlich immer alles sauber. Die Verhältnisse in den großen Anlagen sind aber häufig anders, deshalb lassen sich nicht alle hier gewonnenen Erkenntnisse eins zu eins übertragen. Wir verwenden die Laboranlagen überwiegend zum Bestimmen der optimalen Chemie und dann geht es an die große Anlage.“
Sorgfalt dominiert auch bei der Lagerung der Bauteile, sogar schon für die Vorversuche kommen zumeist speziell für die Bauteile entwickelte Aufnahmesysteme für die Körbe zum Einsatz. Denn nur so lässt sich im Versuch wirklich beurteilen, wie sauber die Bauteile nachher in der Serie werden können. Diesbezüglich arbeitet N2J pro mit Kunststoff Fries aus Österreich zusammen, die die Möglichkeit anbieten, auf Basis von Step-Dateien relativ schnell Halteelemente zu konstruieren und auch in kleinen Serien zu fertigen. Darüber hinaus erlauben die Step-Dateien, die aus den CAD-Daten abgeleitet werden, im Vorfeld der Versuche eine visuellen Analyse der problematischen Zonen in Bezug auf die Reinigung.

Extreme Spülkriterien
N2J verfügt zwar über einen komplette und hochwertige Wasseraufbereitung vom Verdampfer über eine Umkehrosmoseanlage bis hin zum Ionentauscher, so dass eigentlich eine abwasserfreie Kreislaufführung denkbar wäre. Zusätzlich steht eine mobile Ultrafiltration zur Verfügung, sodass bei verstärktem Eintrag von Verschmutzungen die Bäder gezielt aufbereitet werden können. Trotzdem kommen die aufbereiteten Reinigungsbäder in den eigenen Prozessen nicht wieder zum Einsatz und auch aufbereitete Spülen dienen nur bei ausreichend niedrigen Leitwerten noch als Basis für den neuen Ansatz von Reinigungsbädern.
„Das ist bei den von unseren Kunden gestellten Sauberkeitsanforderung einfach nicht anders machbar“, erklärt Emmerich. „Unsere Destillate haben Leitwerte zwischen 80 und 100 μs, für den Ansatz von Reinigungs- und Spülbädern setzen wir aber reines VE-Wasser mit einem Leitwert von 0,1 μs ein. Wir haben einen Kunden, bei dem werfen wir die Spüle schon bei 15 μs raus. Bei solchen niedrigen Leitwerten setzen wir die aber dann durchaus noch als Basis für ein Reinigungsbad ein.“ Ebenfalls alles andere als selbstverständlich ist, dass die Anlagen jeden Tag gereinigt werden und täglich Bad- und Spülen-Analysen stattfinden.
Umfangreiche Laborausstattung
Seit kurzem ist auch das umfangreich ausgestattete Labor einsatzbereit. Von einem großen automatisierten Jomesa-Mikroskop über Messgeräte zur pH-Wert und Leitwert-Bestimmung bis hin zu Blasentensiometrie oder Infrarotspektroskopie (RFA) zur Bestimmung filmischer Kontaminationen mit Messgeräten von Sita stehen Fotometer für verschiedenste Wellenlängen zur Verfügung. Ein großes Spülkabinett von Hydac und entsprechendes Equipment ist natürlich ebenfalls vorhanden.

Schnelles Wachstum erwartet
„Schon jetzt ist das Interesse so, dass wenn auch nur ein überwiegender Teil aller Angebote, die wir derzeit bei Interessenten abgegeben haben, zu Aufträgen werden, unsere Kapazitäten voll ausgelastet sein werden und wir schnell weiter wachsen müssen“, freut sich Emmerich. „Deshalb planen wir schon jetzt die Erweiterung um eine derzeit ungenutzte Nachbarhalle sowie den Bau einer zusätzlichen Halle auf dem Gelände. Insgesamt ist die hohe Intensität der Anfragen für ein frisch gegründetes Unternehmen in einer anspruchsvollen und von einem in der aktuellen Situation nicht unerheblichen Wettbewerbsdruck geprägten Branche mehr als erstaunlich. Emmerich erklärt das große Interesse mit seiner Expertise in der wässrigen Reinigung, aber auch mit seinem umfangreichen Netzwerk, das er über viele Jahre aufgebaut hat.
„Zum einen kennen mich die Leute, oft haben wir auch schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet oder gestörte Reinigungsprozesse wieder zum Laufen gebracht“, fasst er zusammen. „Oft bekommen wir auch Projekte angeboten, an denen schon mehrere andere Lohndienstleister gescheitert sind. Für mich ist die wässrige Teilereinigungen und das Optimieren mit der Chemie bis hin zum Beeinflussen der Oberflächen eine persönliche Leidenschaft. Und die Prozessverantwortlichen merken sofort, dass sie mit jemandem reden, der weiß, was er tut. Deshalb kommt nicht selten zunächst erst eine Anfrage aus einem Unternehmen, und plötzlich sitzen immer mehr Abteilungen mit am Tisch, die ebenfalls Reinigungsthematiken zu lösen haben.“
Dabei muss es aber nicht immer um einen konkreten Auftrag zur Lohnreinigung gehen. Auch die Entwicklung von Reinigungsprozessen, die später in den Unternehmen selber laufen werden, sowie der Chemieverkauf sind im Portfolio, außerdem Prozessconsulting und auch Troubleshooting. Weiterhin bietet Emmerich Fortbildung für Mitarbeiter an. Von daher kann N2J für diejenigen, die hohe Sauberkeitsanforderungen und ungelöste Reinigungsthematiken zu bewältigen haben, ein interessanter Ansprechpartner sein.
CB

