Dürr: Große Farbvielfalt in kleinen Mengen

Sonderfarbversorgungen stellen Lackfarben schnell, sparsam und rückstandsfrei bereit

Sonderfarbversorgungssystem
In der Automobilfertigung decken nur 10 Farben 90 % der Fertigung ab. Für die übrigen selten verwendeten Farben lohnt sich ein Sonderfarbversorgungssystem anstelle von Ringleitungen (Bild: Dürr)

In der industriellen Automobillackierung sind Farbversorgungssysteme für Sonderfarben mit geringen Produktionsraten ökonomischer und nachhaltiger als Ringleitungen. Sie können Lackverluste, Abfallmengen und Spülmittelverbrauch deutlich reduzieren.

Ein Fahrzeug in einer einzigen Farbe anzubieten ist heute undenkbar. Kunden wünschen sich Individualität und somit steigt die Anzahl der Farben, die Hersteller anbieten. Um etwa Lkws in den spezifischen Firmenfarben ihrer Besitzer zu lackieren, benötigen Lackierereien bis zu 1.000 verschiedene Farben. Diese Vielzahl an Farbtönen lässt sich mit Sonderfarbversorgungssysteme wesentlich nachhaltiger und günstiger applizieren als mit herkömmlichen Ringleitungen, die in den meisten Lackierereien im Einsatz sind. Für Farben, die nur selten gebraucht werden, sind solche langen Leitungen wenig ökonomisch. Denn Flüssiglacke müssen konstant in Bewegung gehalten werden, damit sich die Farbpigmente nicht absetzen. Die mechanischen Kräfte während der Zirkulation verursachen jedoch Scherungen, die die Lackeigenschaften negativ beeinflussen. Selten benötigte Farben, bei denen kaum frisches Material nachgefüllt wird, kommen schnell in einen kritischen Bereich, was sich negativ auf die Lackierqualität auswirken kann. Um die Qualität sicherzustellen, müsste bei ihnen Farben in regelmäßigen Abständen frischer Lack zugemischt werden. Da gleichzeitig aber nicht ausreichend viel Lack verbraucht wird, müssen hohe Mengen entsorgt werden, um die Lackierqualität zu erhalten.

Ringleitungen nur für High-Runner

Sonderfarbversorgungen bewahren die zur Applikation benötigten Lackfarben dagegen in klimatisierten Farbmischräumen auf und stellen sie dem Lackierroboter kurz bevor eine Karosserie in die Lackierkabine einfährt zur Verfügung. Die Qualität wird hier nicht durch Scherung beeinträchtigt, so dass sich Lackverluste minimieren. Die Farbversorgung über Ringleitungen ist in erster Linie für die sogenannten High-Runner wie etwa Weiß, Schwarz, Silber und Grau sowie die wenigen Farben mit einer Produktionsrate von mehr als fünf Prozent empfehlenswert. Für diese sind maximal zehn Ringleitungen nötig. Für alle weiteren Farben ist ein Sonderfarbversorgungssystem im Betrieb meist günstiger und nachhaltiger. Sonderfarbversorgung amortisiert sich rasch

Molchbare Systeme zur Sonderfarbversorgung machen sich durch die nahezu vollständige Rückgewinnung des unverbrauchten Lacks rasch bezahlt. Die Amortisationszeit des Farbversorgungssystems EcoSupply P von Dürr, das weltweit bereits 600-mal eingesetzt wird, liegt im Durchschnitt bei eineinhalb Jahren. Ein einziges System kann sehr flexibel unbegrenzt viele Farben nacheinander für die Applikation bereitstellen. Molche – exakt auf den Innendurchmesser der Schläuche abgestimmte Passkörper – schieben den Lack zum Farbwechsler und nach der Lackierung die Restfarbe zurück in den Farbbehälter. Dies geschieht vollkommen rückstandslos, so dass der Schlauch nicht gereinigt werden muss. Dies senkt auch den Spülmittelverbrauch.

Die modular aufgebauten Sonderfarbversorgungssysteme, die sich sowohl für den Auftrag von Wasser- als auch Lösemittellacken eignen, gibt es in verschiedenen Varianten. In der Praxis am häufigsten ist das leicht bedienbare Einzelstichsystem (Single Pass System). Es garantiert eine nahezu 100-prozentige Farbrückgewinnung. Beim Single Pass ist jeder Lackierroboter über einen Molchschlauch an ein eigenes Quell- und Zielmodul angebunden. So ist das Farbvolumen, das jeder Roboter für einen bestimmten Karosserietyp erhält, exakt definierbar. Eine zusätzlich eingefügte, geringe Sicherheitsmenge lässt auch kurzfristige Anpassungen am Spritzbild (Brush-Änderungen) zu und sorgt für die Gleitfähigkeit der Molche im Farbrückgewinnungsprozess. Ist die Applikation beendet, befördert Druckluft den nicht benötigten Lack zurück in den Behälter. Die Zielstationen der Molchtechnik werden bei Anlagen von Dürr direkt in die Farbwechsler EcoMCC3 beziehungsweise EcoLCC am Lackierroboter integriert. Beim Übergang der Farbversorgung zur Applikationstechnik geht damit nahezu keine Farbe verloren. Auch Roboter anderer Hersteller können angebunden werden.

Farbleitung Molch
Schneller Molch, schnelle Farbwechsel. Mit 3 m/s drückt der Molch die Farbe rückstandslos zurück in das Gebinde (Bild: Dürr)

Farbwechsel in 15 Minuten

Die Effizienz der Sonderfarbversorgungen resultiert auch aus den schnellen Farbwechseln. Während es Tage dauert, eine Ringleitung auf eine neue Farbe umzustellen, braucht die Sonderfarbversorgung nur circa 20 Minuten, je nach Länge der Roboterlinie und Anzahl der verbauten Roboter. Zum schnellen Farbwechsel trägt auch die automatische Lackvolumenkalkulation der Software DXQ3D.onsite bei, die den Ladeprozess optimiert. Eine weitere Entwicklung von Dürr beschleunigt den Prozess: Durch ein zusätzliches Einspritzventil, das vor der Farbrückgewinnung eine geringe Menge Lösemittel in die Leitung einspritzt, können die Molche mit einer Geschwindigkeit von bis zu 3 m/s zurückfahren, statt wie bisher mit 1 m/s. Der Farbwechsel verkürzt sich dadurch auf circa 15 Minuten. Ideal ist das besonders für das hochmoderne n-in-4- System, das nacheinander jedes Fahrzeug in einer anderen Sonderfarbe lackieren kann. Um die Anforderung an die automatische Farbrückgewinnung zu erfüllen, bindet die Farbstation eine hohe Gebindeanzahl in Größen zwischen 25 bis 1.000 Litern an bis zu vier Molchsysteme an. In der Kombination mit größeren Gebinden kann eine Sonderfarbversorgung auch endlos lackieren. Dafür wird das System als Main Pass ausgelegt, wobei je Kabinenseite ein molchbarer Schlauch die Entnahmestellen versorgt. Aufgrund ihrer Modularität sind die Anlagen flexibel und eignen sich nicht nur für neuerrichtete Werke, sondern auch für Bestandsanlagen.

CB

Sondervarbversorgung und Ringleitungen
Die ökonomisch und ökologisch ideale Kombination: High-Runner-Farben werden mit Ringleitungen und die übrigen Farben mit einer Sonderfarbversorgung bereitgestellt (Bild: Dürr)

Dürr Systems AG

 www.durr.com

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