Machtkampf um Akzo Nobel geht in die nächste Runde

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Akzo Nobel will mit Axalta zu einem der größten Lackkonzerne der Welt fusionieren. Doch Nippon Paint lässt nicht locker und bietet 7,5 Milliarden Euro für das Geschäft mit Dekorfarben. Nun entscheiden die Aktionäre – und damit möglicherweise auch über eine weitere Neuordnung des globalen Lackmarktes.

Es sind die ganz Großen der Lackbranche, die hier miteinander ringen. Im Mittelpunkt steht die Nummer drei der Welt und die Nummer eins in Europa: Im Geschäftsjahr 2025 kam Akzonobel auf einen Umsatz von fast 10,16 Milliarden Euro. Im November 2025 kündigte das Unternehmen eine „Fusion unter Gleichen“ (Merger of Equals) mit dem gut halb so großen US-Lackfabrikanten Axalta an, der im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 5,117 Milliarden US-Dollar (circa 4,48 Milliarden Euro) erzielte.

Konkurrierendes Angebot zur Aufspaltung von Akzo Nobel

Doch schon bald traten Konkurrenten auf den Plan: Der Hersteller Nippon Paint, mit einem Umsatz von 1.774,2 Milliarden Yen (circa 9,55 Milliarden Euro) verbündete sich mit dem globalen Marktführer Sherwin-Williams (Umsatz 2025: 23,57 Mrd. US-Dollar, entspricht circa 20,61 Mrd. Euro). Sie legten Mitte April ein konkurrierendes Übernahmeangebot für Akzo Nobel vor und besserten es Ende April sogar auf 73 Euro je Aktia nach – um es im Juni wieder zurückzuziehen. Nach diesen Plänen hätte Nippon Paint die Deko-Farben und Industriebeschichtungen von Akzo Nobel bekommen, Sherwin-Williams das Geschäft mit Marine- und Korrosionsschutzbeschichtungen, Automotive- und Speziallacken sowie mit Pulverlacken.

Da es Nippon Paint mit Sherwin-Williams zusammen nicht gelang, Akzo Nobel zu übernehmen, versucht es der japanische Hersteller jetzt alleine: Das Unternehmen bestätigte, mehrere bedingte und unverbindliche Angebote für den Akzo Nobel-Geschäftsbereich „Decorative Paints“ vorgelegt zu haben. Der indikative Unternehmenswert für diesen Bereich liege bei 7,5 Milliarden Euro.

Akzo Nobel wies dieses Angebot umgehend zurück. Der Grund: Die Fusionsvereinbarung mit Axalta verbietet Gespräche über solche alternativen Angebote. Zudem bewerten Vorstand und Aufsichtsrat das Angebot als zu niedrig und empfehlen den Aktionären weiterhin den Zusammenschluss mit Axalta.

Jetzt entscheiden die Aktionäre

Das letzte Wort haben nun die Aktionäre von Akzo Nobel und Axalta: Am 5. August kommen sie zu Hauptversammlungen ihrer noch getrennten Unternehmen zusammen, um über die Fusion abzustimmen. Vorbehaltlich aller Genehmigungen rechnen die Unternehmen weiterhin mit einem Vollzug Ende 2026 oder Anfang 2027.

Das gemeinsame Unternehmen soll einen Unternehmenswert von rund 25 Milliarden US-Dollar erreichen. Die Unternehmen erwarten jährliche Synergieeffekte von rund 600 Millionen US-Dollar vor Steuern. Rund 90 Prozent dieser Einsparungen sollen innerhalb der ersten drei Jahre nach Abschluss der Fusion realisiert werden. Als wesentliche Quellen nennen die Unternehmensvorstände Einkauf, Verwaltungsfunktionen, die Optimierung des Produktions- und Standortnetzwerks sowie Verbesserungen in der Lieferkette.

Doch das Angebot von Nippon Paint ist damit noch nicht endgültig vom Tisch. Zwar hat Akzo Nobel die bedingten und unverbindlichen Offerten für das Dekorfarbengeschäft zurückgewiesen, doch könnten sie auf der Hauptversammlung dennoch für Diskussionen sorgen. Ob die Fusion mit Axalta davon beeinflusst wird, ob die Dekorfarben-Sparte zu einem späteren Zeitpunkt an Nippon Paint geht oder ob der japanische Konzern letztlich gar nicht zum Zuge kommt, bleibt abzuwarten.

Unabhängig vom Ausgang zeigt das Ringen um Akzo Nobel, wie stark sich die globale Lackindustrie derzeit neu sortiert. Größe allein scheint im internationalen Wettbewerb nicht mehr auszureichen: Die Konzerne versuchen, ihre Marktposition durch komplementäre Portfolios, regionale Präsenz, Skaleneffekte und eine gezieltere Aufstellung ihrer Geschäftsbereiche zu stärken. Die geplanten Zusammenschlüsse und Übernahmen sind damit nicht nur eine Reaktion auf verhaltene Absatzmärkte und steigenden Kostendruck. Sie weisen zugleich auf eine weitergehende Konsolidierung hin, bei der sich die Kräfteverhältnisse im weltweiten Lack- und Beschichtungsmarkt nachhaltig verschieben könnten.

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