Ablauf der LCC-Prognose

Die relevanten Kostentreiber unterscheiden sich je nach Anwendungsfall. Daher müssen als Erstes die relevanten Kostenkategorien für die Berechnung spezifiziert werden. Als Zweites kann – in Abhängigkeit von der Branche – die Baugruppenstruktur der Maschinen angelegt werden, um baugruppenspezifische Kennwerte wie Mittlerer Fehlerabstand (MTBF) oder Reparaturzeiten (MTTR) weiterzuverarbeiten.

Nach dieser Vordefinition muss der konkrete Anwendungsfall beim Betreiber spezifiziert werden. Dies beinhaltet auch die Festlegung der Kontextfaktoren wie Verrechungspreise für Energie, Material oder Personal. Entsprechend dem Anwendungsfall und der Maschinenkonfiguration werden die Daten schließlich verarbeitet.

Zur Berechnung stehen zwei alternative Kalkulationsvarianten zur Verfügung, die Durchschnittsberechnung, wie sie auch im Daimler-M-TCO-Modell angewandt wird und die Kosten gleichmäßig auf den Betrachtungszeitraum verteilt, und die zeitgenaue Berechnung, welche die Kosten den prognostizierten Entstehungszeiten zuordnet. Abschließend wird eine Plausibilitätsprüfung der Prognose mithilfe von spezifischen Kennzahlen durchgeführt. Durch die Lebenszykluskostenprognose wird die Exzellenz der auf Effizienz und nachhaltigem Einsatz der Betriebsmittel optimierten Anlagen durch unmissverständliche Zahlen für jeden ersichtlich.

Mit diesem Hintergrund hat die Lebenszykluskosten-Betrachtung in den vergangenen Jahren in der Investitionsgüterindustrie deutlich an Bedeutung gewonnen. Gerade deutsche Hersteller können mit diesem Ansatz die Qualität ihrer Maschinen mittels objektiver monetärer Größen beim Kunden darstellen. Von dieser Chance machen immer mehr Anlagenhersteller Gebrauch.

Hindernisse und Handlungsfelder

Haupthindernisse für den Einsatz von TCO und LCC sind die mangelnde Verfügbarkeit von Ressourcen, insbesondere Personal, und die fehlende Kundenforderung nach TCO/LCC -Betrachtung. Wesentlich für den Erfolg einer Gesamtkostenbetrachtung ist es, die relevanten Kostentreiber für eine LCC-Betrachtung zu identifizieren. Aufwand für Umbau sowie die Kosten für Personal, Werkzeuge, Ersatzteile und Stillstand bei Investitionsgütern spielen neben den Anschaffungskosten eine wesentliche Rolle. Gerade qualitativ hochwertige Maschinen können in diesen Feldern punkten.

Auch in der Oberflächentechnik ist das Kostenbewusstsein der Kunden mittlerweile deutlich geschärft. Sie achten nicht mehr nur auf die Anfangsinvestition, sondern interessieren sich verstärkt dafür, welche Kosten im Zeitraum von 10 oder 20 Jahren anfallen. Festzustellen ist, dass bei der oft sehr langen Nutzungsdauer die Anfangsinvestition nur ein Bruchteil der Gesamtkosten ausmacht. Das ist in der Oberflächentechnik durch den oft hohen Energieeinsatz und hohe Betriebsmittelkosten begründet. Mit entsprechend optimierten Prozessen können in der Oberflächentechnik deutliche Kostenvorteile realisiert werden.

Mit ausgeklügelten Anlagenkonzepten die auf den spezifischen Anwendungsfall optimiert sind, können deutliche Kostenvorteile erzielt werden. So lässt sich beispielsweise mit intelligenter Steuerungstechnik der Energieverbrauch einer Lackieranlage deutlich reduzieren. Von besonderem Interesse sind neben der Reduzierung des Energieverbrauchs auch die Reduzierung der Umwelteinflüsse der Oberflächenbehandlung. Neben dem Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Oberflächentechniken für definierte Anwendungsfelder, wie beispielsweise zwischen der Industriellen Plasma-Oberflächentechnik und der Galvanotechnik für das Anwendungsfeld „Vergütung von Umformwerkzeugen“, stehen die Anlagenhersteller einer Oberflächentechnikteilbranche mit unterschiedlichen Konzepten für den verbesserten Umweltschutz im Wettbewerb. Geschlossene Kreisläufe für die Abwasseraufbereitung oder energieeffiziente, schadstofffreie Abluftreinigung sind herausragende Beispiele für um weltorientierte Konzepte, die zugleich einen deutlichen wirtschaftlichen Vorteil schaffen.

Zielbranchen der Oberflächentechnik einte in der Krise eines: Die Erhöhung des Kostendrucks in allen Bereichen. Unternehmen reagieren auf diesen Trend beispielsweise mit neuen Technologien für effizientere Produkte und erzielen eine Nutzenmaximierung. Diese wiederum geht direkt in die wirtschaftliche Gesamtbetrachtung einer Anlage ein. In der Industriellen Plasma-Oberflächentechnik geht es für die Zielbranche Präzisionswerkzeuge beispielsweise darum, mit neuen Werkzeugbeschichtungen, die Standzeiten (Haltbarkeit eines Werkzeuges bis zum Verschleiß) gegenüber bisherigen Schichten deutlich zu erhöhen und damit die Beschaffungskosten zu senken und die Produktivität zu steigern. Vor allem die Anwender aus der Automobilindustrie achten in besonderem Maße auf Lebenszykluskosten. Als Optimierungsmöglichkeit für die Lebenszykluskosten wird zunehmend auch das Condition Monitoring, das Überwachen der wichtigsten Prozessparameter, eingesetzt.

In den internationalen Zielmärkten werden Lebenszykluskosten – oft mit dem Schwerpunkt auf Energieeffizienz – unterschiedlich stark nachgefragt. Energieeffizient arbeitende Anlagen sind auch wegen gesetzlichen Regularien vor allem in Westeuropa und Nordamerika gefragt. In Asien hingegen besteht dazu eine deutlich geringere Nachfrage, das Interesse an energieeffizienten Anlagen nimmt jedoch auch hier langsam zu.

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