Pulverlacke

der Begriff Pulverlack bezeichnet allgemein duroplastische Beschichtungspulver, die vor allem mit dem elektrostatischen Pulversprühen appliziert werden. Durch die anschließende Wärmebehandlung werden die Pulverlackteilchen zu einem geschlossenen Lackfilm verschmolzen und das Bindemittel mit dem Härter chemisch vernetzt. Je nach Art des Pulverlacks dauert dieser Prozess 5 bis 20 Minuten, die erforderlichen Werkstücktemperaturen liegen bei 130 bis 200 °C. Folgende Pulverlacksysteme haben sich etabliert:

Epoxidharzpulverlacke:

diese Systeme besitzen eine sehr gute chemische Beständigkeit sowie eine hohe Elastizität, Schlagfestigkeit und Verformbarkeit. Wegen der Kreidungs- und Vergilbungsneigung sind sie nicht geeignet für dekorative Beschichtungen im außenbereich. Man erhält stumpfmatte bis hochglänzende, glatt verlaufende Oberflächen mit verschiedenen Texturen. Die Einsatzgebiete liegen überwiegend im Bereich des Korrosionsschutzes von Rohren und Armaturen und in den Bereichen Apparatebau, Labormöbel, Drahtwaren und Glasflaschen.

Epoxid-/Polyesterpulverlacke:

(Hybridsysteme) diese Systeme werden hauptsächlich im dekorativen Bereich eingesetzt (Haushaltsgeräte, Innenbereich-Bauelemente, Kühlschränke, Stahlmöbel, Leuchten, Radiatoren). Die Oberflächen sind matt bis hochglänzend und können verschiedene Texturen haben. Sie besitzen eine bessere Vergilbungsstabilität als die Epoxidharzsysteme; sie sind aber nicht so lösemittelbeständig, besitzen eine geringere Oberflächenhärte; wegen geringerer Wetterbeständigkeit sind sie nur bedingt für außen geeignet.

Polyesterharzpulverlacke:

diese Systeme sind sehr wetterbeständig und kreidungsstabil. Ihre Stoß-, Schlag- und Haftfestigkeit ist hoch. Eine nachträgliche Bearbeitung der beschichteten Werkstücke durch Sägen, Bohren, Fräsen ist möglich. Sie sind prädestiniert für den Einsatz im Außenbereich wie bei Fassadenelementen, Fensterprofilen, hochwertigen Gartenmöbeln, Automobilteilen.

Polyurethanpulverlacke:

mit diesen Systemen ist eine hervorragende Oberflächenqualität, ein sehr guter Lackfilmverlauf und eine hohe Licht-, Wetter- und Chemikalienbeständigkeit erzielbar. Typische Einsatzgebiete: Möbel- und Automobilindustrie.

Die prinzipiellen materialspezifischen Vorteile von Pulverlacken gegenüber den lösemittelhaltigen Lackmaterialien sind:

- umweltfreundlich (keine Lösemittelemissionen)

- kaum Materialverlust (Rückgewinnung)

- gebrauchsfertige Auslieferungsform

- kaum Abspaltprodukte beim Einbrennen

- Beschichtungsstärken (40 – 120 µm) in einem Arbeitsgang

- hohe mechanische Beständigkeit

Die prinzipiellen Nachteile von Pulverlacken gegenüber lösemittelhaltigen Lackmaterialien sind:

- keine Korrekturmöglichkeit beim Verarbeiten (keine Farbtonänderung möglich)

- schwierige Reparaturbeschichtung

- geringe Glanzgrad-, Struktur- bzw. Effektvielfalt möglich

- schon geringe Verunreinigungen (Reste andersfarbiger Pulver) sind im Lackfilm erkennbar.