Kolloide

sind Partikel, die in einem Dispersionsmittel vorliegen. Sie sind aus 103-109 Atomen aufgebaut, ihre Größe liegt bei 10-5-10-7cm. Kolloide zeigen den Tyndall-Effekt (sie vermögen eingestrahltes Licht zu streuen, obwohl sie selber als Teilchen unsichtbar sind). Die Wanderung derartiger Partikel im elektrischen Feld wird als Elektrophorese bezeichnet. Kolloiddisperse Systeme stellen ein Zwischenstadium zwischen den molekulardispersen (z.B. wässrige NaCl-Lösung) und den grobdispersen (Aufschlämmungen von Feststoffteilchen) Systemen dar. Man unterscheidet zwei Arten von Kolloiden:

● Dispersionskolloide: in ihnen ist ein fester, flüssiger oder gasförmiger Stoff in einem festen, flüssigen oder gasförmigen Dispersionsmittel fein verteilt (z.B. flüssig/flüssig: Milch; gasförmig/flüssig: Seifenschaum; fest/flüssig: kolloidale Schwefellösungen). Solche Systeme sind ohne eine zusätzliche Stabilisierung thermodynamisch unbeständig. Im wässrigen Medium wird die Zersetzung dieser hier als hydrophob (wasserabstoßend) bezeichneten Kolloide durch die Aufnahme/Abgabe von Ionen oder durch festhaftende Schutzkolloide bzw. Emulgatoren verhindert.

● Molekülkolloide (bestehend aus 103 bis 109 Atomen und nur kolloidal löslich, wie die Polysaccharide, Eiweiße und Kautschuk) und die Assoziations- bzw. Micellkolloide (Kolloidteilchen, die beim Auflösen insbesondere der grenzflächenaktiven Seifen und Tenside entstehen) sind hydrophile (wasseranziehende) Systeme. Sie lagern sich zu kugelförmigen Micellen zusammen; die hydrophilen Gruppen befinden sich dabei in wässriger Lösung im Außenbereich der Micelle, die hydrophoben im Innern.

Die Stabilität kolloidaler Lösungen ist stark abhängig von der (gleichsinnigen) Ladung der einzelnen Teilchen. Wird diese durch Zugabe entgegengesetzt geladener Ionen neutralisiert, so treten die einzelnen Partikel zu makroskopischen Aggregaten zusammen, sie koagulieren (Flockung). Die erhaltenen Niederschläge können oft erneut in die kolloidale Form zurückversetzt werden (Peptisation). In vielen Fällen werden sie durch einen Überschuss des Fällungsmittels entgegengesetzt aufgeladen und lösen sich dann wieder auf. Kolloide sind in vielen biologischen und chemischen Systemen enthalten (Milch, Arzneimittel, Blut, Eiweiß, Klebstoff, Seife, Lack, Schmiermittel).