Elektrotauchlackieren

unter diesem Begriff werden alle Tauchlackierverfahren zusammengefasst, bei denen die Lackabscheidung auf dem Werkstück infolge chemischer Umsetzungen (Koagulation) des Bindemittels ausgelöst wird. Diese Umsetzungen werden in den am häufigsten angewendeten Verfahren durch einen elektrischen Stromfluss von einer Elektrode über den leitfähigen Lack zum Werkstück hervorgerufen. Das Werkstück wird über seine Aufhängung mit einem Pol einer Stromquelle verbunden. Den unteren Pol bildet eine im Tauchbecken angebrachte Elektrode. Zur Beschichtung wird zwischen beiden Polen eine Spannung von 200-400 V angelegt, welche den für die Lackabscheidung erforderlichen Stromfluss liefert. Die Elektrotauchanlagen werden hinsichtlich der Polung des Werkstücks und der Eigenschaften des Lackmaterials eingeteilt.

Anodisches Tauchlackieren (ATL):

hierbei ist das Werkstück als Anode (Pluspol) geschaltet.

Kathodisches Tauchlackieren (KTL):

Das Werkstück bildet hier die Kathode (Minuspol).

Alle Elektrotauchlacke sind wasserlöslich (Suspensionen von Bindemitteln und Pigmenten in vollentsalztem Wasser mit nur geringen Konzentrationen an organischen Lösemitteln). Dazu müssen die Bindemittel (Harze) ionisiert werden. Die wenig wasserlöslichen Bindemittel sind organische Polymerverbindungen mit eingelagerten funktionellen Gruppen.

Bei der anodischen Tauchlackierung wird ein Proton von der Carbonsäuregruppe mittels einer Lauge (OH¯ -Gruppe) abgetrennt/neutralisiert.

Bei der kathodischen Tauchlackierung werden tertiäre Amine durch Anlagerung von Protonen ionisiert.

Die Lackabscheidung auf dem Werkstück wird durch einen elektrischen Stromfluss in der Suspension und die damit bedingte Wasserelektrolyse ausgelöst. Die damit an der Werkstückoberfläche erzeugten Ionen verursachen eine Umkehr der Neutralisationsreaktion. Die vorher löslichen Lackbindemittel koagulieren und scheiden sich am Werkstück ab.