Surface-Technology nachbericht

Blick von oben auf die SurfaceTechnology Germany in der Halle 1 des Stuttgarter Messegeländes.

Die SurfaceTechnology GERMANY 2026 ist unter alles andere als einfachen Vorzeichen gestartet. Die Galvano- und Oberflächentechnik steht weiterhin unter erheblichem Druck: schwache Konjunktur, Investitionszurückhaltung, geopolitische Unsicherheiten, steigende regulatorische Anforderungen und hohe Kostenbelastungen prägen die Lage vieler Betriebe. Bereits im Vorfeld hatte Christoph Matheis, Hauptgeschäftsführer des ZVO, darauf hingewiesen, dass das Geschäftsjahr 2025 für viele Unternehmen der Branche erneut sehr schwierig gewesen sei und die Oberflächentechnik als Querschnittstechnologie eng an die weiterhin schwache Gesamtkonjunktur gekoppelt bleibe. Gleichzeitig könne die Messe eine Plattform bieten, um Krisen und Wandel als Chance für unternehmerische Neuausrichtung zu nutzen.

Vor diesem Hintergrund fällt die Bilanz der Veranstaltung bemerkenswert positiv aus. Nach offiziellen Angaben kamen mehr als 4.600 Besucher aus 46 Nationen nach Stuttgart. Der Auslandsanteil lag bei 30 Prozent. Die wichtigsten Besucherländer nach Deutschland waren die Schweiz, die Türkei, Italien, Österreich und Frankreich. Auf Ausstellerseite beteiligten sich mehr als 210 Unternehmen aus 21 Nationen, davon 37 Prozent aus dem Ausland. Nach Deutschland stellten Italien, die Schweiz, die Türkei und China die stärksten Ausstellernationen. Damit konnte die Veranstaltung gegenüber 2022 bei den Besucherzahlen zulegen. Noch wichtiger als die reine Zahl war aus Sicht vieler Aussteller jedoch die Qualität der Gespräche: Wiederholt wurde berichtet, dass die Kontakte konkreter, fachlich tiefer und projektbezogener gewesen seien als bei der vorangegangenen Ausgabe.

Damit bestätigte sich ein Eindruck, der in vielen Gesprächen auf der Messe spürbar war: Die Branche agiert vorsichtig, aber nicht orientierungslos. Investitionen werden genauer geprüft, Projekte stärker begründet und Entscheidungen länger vorbereitet. Wer nach Stuttgart kam, tat dies häufig mit konkreten technischen Fragestellungen – etwa zur Prozesssicherheit, Energieeffizienz, Automatisierung, Substitution kritischer Stoffe, Digitalisierung oder Kreislaufführung. Gerade deshalb bewerteten viele Aussteller den Messeverlauf als positiv. In einer konjunkturell robusten Phase wären 4.600 Besucher für eine Fachmesse dieser Größe eine solide Kennzahl; unter den aktuellen Bedingungen ist sie jedoch als deutliches Stabilisierungssignal zu werten.

Fachlicher Austausch statt Laufkundschaft

Auffällig war, dass die SurfaceTechnology GERMANY 2026 weniger durch große Publikumsströme als durch fachlich konzentrierte Gespräche geprägt war. Das ist für eine hochspezialisierte B2B-Messe nicht zwingend ein Nachteil. Viele Aussteller berichteten, dass die Besucher mit konkreten Anforderungen an Anlagen, Verfahren, Messsysteme oder Dienstleistungen an die Stände kamen. Damit unterschied sich die Stimmung von 2022, als nach der Pandemie zwar ein Wiedersehenseffekt spürbar war, die Investitionsbereitschaft und die Planungssicherheit aber vielerorts noch stark gebremst waren.

In Stuttgart zeigte sich nun ein anderes Bild: Nicht euphorisch, aber sachlich konstruktiv. Die Unternehmen stehen weiterhin unter Druck, suchen aber aktiv nach Lösungen. Das spiegelte sich in den ausgestellten Themen wider. Analytik, Badüberwachung, Inline-Messtechnik, automatisierte Qualitätskontrolle, Wasser- und Abwassertechnik, Wärmerückgewinnung, sichere Stromzuführung, energieeffiziente Trocknung, PFAS-freie Oberflächen, laserbasierte Reinigung, digitale Produktionssteuerung und kreislauffähige Prozesse bestimmten zahlreiche Gespräche.

Die Messegesellschaft hatte bereits vorab betont, dass die SurfaceTechnology GERMANY mit der Kombination aus Ausstellung und STG.ExpertForum ein breites Angebot an Lösungen und Austauschmöglichkeiten für aktuelle Branchenthemen bieten solle. Mehr als 210 nationale und internationale Aussteller reisten mit Innovationen und Produkten nach Stuttgart; ergänzt wurde die Messe unter anderem durch die Gemeinschaftsstände des ZVO und der „Prozesskette Oberflächentechnik“ sowie durch den VDMA-Informationsstand.

Internationalität als Stabilitätsfaktor

Die internationalen Kennzahlen der Veranstaltung sind besonders relevant, weil die Oberflächentechnik in Deutschland und Europa stark exportorientiert und zugleich von internationalen Liefer- und Absatzmärkten abhängig ist. Die Messe spiegelte diese Realität wider: 37 Prozent Auslandsanteil bei den Ausstellern und 30 Prozent bei den Besuchern zeigen, dass die SurfaceTechnology GERMANY weiterhin über den deutschsprachigen Markt hinaus wahrgenommen wird.

Das passt zur wirtschaftlichen Lage der Branche. Der VDMA verwies in seiner Konjunktureinschätzung auf ein weiterhin herausforderndes Umfeld, in dem Unsicherheit, Investitionszurückhaltung und geopolitische Risiken die Nachfrage belasten. Gleichzeitig bleibt die internationale Wettbewerbsfähigkeit ein zentraler Stabilitätsfaktor. Der Auftragseingang der Oberflächentechnik lag 2025 insgesamt rückläufig, während die Exporte von Geräten und Anlagen zur Oberflächenbehandlung gegenüber dem Vorjahr deutlich zunahmen. Die regionale Entwicklung war allerdings heterogen: Rückläufige Lieferungen in die EU standen Impulsen aus den USA und Mexiko gegenüber, während die Exporte nach China spürbar zurückgingen.

Für die Messe bedeutete dies: Stuttgart war weniger ein Ort kurzfristiger Euphorie, sondern ein Ort der Standortbestimmung. Viele Gespräche drehten sich um die Frage, wie sich Anlagen, Prozesse und Lieferketten unter unsicheren Rahmenbedingungen robuster, effizienter und regulatorisch belastbarer gestalten lassen. Dass trotz dieser Unsicherheiten mehr Besucher als 2022 kamen und die Aussteller zugleich von substanzielleren Gesprächen berichteten, darf deshalb als positives Zeichen verstanden werden.

ZVO-Gemeinschaftsstand als zentraler Treffpunkt

Ein wichtiger Anker der Messe war erneut der ZVO-Gemeinschaftsstand. Auf rund 2.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeigten 60 Mitaussteller die Oberflächentechnik als durchgängigen Prozess – vom Lohnveredler und Beschichter über Anbieter von Roh- und Verfahrenschemie bis hin zu Anlagentechnik, Komponenten, Zubehör, Instituten und spezialisierten Dienstleistern. Das ausgestellte Gesamtbeschichtungskonzept bildete die Prozesskette von Reinigung und Vorbehandlung über Oberflächenveredlung bis hin zu Qualitätssicherung, Prüfung, Software und Laborleistungen ab.

Gerade in der aktuellen Marktlage erfüllte der Gemeinschaftsstand damit eine wichtige Funktion. Er zeigte die Branche nicht als Ansammlung einzelner Verfahren, sondern als industrielles Gesamtsystem. Diese Perspektive ist für viele Anwender entscheidend, weil Probleme in der Oberflächentechnik selten isoliert entstehen. Prozesswasser, Vorbehandlung, Badführung, Kontaktierung, Energieeintrag, Trocknung, Analytik und Dokumentation beeinflussen sich gegenseitig. Die hohe Nachfrage nach konkreten Gesprächen bestätigte, dass Anwender zunehmend nach integrierten Lösungen suchen.

STG.ExpertForum: Themen nah an den Problemstellungen der Branche

Auch das STG.ExpertForum griff diese Entwicklung auf. Das Programm war breit angelegt und wurde an allen drei Messetagen simultan Deutsch/Englisch übersetzt. Die Themen reichten von Reinigung und Vorbehandlung über neue galvanotechnische Verfahren, Qualifizierung von Mitarbeitern, PFAS-Vermeidung, KI-Unterstützung, Oberflächen für die Energietechnik, Energie- und Materialeffizienz sowie Digitalisierung bis hin zu Anlagen-, Geräte- und Prozessfragen und physikalischen Oberflächenverfahren wie thermischem Spritzen, PVD/CVD und verwandten Technologien.

Auffällig war die starke Praxisorientierung. Bei Reinigung und Vorbehandlung standen unter anderem Prozessreduktion, wirtschaftliche Reinigung, Ultraschallsimulation, abwasserfreie Vorbehandlung und laserbasierte Reinigung auf der Agenda. Bei den neuen Verfahren der Galvanotechnik ging es unter anderem um digitale Unterstützung in der Produktion, nachhaltige Oberflächenveredelung sowie Elektrolyt- und Abwassermanagement von Chrom(VI)-Verfahren. Am zweiten Messetag rückten PFAS-freie Oberflächen, KI-gestützte Datenanalyse, automatische Oberflächenprüfung, Wärmepumpentrocknung, Oberflächen für Energieanwendungen sowie Carbon-Footprint-Themen in den Mittelpunkt. Der dritte Messetag konzentrierte sich unter anderem auf digitale Galvanotechnik, Konzepte der Digitalisierung in galvanischen Produktionsanlagen, Gleichrichtertechnik, modulare Anodenkonstruktionen, chemisch-physikalische Abwasserbehandlung, moderne Trocknung sowie DLC-, PVD- und PECVD-Themen.

Damit deckte das Forum genau jene Felder ab, die auch in den Gesprächen auf der Messe dominierten: weniger Medien- und Energieeinsatz, höhere Prozessstabilität, bessere Mess- und Regelbarkeit, sichere Substitution kritischer Stoffe, mehr Digitalisierung und eine stärkere Verzahnung von Prozesswissen, Anlagenbau und Qualitätssicherung.

Aussteller zeigten Lösungen für konkrete Betriebsprobleme

Die Aussteller-Statements machen deutlich, dass die Messe nicht von einem einzelnen Technologietrend geprägt war, sondern von einer Vielzahl konkreter industrieller Problemstellungen. Analytik Jena stellte die Analytik von Galvanikbädern und Betriebsproben in den Mittelpunkt. Gerade komplexe Proben und wechselnde Metallkonzentrationen stellen hohe Anforderungen an die Messtechnik; Systeme für Metall- und TOC-Analytik sollen hier Prozessstabilität und Produktqualität sichern.

Helmut Fischer adressierte mit dem FISCHERSCOPE XAN LIQUID ANALYZER die kontinuierliche XRF-basierte Inline-Analyse der Metallkonzentration in galvanischen Bädern. Das Ziel: Schwankungen in der Badzusammensetzung frühzeitig erkennen, Abscheideverhalten stabilisieren und die Schichtdickenkontrolle enger mit der Prozessführung verbinden.

Ein anderes zentrales Feld war die Energie- und Ressourceneffizienz. Druseidt verwies auf Stromzuführungen und Kontaktierungen als maßgebliche Faktoren für Verlustleistung und Anlagenstillstand und stellte Konzepte zur Reduktion von Energieverlusten und zur Steigerung der Produktivität in Galvanik- und Eloxalanlagen vor. Hürner Luft- und Umwelttechnik thematisierte Abluftreinigung und Wärmerückgewinnung in Galvanikbetrieben, insbesondere mit chemisch beständigen Kunststoff-Wärmetauschern und Kreislaufverbundsystemen zur vollständigen Trennung von Zu- und Abluftströmen.

Auch Wasser- und Abwassertechnik war stark vertreten. Gross Wassertechnik stellte individuelle Anlagen für Frischwasseraufbereitung, geschlossene Kreislaufsysteme und prozessspezifische Abwasserbehandlung vor. H2O rückte die VACUDEST-Vakuumdestillation in den Fokus, mit der industrielle Abwässer unter Vakuum getrennt, Entsorgungsmengen reduziert und aufbereitetes Prozesswasser wiederverwendet werden kann.

Bei der Oberflächenbearbeitung selbst zeigte BMF mit dem TWISTER750 eine kompakte, druckluftlose Strahltechnologie, die viele Teile in kurzer Zeit mit reproduzierbarer Oberflächenqualität bearbeiten soll. ELB betonte die Rolle von Anodisation, plasmaelektrolytischen Oxidoberflächen und Hybrid-Oberflächen für funktionale Leichtmetallbauteile. Electroless Technology stellte einkomponentige chemische Nickelprozesse vor, die Lagerhaltung, Analyseaufwand und Handling reduzieren sollen. Precitec zeigte laser-photothermale Sensorik zur berührungslosen und zerstörungsfreien Schichtprüfung.

Die digitale Seite der Oberflächentechnik war ebenfalls präsent. Media Soft präsentierte mit OTEC Impulse eine ERP-Lösung für Oberflächenveredler, die Produktions- und Geschäftsprozesse effizienter, transparenter und dokumentationssicherer gestalten soll. Im Mittelpunkt standen Rückverfolgbarkeit, Qualitätsmanagement, Produktionssteuerung und eine Systemarchitektur, die bereits auf künftige KI-gestützte Module vorbereitet ist.

Diese Beispiele zeigen, warum viele Gespräche auf der Messe offenbar konkreter verliefen als 2022. Die ausgestellten Lösungen adressierten keine abstrakten Zukunftsthemen, sondern operative Engpässe: stabile Bäder, geringere Medienverbräuche, weniger Ausschuss, höhere Anlagenverfügbarkeit, bessere Dokumentation, sicherere Prozesse und niedrigere Energie- und Entsorgungskosten.

Die Gewinner des diesjährigen Preises "Die Oberfläche". Bild: CB

„Die Oberfläche 2026“: Preis für marktreife Innovationskraft

Ein Höhepunkt der Messe war die Verleihung des Stuttgarter Oberflächentechnik-Preises „Die Oberfläche 2026“ durch das Fraunhofer IPA. Der Preis wurde 2026 zum zehnten Mal vergeben. Die Jury bestand aus Dr.-Ing. Martin Metzner vom Fraunhofer IPA, Dr. Martin Riester vom VDMA Oberflächentechnik und Dr. Michael Hilt von der Forschungsgesellschaft für Pigmente und Lacke. Bewertet wurden die Einreichungen nach Innovationssprung, Nachhaltigkeit, Enabler-Qualität und industrieller Machbarkeit. Insgesamt wurden fünf Einreichungen nominiert; neben den drei Preisträgern gehörten DITEC mit fortschrittlichem digitalem Elektrolytmanagement und iwis mobility systems mit einer Inline-PVD-Beschichtung für Wälzkörper in Großserie zu den Nominierten.

Die Preisverleihung zeigte besonders anschaulich, welche Themen die Oberflächentechnik derzeit bewegen: Ersatz chemischer Prozessschritte, Kreislaufführung hochwertiger Materialien und ressourceneffiziente Kontaktoberflächen für die Leistungselektronik.

1. Preis: LAMA von SLCR Lasertechnik und Dörken Coatings

Den ersten Preis erhielt LAMA, eine gemeinsame Entwicklung von SLCR Lasertechnik und Dörken Coatings. Das Verfahren reinigt metallisches Massenschüttgut wie Schrauben, Muttern und Clips laserbasiert in einem Schritt und bereitet die Teile für Zinklamellenbeschichtungen im Dip-Spin-Verfahren oder für galvanische Prozesse vor. Verunreinigungen wie Öle, Fette und Oxidschichten werden im Schüttgutverfahren entfernt. Damit ersetzt LAMA die bisher übliche Kombination aus chemischer Reinigung und mechanischem Strahlen nahezu vollständig. Die Jury überzeugte insbesondere die Verbindung aus Umweltfreundlichkeit, Prozessvereinfachung und wirtschaftlicher Skalierbarkeit.

In der Präsentation wurde deutlich, warum das Verfahren industriell relevant ist. SLCR beschrieb die Laserreinigung von Massenschüttgut als besondere Herausforderung: Ein hochpräzises Werkzeug wird auf chaotisch bewegte Kleinteile angewendet. In Langzeittests bei einem Industriepartner wurden Teile gereinigt, anschließend beschichtet und im Salzsprühnebeltest geprüft. Die Ergebnisse lagen nach Darstellung des Unternehmens weit über den Normvorgaben von 720 Stunden; selbst nach 1.000 Stunden waren die Beschichtungsergebnisse noch sehr gut. Je nach Artikel seien mit der Anlage durchschnittlich etwa 500 bis 750 Kilogramm pro Stunde erreichbar gewesen. Zudem sei das Verfahren von Dörken und weiteren Beschichtungsherstellern freigegeben und in wichtigen OEM-Kontexten akzeptiert worden.

Auch wirtschaftlich und ökologisch setzt LAMA an zentralen Branchenthemen an. Das Verfahren benötigt keine Strahlmedien und keine Chemikalien, erzeugt kein belastetes Abwasser und reduziert Abfall. SLCR sprach von rund 20 Prozent geringeren Kosten über fünf Jahre trotz hoher Investitionskosten sowie von CO₂-Einsparungen von mindestens 38 Prozent bei normalem Strommix; mit Grünstrom sei ein nahezu CO₂-freier Betrieb möglich. Besonders praxisnah: Die erste Anlage steht nach Unternehmensangaben bereits seit März bei einem Beschichter in England im Einsatz.

2. Preis: Remap von BIA Kunststoff- und Galvanotechnik

Der zweite Preis ging an BIA Kunststoff- und Galvanotechnik für das Remap-Konzept. Das Verfahren ermöglicht hochwertige Class-A-Hochglanzoberflächen aus Kunststoffrezyklaten in der dekorativen Galvanik. Bisher scheiterte der Einsatz solcher Rezyklate häufig an schwankender Materialqualität, Haftungsproblemen und sichtbaren Defekten. Remap setzt auf ein mehrstufiges, rein mechanisches Recyclingverfahren, das galvanisierte Ausschussteile in Kunststoff- und Metallfraktionen trennt, das Material aufbereitet und als galvanisierbares ABS-Rezyklat in den Produktionsprozess zurückführt. Das Material erreicht nach Angaben des Fraunhofer IPA Neuwaren-Niveau in Optik, Funktion und Prozessstabilität und kann zu 30 bis 100 Prozent eingesetzt werden; bei Post-Industrial-Rezyklaten ist bereits eine vollständige Kreislaufführung möglich. Der CO₂-Fußabdruck sinkt um rund 30 Prozent.

In der Präsentation machte BIA deutlich, warum dies technologisch anspruchsvoll ist. Galvanisierte Kunststoffbauteile verbinden die Formgebungs- und Gewichtsvorteile von Kunststoff mit der hochwertigen Anmutung und Funktion metallischer Oberflächen. Die Haftung zwischen Metall und Kunststoff ist jedoch zugleich Schwachpunkt und Recyclingchance: Weil die Verbindung stärker mechanisch als metallurgisch geprägt ist, kann das Metall in einem mechanischen Prozess wieder vom Kunststoff getrennt werden. BIA nutzt hierfür gemeinsam mit einem Partner unter anderem einen Hochimpulsschredder, magnetische Separation der nickelhaltigen Metallfraktion und Schmelzefiltration bei der Regranulierung.

Besonders relevant ist, dass BIA den Weg von frühen, noch nicht ausreichenden Oberflächenqualitäten bis hin zur Freigabe durch Automobilhersteller nachzeichnete. Anfangs seien die Bauteile noch nicht gut genug gewesen; inzwischen konnten erste Bauteile in Serie freigegeben werden, unter anderem bei Mercedes. Damit zeigt Remap, dass Kreislaufwirtschaft in der dekorativen Kunststoffgalvanik nicht nur als Labor- oder Nachhaltigkeitsthema funktioniert, sondern in anspruchsvolle Premiumanwendungen überführt werden kann.

3. Preis: AgTherm von Enayati Oberflächentechnik

Den dritten Preis erhielt Enayati Oberflächentechnik für das AgTherm-Hochtemperatur-Silberschichtsystem. Es adressiert ein zentrales Problem der Leistungselektronik: Elektrische Kontakte bei Dauertemperaturen oberhalb von 150 °C waren bislang zuverlässig vor allem mit Gold realisierbar. Silberbasierte Kontaktoberflächen scheiterten bei längerer thermischer Belastung häufig an Haftungsproblemen und Alterung. AgTherm ermöglicht stabile, niederohmige elektrische Verbindungen auch bei Dauertemperaturen über 200 °C und eröffnet damit Anwendungen in Leistungselektronik, E-Mobility und Energietechnik.

In der Präsentation erläuterte Torsten Holzhauer von Enayati die Ausgangslage anhand aktueller Hochstromanwendungen, etwa in der Ladeinfrastruktur von Elektrofahrzeugen mit typischen Größenordnungen von 800 Volt und 400 Ampere, Tendenz steigend. Herkömmliche Nickel-Silber-Schichtsysteme geraten bei höheren Temperaturen an Grenzen. AgTherm arbeitet mit einer sehr dünnen Indium-Zwischenschicht zwischen Nickel und Silber, die durch einen Temperaturimpuls gezielt in intermetallische Phasen überführt wird. Diese sollen thermodynamisch stabil sein und weitere Alterungsprozesse sowie damit verbundene Defekte vermeiden. In Vergleichsuntersuchungen wurden beschichtete Kupferbleche 1.000 Stunden bei 210 °C ausgelagert; während das AgTherm-System im Tape-Test nach Darstellung des Unternehmens keine Defekte zeigte, versagte das Standard-Nickel-Silber-System weitgehend.

Enayati betonte zudem die industrielle Skalierbarkeit: Das Verfahren wird nicht nur im Labor betrachtet, sondern ist auf einer Rolle-zu-Rolle-Serienanlage für Endlosteile selektiv applizierbar. Dadurch kann Silber gezielt dort eingesetzt werden, wo es benötigt wird, während andere Bereiche beispielsweise verzinnt bleiben können. Neben Kostenvorteilen gegenüber Gold verweist Enayati auf erhebliche Nachhaltigkeitseffekte: Beim Schritt von Gold zu AgTherm seien bis zu 97 Prozent CO₂-Einsparung möglich.

Eine Messe zwischen Konsolidierung und Aufbruch

Die SurfaceTechnology GERMANY 2026 war keine Messe der ungebremsten Wachstumseuphorie. Dafür ist die Lage in vielen Abnehmerbranchen zu angespannt, sind Investitionsentscheidungen zu vorsichtig und regulatorische Unsicherheiten zu groß. Aber die Veranstaltung zeigte, dass die Oberflächentechnik keineswegs in einer reinen Defensivhaltung verharrt. Im Gegenteil: Viele der vorgestellten Lösungen zielen direkt auf die Probleme, die Betriebe derzeit am stärksten belasten.

Die Messe machte deutlich, dass Effizienz nicht nur eine Kostenfrage ist. Sie betrifft Energie, Chemikalien, Wasser, Abfall, Personal, Prüfaufwand, Dokumentation und Prozessstabilität zugleich. Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck, sondern wird dort relevant, wo sie Badzustände transparenter macht, Produktionsdaten verknüpft, Qualität absichert oder Planung vereinfacht. Nachhaltigkeit wird ebenfalls zunehmend technisch konkret: durch geschlossene Kreisläufe, ressourcenschonende Vorbehandlung, Wärmerückgewinnung, alternative Oberflächen, reduzierte Edelmetallverbräuche und Substitution kritischer Stoffe.

Dass viele Aussteller von besseren und konkreteren Kontakten als 2022 sprachen, passt zu dieser Entwicklung. In unsicheren Zeiten kommen weniger zufällige Anfragen, dafür aber mehr konkrete Problemstellungen. Für eine Fachmesse kann das wertvoller sein als reine Frequenz. Die SurfaceTechnology GERMANY 2026 hat damit nicht nur ihre Besucherzahl gegenüber 2022 gesteigert, sondern auch gezeigt, dass sie als Arbeitsplattform für eine hochspezialisierte Branche funktioniert.

Resümee

Unter dem Strich war die SurfaceTechnology GERMANY 2026 eine positive Messe in schwierigem Umfeld. Mehr als 4.600 Besucher, ein hoher internationaler Anteil, mehr als 210 Aussteller und ein fachlich starkes Rahmenprogramm sind für sich genommen solide Kennzahlen. Entscheidend ist jedoch der Kontext: Die Branche steht unter Marktdruck, viele Unternehmen kämpfen mit Kosten, Regulierung, Fachkräftemangel, schwacher Inlandsnachfrage und unsicheren Exportperspektiven. Dass die Messe dennoch zulegen konnte und Aussteller von qualitativ hochwertigen Kontakten berichteten, ist deshalb deutlich mehr als eine statistische Randnotiz.

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass die Oberflächentechnik technologisch handlungsfähig bleibt. Sie entwickelt Lösungen für Energie- und Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung, PFAS-Substitution, Qualitätssicherung und neue Hochleistungsanwendungen. Gerade dieser praxisnahe Innovationsfokus machte den positiven Tenor der Messe glaubwürdig. Die SurfaceTechnology GERMANY 2026 war damit kein Signal für eine bereits überwundene Krise – aber ein starkes Zeichen dafür, dass die Branche auch unter schwierigen Rahmenbedingungen ihre Zukunft aktiv gestaltet.

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