Oversprayfreie Zukunft

Audi lackiert als erster Automobilhersteller überhaupt Kontrastfarben oversprayfrei. Kein Maskieren mehr – kein zusätzlicher Ofendurchlauf. Das ist ein Meilenstein in Bezug auf Ressourceneffizienz und Produktivität.

Werden wir künftig alle oversprayfrei Lackieren? Das Potential für Ressourceneinsparungen ist jedenfalls groß (Bild: Audi)

Aber heißt das auch, dass klassische Applikationstechnologie ab sofort von gestern ist? Es steht außer Frage, dass das oversprayfreie Lackieren von Kontrastfarben im Automobilbereich eines der großen Highlights der letzten Jahre in der Oberflächenbranche ist. Es ist eine Applikationstechnik, die perfekt in eine Zeit passt, wo zunehmende Individualisierung auf ein steigendes Bewusstsein von Nachhaltigkeit trifft. Und eine klassische zwei Farbenlackierung mit umfangreicher Maskierung und zusätzlichen Trocknerdurchläufen ist nicht nur teuer und aufwendig, sondern hat auch keinen besonders kleinen ökologischen Fußabdruck. Generell könnte das oversprayfreie Lackieren unglaubliche Einsparungen bei Lackierprozessen realisieren. Abgesehen von der für die eigentliche Lacktrocknung notwendigen Wärmeenergie müssen nach wie vor große Energiemengen für die Belüftung und Konditionierung der Luft in der Lackierkabine sowie die Lacknebelabscheidung aufgewendet werden – auch wenn sowohl der Umluftbetrieb, als auch moderne Abscheidetechnologien hier bereits viel zur Optimierung beigetragen haben. Also Lackieren wir künftig alle oversprayfrei?

Nun ja, das Verfahren ist ausgesprochen komplex, und erfordert – zumindest bisher – eine Präzision im Bereich der Bahnsteuerung und Applikationstechnik, die nur für ausgewählte Anwendungen bezahlbar ist. Auch laufen die Entwicklung noch auf Hochtouren, um senkrechte Flächen Beschichten zu können - bisher sind im Automobilsektor nur horizontale Flächen möglich. Darüber hinaus ist die Anzahl der verfügbaren Lacke und Farbtöne noch gering. Die Applikation von Lacken mit Effektpigmenten ist bisher noch nicht in Reichweite.

So spektakulär und vielversprechend es ist, das oversprayfreie Lackieren befindet sich im Vergleich zur klassischen Applikationstechnik noch in einem sehr frühen Entwicklungstadium und kann deshalb bisher nur in speziellen Anwendungen ein wirtschaftlicher Mitbewerber zu klassischen Applikationstechnologien sein. Von daher ist aus heutiger Sicht nicht zu erwarten, dass das oversprayfreie Lackieren kurzfristig eine große Durchdringung der Oberflächenbranche erreichen und tatsächlich im größeren Stil klassische Applikationstechnologien ersetzen wird. Allerdings spielen für die Handhabbarkeit und Bezahlbarkeit des Verfahrens unter anderem die Rechenleistung und Sensorik eine zentrale Rolle - und in diesem Bereich erfolgt die Entwicklung bekanntermaßen nicht linear. Wenn es gelingt, die Investitionskosten und gleichzeitig die Komplexität für den Anwender entsprechend zu reduzieren sowie die benötigten Lacke und Farbtöne zur Verfügung zu stellen, werden dem oversprayfreien Lackieren allerdings in der Zukunft viele Türen offenstehen.

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