Elektromobilität: Mit Kunststoff auf der Überholspur

Der e.GO ist ein interessantes Konzept zur Elektromobilität und setzt auf hochwertige, brillant eingefärbte Kunststoffbauteile statt klassischer Lackiertechnologie.

Die Karosserie des e.GO besteht aus Kunststoffelementen (Bild: e.GO)

Der e.GO ist ein spannendes Konzept, um die E-Mobilität voranzubringen. Bei dem 2019 auf dem Genfer Autosalon vorgestellten Kleinwagen steht nicht die maximale Reichweite, sondern ein möglichst niedriger Kaufpreis sowie Ressourcenschonung im Vordergrund. Dementsprechend fanden die Entwickler rund um Professor Dr. Günter Schuh von der RWTH Aachen auch bei der Oberflächentechnik ein alternatives Konzept zur klassischen Lackierung: Kunststoffbauteile, die mit ihrer finalen Oberflächenqualität direkt aus der Form kommen. Es fällt also weder Overspray an, noch bedarf es aufwändiger Anlagentechnik.

„Die zentrale Anforderung war es, eine beständige Außenhaut für das Fahrzeug zu einem überschaubaren Budget zu entwickeln. Dazu kamen Herausforderungen wie spezielle Farbspezifikationen, Temperaturfestigkeit und höchste Oberflächenqualität“, beschreibt Frank Peters, CEO der Parat GmbH + Co. KG, die Aufgabenstellung. Parat hat bereits viel Erfahrung mit dem Herstellen von Kunststoffbauteilen für Automobile, Nutzfahrzeuge, Landwirtschafts- und Baumaschinen sowie Caravans. Für den Automotive-Markt fertigt das Unternehmen zwischen 1.000 und 50.000 Einheiten der jeweiligen Bauteile pro Jahr. Kernkompetenzen sind das Thermoformen von Plattenhalbzeugen und die LFI-Technologie – mit Glasfaser und PU-Schaum verstärkte Kunststoffbauteile. Ein Beispiel für die hohe Qualität ist eine Kühlerblende für Trucks aus Senosan-Kunststoff in Hochglanz „Piano Black“-Optik. Im Bereich Baumaschinen wiederum sind mechanische Festigkeit, Kratzfestigkeit, Korrosionsschutz und Reparaturfreundlichkeit gefragt. Kunststoff ist hier ideal, weil er elastischer und weniger anfällig als lackiertes Metall ist.

Im Rahmen des e.GO-Projektes entwickelte der Kunststoffspezialist nach umfangreichen Tests und einer Feasibility-Studie zusammen mit Senoplast, einem Spezialisten für hochwertige Kunststoffoberflächen, die Außenhaut des Fahrzeugs. Sie ist leichter und bei kleineren Stückzahlen auch kostengünstiger als konventionelles Blech. Das Thermoformen, bei dem Kunststoffplatten erwärmt und über eine Form gezogen werden, passt sehr gut zu den im Vergleich zur etablierten Automobilindustrie geringeren Stückzahlen des e.GO Life, denn so lassen sich teure Presswerkzeuge oder Lackieranlagen einsparen. Noch dazu bietet es eine hohe Designfreiheit und Farbvielfalt, denn es sind auch zahlreiche Metallic-Farbtöne lieferbar.

Lesen Sie mehr über das alternative Lackierkonzept des e.GO in der März-Ausgabe von mo - Magazin für Oberflächentechnik.

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