Eisenmann: Investorenprozess vor dem Abschluss

Der Investorenprozess für die Eisenmann-Gruppe befindet sich in der Endphase. Für die Mehrzahl der Geschäftseinheiten stehen Investorenlösungen in Aussicht. Vier Kaufverträge wurden bereits unterzeichnet. Es zeichnet sich aber ab, dass eine vollständige Veräußerung des Eisenmann-Kerngeschäfts – der Bau neuer Lackieranlagen – nicht möglich sein wird.

Die Eisenmann-Gruppe umfasst 20 Standorte weltweit (Bild: Eisenmann SE)

„Der Verlauf des Verkaufsprozesses der Eisenmann-Gruppe hat eine schon fast tragische Dimension“, sagte Joachim Exner, Insolvenzverwalter der Eisenmann SE, heute am Sitz des Unternehmens in Böblingen. „Eisenmann ist einer der weltweiten Technologie- und Innovationsführer in seiner Branche. Ohne die Corona-Pandemie befände sich die Eisenmann-Gruppe bereits im Besitz eines strategischen Investors und ein Großteil der Arbeitsplätze wäre gerettet.“ Mitte Februar 2020 war eine Investorenlösung für die gesamte Gruppe zum Greifen nahe: Sämtliche Verträge und der Kaufpreis waren ausverhandelt. Die Unterschriften sollten im Frühjahr erfolgen. Alle Interessenten für den Geschäftsbereich Lackieranlagenbau haben darauf hingewiesen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie es unmöglich machen, die Umsatz- und Ertragsentwicklung für die nächsten zwei Jahre seriös zu planen. Zudem bestünde die Gefahr eines zweiten Lockdowns, der die weltweiten Märkte nochmals empfindlich treffen würde. Aktuell geht kein potenzieller Investor davon aus, dass in den nächsten Jahren eine nennenswerte Anzahl neuer Lackieranlagen-Projekte vorhanden sein wird, dieser Markt sei nahezu komplett eingebrochen.

Lackieranlagen für die Automobilindustrie haben einen Auftragswert von bis zu 250 Mio. Euro. Das Geschäft mit dem Neubau von Lackieranlagen stellt jedoch den Kern der Tätigkeit der Eisenmann Anlagenbau dar, sodass ein massiver Personalabbau unumgänglich ist. Exner hat heute die Mitarbeiter über den Stand der Dinge informiert. Die rund 650 betroffenen Arbeitnehmer erhalten das Angebot, in eine sogenannte Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln, in der die Mitarbeiter für weitere gut drei Monate weiterbeschäftigt werden und 75 Prozent ihres letzten Nettoentgeltes erhalten. Zusätzlich werden sie bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützt. Exner versucht weiter, zumindest für einen Teil des Kern-Geschäftsbereichs Lackieranlagenbau eine Investorenlösung zu verhandeln. Seit Mai wurde parallel ein alternatives Veräußerungskonzept verfolgt, mit dem die Eisenmann-Geschäftsbereiche auch einzeln angeboten wurden. Infolgedessen ist es dem Insolvenzverwalter bereits gelungen einzelne Tochterunternehmen bzw. Geschäftseinheiten zu veräußern. Für weitere befinden sich die Verkaufsgespräche in einem fortgeschrittenen Stadium.

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