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PET statt Glas im Foodbereich

Das Konservieren von Lebensmitteln im Glas oder in Dosen ist seit Jahrzehnten das Mittel der Wahl, wenn verderbliche Produkte ohne Tiefkühlung lange haltbar gemacht werden sollen. Aber sowohl die Dose als auch besonders das Glas haben einen wesentlichen Nachteil: das Verpackungsgewicht ist verhältnismäßig hoch. Verpackungen aus PET könnten eine Alternative sein – allerdings ist die Diffusionsdichtigkeit und Barrierewirkung von reinem Kunststoff für die bei Konserven üblichen Haltbarkeitsdauern nicht geeignet.

Ein Blick in die KHS InnoPET Plasmax 20Q Anlage, die es erlaubt, hauchdünne Glasschichten in PET-Verpackungen abzuscheiden. (Bild: KHS)


Schutz für sensitive Produkte

Mittels einer hauchdünnen, unsichtbaren Glasschicht – also Siliziumoxid (SiOx) – an der Innenwand des PET-Behälters lassen sich empfindliche Säfte und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke effektiv schützen. Die Barrieretechnologie erzielt dabei Haltbarkeit bei Getränken, die mit der von Glasflaschen vergleichbar ist. Inzwischen kann das Beschichtungsverfahren auch für empfindliche Lebensmittel wie Tomatensaucen, Obst und Gemüse selbst in transparenten PET-Behältern eingesetzt werden.

Die Barriereschicht verhindert dabei sowohl das Entweichen von Aromen oder Kohlensäure als auch das Eintreten von Sauerstoff und den damit verbundenen Verlust an Vitaminen. Dadurch verlängert sich die Haltbarkeit der entsprechend abgefüllten Produkte im Einzelhandel deutlich. Bei Multilayer-Flaschen oder Blend-Lösungen, den bisher im Markt üblichen Barrierelösungen, werden beispielsweise Nylon oder Substanzen, die mit Sauerstoff reagieren, in einer Mittellage eingespritzt oder in den Kunststoff eingemischt. Demgegenüber bietet das patentierte Plasmax-Verfahren einen entscheidenden und zunehmend wichtigeren Vorteil: Die beschichteten PET-Flaschen können uneingeschränkt wieder zu neuen PET-Flaschen recycelt werden. Denn anders als bei Multilayer-Flaschen oder den Blend-Lösungen, bei denen die Trennung der verschiedenen Kunststoffe aufwendiger ist, kann die hauchdünne Glasschicht abgewaschen und das PET sortenrein weiterverarbeitet werden. Die Plasmax-Beschichtung von PET-Flaschen reduziert die Durchlässigkeit für Sauerstoff von außen nach innen um den Faktor 10 bis 30. Der Verlust von CO2 über Vitamine bis hin zu Aromen von innen nach außen reduziert sich um den Faktor 3 bis 10. Außerdem zeichnet sich die Glasbeschichtung durch eine gewisse Flexibilität aus und löst sich nicht von der Flasche ab. Auch Heißabfüllungen zwischen 80 und 95 Grad Celsius sind möglich.

Materialeinsparungen und weniger Logistik-Kosten

Dieser erweiterte Einsatzbereich wirkt sich auch auf die Entwicklung von Streckblasmaschinen aus. So lassen sich in aktuelle Anlagenkonzepte von KHS hygenische Abfüllvorrichtungen und Stückchendosierer in das System integrieren. Das ermöglicht die Zugabe von Früchten, Gemüse oder Cerealien mit einer Kantenlänge von bis zu 10 Millimetern. Prinzipiell sind Weithalsbehältern mit Öffnungen von bis zu 70 Millimetern – bei hoher Flaschenqualität und geringerem Energieverbrauch – im Streckblasverfahren möglich. Besonders vorteilhaft daran ist, dass das Formen der Flasche, die Innenbeschichtung samt Befüllung in einer Linie erfolgen kann. Damit sinkt der Logistik-Bedarf erheblich, denn die Behälter müssen nicht mehr angeliefert werden, sondern werden direkt vor Ort hergestellt. Aber auch Materialeinsparungen sind durch die Barriereschicht möglich.

So wird KHS auf der NPE Plastics Show in Orlando (Florida) im Mai auch extrem leichte Verpackungslösungen präsentieren, zum Beispiel eine lediglich fünf Gramm schwere 0,5-Liter-PET-Flasche für stilles Wasser „Factor 100“. Zum Vergleich – eine herkömmliche PET-Flasche dieser Größe wiegt fast 20 Gramm und damit beinahe das Vierfache. Damit trägt die Plasmax-Beschichtung dazu bei, die Umweltbilanz von Einwegverpackungen deutlich zu verbessern.