Reinigen durch's Schlüsselloch

Die Fein- und Feinstreinigung von kleinsten Bauteilen und Kapillaren stellt eine Herausforderung für die industrielle Reinigungstechnik dar. Hier kann die Zyklische Nukleation bei bisher kritischen Anwendungen zum Problemlöser werden.

Bild: LPW

Fachleute vergleichen die Aufgabenstellungen in der industriellen Teilereinigung bisweilen mit der Reinigung eines Wohnzimmers durch das Schlüsselloch. Auch wenn der Vergleich drastisch erscheint, sind vor allem Innengeometrien und auch schmale Spalte und Kapillaren bisweilen nur sehr schwer oder mit hohem Aufwand zu reinigen. Die Zyklische Nukleation (CNp) bietet verfahrensbedingt hier die Option, wirklich das komplette Wohnzimmer auch durch das Schlüsselloch sauber zu bekommen.

Die Zyklische Nukleation (CNp) arbeitet im Vakuum und entfaltet durch Variation des Drucks in der Kammer seine waschmechanische Wirkung auf der gesamten Bauteiloberfläche. Gleichzeitig  wird auch in allen verdeckten Geometrien, Kapillaren und Abschattungen, die mit dem Reinigungsmedium in direkter Verbindung stehen, ein verstärkter Medienstrom erreicht. Umfangreiche Versuchsreihen zeigen, dass selbst bei empfindlichen Beschichtungen in Verbindung mit hohen Feinstreinigungsanforderungen durch die Zyklische Nukleation keine Beschädigungen an der Beschichtung oder der Bauteiloberfläche entstehen.

Damit bietet sich die Zyklische Nukleation als Alternative oder Ergänzung zur konventionellen wässrigen oder Lösemittelreinigung mit Ultraschall an, vor allem wenn es um sehr kleine Bauteile, Kapillare sowie komplexe Innengeometrien geht. Ein Anwendungsbeispiel aus der Uhrenindustrie veranschaulicht die erreichbare Sauberkeit. Gereinigt werden sollten mechanische Komponenten wie Wellen und Zahnräder. Nur ein Partikel der Größe 25 μm/cm²  durfte in diesem Fall übrig bleiben. Auch die Rückstände von Kohlenstoffverbindungen waren limitiert und wurden über eine Restgasanalyse geprüft, hier lag die Forderung bei maximal 2,3*10-13 A. In dem zuvor verwendeten Reinigungsprozess konnten die Komponenten nur einlagig gereinigt werden. Bis zu vier Ultraschallspülen waren nach bis zu zwei  Reinigungsprozessen für den Medienaustausch zur Reduzierung der Schmutzfracht sowie der Beseitigung der Reinigerrückstände notwendig.

Durch die Zyklische Nukleation (CNp)  konnten die Zahnräder mehrlagig in einem insgesamt dreistufigen Reinigungs-/ Spülprozess behandelt werden. Neben der leicht kavitätischen Wirkweise zeigte sich auf der gesamten Bauteiloberfläche und gerade in den kapillaren Bereichen ein kontinuierlicher Medienfluss – selbst bei dicht gepackter Ware. Dadurch sind sichere Reinigungsprozesse auch mit einer reduzierten Anzahl von Bädern möglich. Auch feine Kapillaren – zum Beispiel aus der Flüssigkeitsanalytik – können per CNp zuverlässig gereinigt werden.

Damit  kann  die Zyklische Nukleatio  eine interessante Möglichkeit sein, Kosten zu reduzieren und gleichzeitig das Reinigungsergebnis zu verbessern.